Autoimmune Gastritis

Die autoimmune Gastritis ist eine autoimmune Zerstörung der Parietalzellen oder auch Belegzellen. Diese finden sich im Korpus und im Fundus des Magens. Das unterscheidet die autoimmune Gastritis, auch als A-Gastritis bezeichnet, von einer infektiösen Gastritis oder einer chemisch bedingten Gastritis, bei denen häufig die Entzündung auch im Antrum zu finden ist, das heißt im oberen Bereich des Magens.

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Was ist die Autoimmune Gastritis?

Die Zerstörung der Parietalzellen führt zu einem Verlust der Azidität, das heißt der Säure des Magens. Und dadurch, dass kein Instrinsic factor mehr produziert wird, welcher nötig ist, um B12 aufzunehmen, zu einem B12 Mangel. Durch den Verlust der Magensäure kommt es darüber hinaus zunehmend zu einer verminderten Aufnahme von anderen Nährstoffen. 

Hier ist vordringlich das Eisen zu nennen, welches aus seinen Proteinbindungen nicht mehr herausgelöst werden kann, weswegen es zu erheblichen Eisenmangelanämien kommen kann.

Aber auch viele andere Spurenelemente, wie zum Beispiel Magnesium oder Chrom, werden in deutlich geringerer Menge aufgenommen, weil dieses vielfach an sogenannte Antinährstoffe gebunden ist, welches erst durch die Magensäure abgespalten wird. 

Die autoimmune Pangastritis tritt in sehr vielen Fällen zusammen mit der Hashimoto Thyreoiditis auf. So haben 50 Prozent aller Menschen mit einer autoimmunen Pangastritis auch Antikörper gegen die Schilddrüse und 30 Prozent aller Patienten mit Hashimoto Thyreoiditis haben auch eine autoimmune Gastritis. 

Behandelt wird die Erkrankung schulmedizinisch lediglich mit der parenteralen Gabe von B12. Funktionalmedizinisch steht die Reduktion der Entzündung selber im Vordergrund, als auch die Substitution der Magensäure.

Im Gegensatz zu einigen anderen Autoimmunerkrankungen, wie der zum Teil schubartig verlaufenden MS, der zum Teil schubartig verlaufenden Hashimoto Thyreoiditis, der eigentlich immer schubartig verlaufenden rheumatoiden Arthritis oder der Psoriasis ist die autoimmune Pangastritis eine progressive Erkrankung, die nicht schubweise verläuft, sondern einen kontinuierlichen Verlauf mit immer weiterem Verlust der Parietalzellen nimmt. 

Es ist allerdings ein kompletter Zurückgang dieser Entzündung durch verschiedene Maßnahmen zu erreichen. Wenn diese eingehalten werden, kann es zu einer Remission kommen, aber auch in der Folge erneuter Ereignisse zu einem Wiederaufflackern der Erkrankung, sodass es nach Außen den Eindruck eines schubartigen Verlaufes macht.

Symptome der Autoimmunen Gastritis

Die autoimmune Gastritis verläuft im Gegensatz zur bakteriellen Gastritis, aber auch zur chemischen Gastritis in den meisten Fällen zunächst über einen sehr langen Zeitraum komplett symptomlos. Die Entzündung verursacht keine Schmerzen und keine Symptome. Dadurch merken die Betroffenen oft nicht, dass sie unter der Erkrankung leiden. 

Durch den zunehmenden Mangel an Magensäure kann es in der Folge vermehrt zu Symptomen kommen, wie Blähungen, Entleerungsstörung des Magens und Völlegefühl nach Mahlzeiten. Darüber hinaus führt der zunehmende Verlust von Magensäure dazu, dass es häufiger zu einer fehlerhaften Überbesiedelung des Magens und des oberen Dünndarms mit Bakterien kommt, auch bezeichnet als Small Intestinal Bacterial Overgrowth. Diese können dann diverse Symptome verursachen und es kann nun auch zu Schmerzen kommen. 

Des Weiteren sind die häufigsten Symptome Symptome des Eisenmangels und der daraufhin auftretenden Anämie. Symptome des Eisenmangels können sein Restless Legs Syndrome, Haarverlust, brüchige Fingernägel, blasse Haut und Ähnliches. Symptome der Anämie können schließlich sein Tachykardie, Luftnot und Leistungsminderung. 

Auch der Verlust an diversen anderen Mineralstoffen kann Symptome verursachen. Hier sei zum Beispiel das Chrom genannt und damit einhergehende vermehrte Insulinresistenzen und Blutzucker Dysregulationsstörungen. Der B12 Mangel kann ebenfalls zunehmend zu Symptomen führen. Hier ist zu nennen Verlust der mitochondrialen Funktionen. Dadurch Fatigue-Energiemangel und in den schlimmsten Fällen schließlich langfristig schwere Folgeerkrankungen wie die perniziöse Anämie, die funikuläre Myelose, ein Verlust des Hinterstranges des Rückenmarks und schwere Polyneuropathien. 

Letztere Erkrankungen sind nahezu reversibel, weswegen ein B12 Mangel immer behandelt werden sollte. Wichtig ist zu wissen, dass der Verlust der Parietalzellen derzeit schulmedizinisch als irreversibel gilt, weswegen die Ursachen der autoimmunen Reaktionen bestmöglich bekämpft werden sollten, um die Entzündung aus dem Magen herauszunehmen und so viel Parietalzellengewebe wie möglich retten zu können.

Welche Ursachen für Autoimmune Gastritis gibt es?

Ähnlich wie bei allen anderen Autoimmunerkrankungen sind direkte Ursachen für die autoimmune Gastritis nicht bekannt. Als ein sehr häufiger Faktor wird der Konsum von Gluten gehandelt und ein vollständiger Verzicht auf Gluten führt in vielen Fällen zu einer Verbesserung und zu einem Zurückgehen der Entzündung der Parietalzellen. 

Auch Milch ist ein sehr, sehr häufiger Trigger. Andere Ursachen könnten sein: Schwermetalle, Giftstoffe, Xenoöstrogene, starke körperliche Belastung, Stress und so weiter, und so weiter. Hier sei auf die Artikel zur Autoimmunerkrankung an sich verwiesen. 

Wichtig ist noch zu sagen, dass die autoimmune Gastritis dadurch, dass die Parietalzellen nicht mehr auf das Gastrin mit einer Magensäureausschüttung reagieren können, zu einem zunehmenden Anstieg von Gastrin im Blut führen. 

Die erhöhte Menge an Gastrin kann zu einer Entartung von Magenzellen führen und erhöht damit das Risiko im späteren Leben an einem Magenkarzinoid zu erkranken, um das drei-fache. Daher ist eine regelmäßige Kontrolle des Magens per Endoskopie bei Patienten mit einer Parietalzellentzündung mit einer autoimmunen Gastritis dringend zu empfehlen.

Behandlung & Therapie

Schulmedizinisch wird die autoimmune Gastritis ausschließlich mit der parenteralen Gabe von B12 behandelt, um einer perniziösen Anämie, einer funikulären Myelose und einer Polyneuropathie vorzubeugen. Im Augenmerk sollte stets aber auch der Eisenmangel und der Mangel an weiteren lebenswichtigen Spurenelementen sein, als auch der Versuch die chronische Entzündung zurückzudrängen und nach Möglichkeit komplett in Remission zu bringen. 

Als Ursachen sind hier vor allen Dingen der Konsum von Gluten zu nennen, da Gluten häufig Kreuzreaktionen auslöst, als auch der Konsum von Casein. Dies sind die häufigsten Nahrungsmitteltrigger. Weitere Ursachen können, wie bei allen anderen Autoimmunerkrankungen auch Giftstoffe, chronischer Stress, Infektionen und Ähnliches sein. Als ein wichtiger Faktor ist hier die Infektion mit Helicobacter pylori zu nennen. 

In Studien konnte festgestellt werden, dass Patienten, die einen Helicobacter pylori hatten, in der Folge ein deutlich erhöhtes Risiko dafür hatten, eine autoimmune Pangastritis zu erleiden. Behandeln tut man die Erkrankung dementsprechend damit, dass man versucht, diese Trigger zu eliminieren und die Entzündungslage gesamtheitlich im Körper herunterzubringen.

Hierbei kann es hilfreich sein, weitere entzündungsfördernde Stoffwechselprozesse, genetische Determinanten und Ähnliches zu ermitteln und entsprechend zu behandeln. Als Beispiele sein hier zu nennen die Hämopyrrolurie, der COMPT-Polymorphismus, die MTHFR Mutation, Schwermettalvergiftungen und viele andere mehr.

Ernährung bei Autoimmune Gastritis

Wie bei allen anderen Autoimmunerkrankungen auch, sollte bei der autoimmunen Gastritis auf stark entzündungsfördernde Nahrungsmittel und immunologisch problematische Nahrungsmittel verzichtet werden. 

Besonderes Augenmerk ist bei der autoimmunen Gastritis hier zu legen auf Gluten, welches ein sehr, sehr häufiger Faktor bei der autoimmunen Reaktion gegen Belegzellen ist, als auch Casein, welches in den aller meisten Fällen bei dieser Erkrankung einen problematischen Trigger darstellt. 

Des Weiteren ist ernährungstechnisch wichtig, dass ja keine Magensäure mehr produziert wird und man mit einer gewissen Azidität der Nahrung und bestimmten Maßnahmen eine Verbesserung der Verdauung erreichen kann. Hier sein zu nennen, dass zu jeder Mahlzeit zum Beispiel Zitronensaft oder Apfelessig getrunken werden kann, um die Verdauungsleistung zu verbessern. 

Des Weiteren sollte bei der autoimmunen Gastritis niemals Wasser beziehungsweise Getränke zu einer Mahlzeit getrunken werden, sondern immer in der Zwischenphase zwischen zwei Mahlzeiten, um die noch vorhandene Magensäure so gering wie möglich zu verdünnen und den PH so niedrig wie möglich zu halten. 

Insgesamt kann es nützlich sein, häufiger kleine Mahlzeiten im Laufe des Tages aufzunehmen, um dem Magen die Umwälz- und Zersetzungsleistung zu erleichtern und so weniger Völlegefühl zu erzeugen.

Im schlimmsten Fall kann der Verlust der Magensäure und die Unfähigkeit des Magens eine Zersetzung der Nahrung zu erreichen und eine vernünftige Umwälzung der Nahrung im Magen möglich zu machen zu einer sogenannten Gastroparese führen, welches eine Krampfartige Lähmung des Magens ist, die extrem schmerzhaft und unangenehm sein kann und aufgrund der Schmerzhaftigkeit bis zur Synkopalität, das heißt plötzlichen Ohnmachtsattacken des Betroffenen führen kann. 

Weitere in der Nahrung zu meidende Nahrungsmittel sind sämtliche Hülsenfrüchte, welche häufig Kreuzallergenitäten zum Gluten haben und außerdem aufgrund ihres hohen Lektinanteils für den Magen stark problematisch sein können, Pseudogetreide, Nachtschatten, Samen und Saaten sowie Eier. Für einen kompletten Überblick über das Autoimmunprotokoll sei auf die allgemeinen Artikel zur Ernährung bei Autoimmunerkrankung verwiesen.

  • Zu Teil 2 - Symptome
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Autorin
Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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