5 Gründe bei Autoimmunerkrankungen Wildkräuter zu essen

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Die Geschichte von Kräutern und mir reicht zurück bis in meine Kindheit. Eines der ersten Bücher, das ich als Kind las, war Winnetou. Da ich ja aus Schleswig-Holstein bin, gehörte der Besuch der Karl May-Festspiele zu den jährlichen Highlights meiner Kindheit. Und da Altersbegrenzungen mich noch nie abgehhalten haben, war ich wahrscheinlich ungefähr acht Jahre alt, als ich mir die Karl May-Bücher aus Omas Regal stibitzte und nachts unter der Bettdecke las.

Besonders faszinierten mich die Erzählungen über die Naturverbundenheit der Indianer, und deren Fähigkeiten in der Wildnis zu überleben. Heute weiß ich, dass von Karl Mays Beschreibungen nichts tatsächlich zu gebrauchen ist, und der gute Mann in Wahrheit recht wenig Ahnung von der Thematik hatte, aber mein Interesse und meine Leidenschaft waren damals geweckt.

Also lieh ich mir aus der Bücherei ein Pflanzenbestimmungsbuch aus, und überredete meine Großeltern, mir diverse andere zu schenken. Außerdem begann ich damit, ein Herbarium anzulegen. Mein Vater fand auf dem Dachboden eine alte Bücherpresse, die extrem nützlich war um die Pflanzen dauerhaft zu pressen und zu konservieren. Schnell wollte ich aber mehr als nur Pflanzen trocknen und konservieren, ich wollte sie anwenden.

Mein erstes Heilkräuterpflanzenbuch wurde „Heilkräuter aus dem Garten Gottes“ von Maria Treben. Ich habe es heute noch und finde es immer noch nützlich. Viele weitere folgten. Meine Mutter ertrug mit Engelsgeduld die Gläser mit Auszügen und Ölmischungen in verschiedenen Farben, die auf unserer Fensterbank wohnten. Und meine Oma entdeckte mit mir gemeinsam alte Rezepte mit Wildkräutern aus dem handgeschriebenen Notizbuch ihrer Mutter wieder. So wurde die Herstellung von pommerschem Holundersekt wieder ein Teil unser jährlichen Produktionen und ein beliebtes Mitbringsel für Freunde und Bekannte.

Die wissenschaftlichen Hintergründe der Fermentation und ihr gesundheitlicher Nutzen waren mir damals noch recht egal, aber ich fand es unglaublich spannend, wie aus den Blüten und Kräutern in der Wanne nach einigen Wochen erst eine prickelnde Limonade, und später ein alkoholhaltiger Sekt wurde. Meine Mitbewohner in Studienzeiten hatten mich ganz besonders lieb, wenn ich mal wieder den Flur mit einer Sirup-ähnlichen Flüssigkeit versaut hatte, oder eines meiner Fermente in der WG-Küche explodiert war. 

Legendär bleibt die Abfüllung von überraschenden zehn Litern Kräutersirup im Hausflur, da ich nicht bedacht hatte, dass 5kg Zucker sich zwar in 5 Litern Wasser auflösen, sein Volumen aber natürlich erhalten bleibt. Während des eiskalten Greifswalder Winters griffen dann aber alle gerne zum Sirup, um Erkältungen im Keim zu ersticken. Wildkräuter und Pflanzen haben mich also schon immer interessiert, und sollten vor allem bei chronischen Erkrankungen wieder eine Rolle in der Ernährung bekommen. Ein paar Gründe warum es sich lohnt, seien hier aufgeführt:

1. Hohe Nährstoffdichte

Bei Autoimmunerkrankungen sollte so viel stärkearmes Gemüse wie möglich in die Ernährung integriert werden, um den Körper in seinem Heilungsprozess zu unterstützen und für seinen erhöhten Bedarf die entsprechenden Nährstoffe zur Verfügung zu stellen.
Der Boden von Anbauflächen ist oft ausgelaugt und kann den Pflanzen nur noch wenig Nährstoffe bieten, was sich auch auf deren Nährstoffdichte auswirkt. Wildpflanzen wachsen meist dort wo kein Ackerbau stattfindet, und können damit „aus dem Vollen schöpfen“. Zudem haben mehrjährige Pflanzen, zu denen viele Wildkräuter gehören, längere Wurzeln, die auch Nährstoffe aus tieferen Regionen des Bodes schöpfen können. So reichen z.B. die Wurzeln von Brennnesselnestern oft tief in den Boden.

Beispiel: Vitamin C-Gehalt in mg/100g essbarem Anteil

Kulturgemüse
Wildpflanzen
Kopfsalat
13 mg
Gänseblümchen
87 mg
Spargel
21 mg
Löwenzahn
115 mg
Wirsing
45 mg
Sauerampfer
125 mg
Rotkohl
50 mg
Wilde Malve
178 mg
Spinat
52 mg
Brennessel
333 mg
Blumenkohl
73 mg
Hagebutte
1470 mg

2. Kostengünstig

Seien wir ehrlich, 10 Tassen Gemüse 6 Fleisch aus artgerechter und biologischer Haltung – das kann ganz schön ins Geld gehen. Da ist es eine willkommene und tolle Möglichkeit auf Pflanzen und Kräuter zurückgreifen zu können, die völlig kostenlos sind. Erlernt man zusätzlich die Möglichkeiten der Konservierung, so stehen einem diese das ganze Jahr über zur Verfügung.

3. Heilwirkung

Wildkräuter bieten zahlreichen Zusatznutzen. So sind z.B. Löwenzahn und Gänseblümchen schon immer dafür genutzt worden, die Funktion der Leber zu verbessern und den Körper auf sanfte Art und Weise zu entgiften. Auszüge und Essenzen bieten eine kostengünstige Alternative zu teuren Supplementen, um den Körper in seinem Heilungsprozess zu unterstützen.

4. Stressabbau

Ein Spaziergang in der Natur an einem wunderschönen Herbsttag. Leichte kontinuierliche Bewegung. Meditatives Zubereiten von Kräutermischungen. Dies alles kann eine stark stressreduzierende Wirkung haben. Studien haben gezeigt, dass die Wirkung dieser Lebensstil-Interventionen die Wirksamkeit von Medikamenten bei weitem überwiegt.

Schon das Geräusch des Windes in den Blättern allein, hat eine unmittelbar Cortisol-regulierende Wirkung. Wer sich, wie ich, damit schwer tut „einfach so“ Zeit in der Natur zu verbringen, hat mit dem Sammeln von Kräutern und Wildpflanzen eine triftigen Grund. Der Muskelkater in den Oberschenkeln vom Auf und Ab beim Kräutersammeln ist ein zusätzlicher, positiver Nebennutzen.

Wer Kinder hat, gewinnt hier eine Möglichkeit, den Kindern Natur auf eine ganz besondere und ursprüngliche Art und Weise nahe zu bringen. Die Angst, die Kinder könnten dazu übergehen quasi „alles, was grün ist“ in den Mund zu stecken, halte ich für unbegründet.

Meine Kinder wissen genau, dass sie etwas nur essen dürfen wenn sie entweder gefragt haben, oder wenn sie sich absolut sicher sind. „Mama, kann man das essen?“ ist daher eine bei uns auf Spaziergängen ziemlich häufig gestellte Frage. Der Große (4) kann jedoch Sauerampfer bereits zu 100% identifizieren und pflückt diesen daher auch selbst und isst ihn.

5. Seltene Nährstoffe

Einige Wildkräuter stellen Nährstoffe zur Verfügung, die wir sonst nur noch selten finden und entsprechend substituieren müssen. Bitterstoffe wurden den meisten Kulturpflanzen konsequent weggezüchtet, was es unserer Galle und unserer Bauchspeicheldrüse jedoch schwerer macht, ihre Funktion auszuüben.

Bei Autoimmunerkrankungen ist die Produktion der Magensäure durch Zerstörung der Belegzellen des Magens oft beeinträchtigt, und auch Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse sind häufig. Die Aufnahme von Bitterstoffen kann hier hilfreich und heilsam sein. Brennnesseln enthalten mehr Eisen als Spinat, und bringen zudem diverse, zur Blutbildung nötige Costoffe gleich mit.

Einmal in der Woche Brennnesselspinat mit gebratener Leber (oder Frikadellen mit versteckter Leber) ist damit ein Gericht, das hinsichtlich des bei Autoimmunerkrankungen so häufig auftretenden Eisenmangels einen unschätzbaren Nutzen hat. Die gleichzeitig harntreibende Wirkung der Brennnesseln hilft gleich zudem noch bei der oft gestörten Giftstoffelimination über die Leber. Soviel Nutzen für wenig Geld.

Zusammenfassung zu den Wildkräutern

Ich hoffe, ich konnte Euch mit diesem kurzen Artikel ein paar der wunderbaren Wirkungen von Wildkräutern und -Pflanzen näher bringen. Da es oft hilfreich ist, die entsprechenden Pflanzen mal in bewegten Bildern zu sehen, werde ich Euch in den nächsten Tagen einige meiner Lieblingspflanzen und -Rezepte mit Videos vorstellen.

Wer noch Hemmungen hat, dem sei eines der zahlreichen Wildkräuterseminare empfohlen. Hilfreich ist es, erstmal mit etwas anzufangen, das einem sicher bekannt ist, wie z.B. der Brennnessel. Einfach auf dem nächsten Spaziergang eine gute Schere und einen Gefrierbeutel mitnehmen, und los geht die Sammelei. Bereitet man aus den Brennnesseln als erstes eine Suppe statt beispielsweise eines Salates zu, kann man sich auch sicher sein, alle Inhalte der feinen Brennhäärchen entleert zu haben, und keine böse Überraschung im Mund zu erleben.

Die Unterteilung in „Unkraut“ und „Nutzkraut“ ist im Übrigen eine seltsame Erscheinung, die unsere Gesellschaft in den letzten 50 Jahren hervorgebracht hat. Und sie hat unter anderem damit zu tun, dass die Notwendigkeit auf Brennnesseln zurückgreifen zu müssen, einen Menschen ganz klar als „arm“ deklarierte. Also ist es an der Zeit sich zurückzubesinnen, und sich der zahlreichen Vorteile von Wildpflanzen, nicht zuletzt auch der finanziellen, zu bedienen.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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