Vitiligo

Die Vitiligo ist eine Erkrankung bei dem einzelne Areale der Haut ihre Fähigkeit zur Pigmentierung verlieren.

Im Wesentlichen sind meist Bereiche im Gesicht, über den großen Gelenken, zum Beispiel Ellbogen oder Knie betroffen, so wie die Hände und der Genitalbereich. Die Flecken können jedoch an allen Stellen des Körpers auftreten.

Vitiligo

Das Wichtigste auf den Punkt gebracht

Was ist Vitiligo?

Im Rahmen der Erkrankung wird davon ausgegangen, dass es sich um eine autoimmune Blockierung beziehungsweise Zerstörung der Melanozyten handelt.

Die Erkrankung tritt in häufigen Fällen zusammen mit der Hashimoto-Thyreoiditis, dem Diabetes Mellitus Typ 2 und der autoimmunen Pangastritis auf.

Wie die meisten Autoimmunerkrankungen verläuft auch die Vitiligo schubartig. Häufig tritt in Phasen vermehrten Stresses, nach einer schweren Entzündung, nach einer viralen Erkrankung oder nach einer Phase, in der sehr stark körperlicher Stress vorhanden war, ein vermehrtes Auftreten der weißen Flecken auf. In vielen Fällen kann es über Jahre zu keinerlei neuen Fluoreszenzen kommen und dann wieder vermehrt an vielen Stellen des Körpers.

Da die genaue Ursache und der genaue Zusammenhang noch nicht klar sind, weiß man auch noch nicht genau, was die Schübe auslöst. Es ist zu erwarten, dass es sich wie bei den meisten anderen Autoimmunerkrankun­gen, um ein Zusammenspiel verschiedenster Stressoren handelt, die dann eine vermehrte Antikörperbildung gegen die Melanozyten erzeugt. Da die Antikörper bisher klinisch nicht nachweisbar sind, lässt sich diese aber nicht tatsächlich nachvollziehen.

Behandlungstechnisch gibt es verschiedene Ansätze, man hat jedoch noch keine Behandlung gefunden, die wirklich funktioniert (sh. Abschnitt "Behandlung"). Um ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, können die gleichen Ansätze wie bei anderen Autoimmunerkrankungen genutzt werden. Das heißt, man sucht nach Triggern im Bereich von Ernährung, Giftstoffen, Stressoren im Leben und so weiter. Als Medikation wurden verschiedene Immunsuppressiva sowie Steroidtherapien versucht, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Seit einigen Jahren wird im Rahmen des Coimbra-Protokolls, sogenannt nach dem brasilianischen Arzt Cicero G. Coimbra, eine hochdosierte Vitamin-D-Therapie gegeben, welche zum Teil gute Ergebnisse hinsichtlich einer Repigmentierung erreicht hat.

Symptome der Vitiligo

Hinsichtlich der Symptome verhält es sich bei der Vitiligo einfach: da es sich um einen Verlust der Pigmentierungsfähigkeit der Haut handelt, ist das einzige Symptom, das Auftreten von weißen Flecken auf der Haut.

Diese konzentrieren sich im Wesentlichen meist:

  • auf das Gesicht,
  • den Genitalbereich
  • Flächen oberhalb von großen Gelenken
  • oftmals sind auch die Hände und / oder Füße vollständig betroffen.

Es können aber auch Flecken völlig frei und disseminiert irgendwo im Bereich der Haut des Körpers auftreten und damit das normale Verteilungsschema komplett verlassen.

Welche Ursachen für Vitiligo gibt es?

Hinsichtlich genauer Ursachen ist für die Vitiligo wenig bekannt und  – da kein Antikörpernachweis gelingt –  ist es auch genaugenommen weiterhin unklar, ob es sich tatsächlich um eine Autoimmunerkrankung handelt.

Da die Vitiligo jedoch in sehr vielen Fällen zusammen mit Hashimoto-Thyreoiditis, autoimmuner Gastritis oder dem Diabetes-Typ-2 auftritt, ist davon auszugehen, dass es sich um eine autoimmune Zerstörung beziehungsweise Blockierung von Melanozyten handelt, ähnlich der Blockierung von Haarfolikeln bei der Autoimmunalocepie.

Daher ist bei den Ursachen – ähnlich wie bei allen anderen Autoimmunerkrankungen – davon auszugehen, dass es eine relativ starke genetische Komponente gibt, zu der dann weitere Trigger wie

  • chronischer körperlicher oder seelischer Stress,
  • chronische Erkrankungen,
  • akute oder chronische Infektionen,
  • Giftstoffe,
  • Nahrungsmittelkomponenten und ähnliches

hinzukommen.

Durch die zeitgleiche, vermehrte Prävalenz zwischen Vitiligo und Hashimoto-Thyreoiditis sowie der autoimmunen Pangastritis, welche beide vermehrt mit Zöliakien und Glutensensitivitäten einhergehen, ist davon auszugehen, dass auch die Vitiligo eine hohe Korrelation mit einer Empfindlichkeit gegenüber Gluten hat. Ein Verzicht auf Gluten sollte daher mit zu den Behandlungsoptionen gehören.

Ursächlich treten Flecken vermehrt auch in Bereichen auf, wo ein Trauma oder eine Verletzung stattgefunden hat. Dies kann zum Beispiel nach Blutentnahmen der Fall sein, nach Schürfwunden oder nach ähnlichen, eigentlich oberflächlichen Verletzungen, die keine Narben hinterlassen sollten. Die erneut gebildeten Zellen der oberen Epidermis haben jedoch in vielen Fällen dann keine ausreichende Fähigkeit zur Pigmentierung mehr.

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Behandlung & Therapie

Da bis jetzt eine genaue Ursache nicht bekannt ist, ist es auch mit der Therapie schwierig. Es gibt verschiedene Ansätze.

Eine wichtige Forschungsgruppe befindet sich in Greifswald, hier wird vermehrt mit UV-Strahlung im Zusammenhang mit UV- verstärkenden Medikamenten gearbeitet. Es konnten sehr gute Repigmentierungsraten nach dieser Therapie verzeichnet werden – leider ist die Therapie außerhalb der Hautklinik von Greifswald derzeit noch nicht verfügbar und wird weitestgehend noch innerhalb von Studien durchgeführt. Bei der UV-Therapie wird sowohl mit UVA- als mit UVB-Strahlung bestrahlt, zusammen mit lichtsensibilisierenden Präparaten. Es wird großflächig bestrahlt, weswegen in der Vorgeschichte und Anamnese keine malignen Hauttumore vorhanden sein sollten. Zeigt die Therapie innerhalb von einem Jahr keinen Erfolg, so kann sie als Therapieversager abgesetzt werden.

Eine direkte Sonneneinstrahlung auf die Haut könnte sich auch als nützlich erweisen, sollte jedoch immer nur sehr, sehr kurz durchgeführt werden, da die betroffenen Hautareale keinerlei Schutzmechanismen mehr haben.

In seltenen Fällen kann über die autologe Anzüchtung von Melanozyten, das heißt: der Empfänger ist gleichzeitig auch der Spender, eine Transplantation durchgeführt werden. Dies kann vor allen Dingen im Gesicht gemacht werden, wo die weißen Flecken für die Patienten besonders stigmatisierend sind. Die Ergebnisse sind meistens recht zufriedenstellend.

In schweren Fällen und vor allen Dingen bei starker psychischer Beeinträchtigung der Patienten ist ein Farbausgleich zu überlegen. Hierbei wird eine Zerstörung der anderen Melanozyten des Körpers durchgeführt, so dass eine komplette Bleichung eintritt. Da dies mit einer extremen Lichtempfindlichkeit einhergeht und auch keine Heilung, sondern eigentlich eher das Gegenteil darstellt, wird diese Therapie nur in sehr, sehr seltenen Fällen durchgeführt. Vor- und Nachteile sollten dabei gut gegeneinander abgewogen werden. 

An topischen Medikamenten wurden Steroide eingesetzt, sowie diverse Calcineurin- Antagonisten. Auch im systemischen Bereich wurden verschiedene Therapieansätze mit Immunsuppressiva versucht. Ein bahnbrechender Erfolg konnte jedoch bisher noch nicht erzielt werden. 

Einige Studien aus dem naturheilkundlichen Bereich konnten gute Ergebnisse für die Behandlung mit Ginkgo-Biloba-Extrakt zeigen . Die Cochrane-Analyse konnte hier jedoch keine Beweiskraft finden. Da bei dieser Therapie aber keinerlei Nebenwirkungen bisher aufgetreten sind, sollte dies versucht werden.

Relativ bekannt geworden in den letzten Jahren ist die sogenannte Coimbra-Therapie – benannt nach dem brasilianischen Arzt Coimbra – bei der Vitamin D in großen Mengen verabreicht wird, zusammen mit einer calciumarmen Ernährung, um eine Hyperkalzämie vorzubeugen. Coimbra konnte in einigen Studien eine gute Repigmentierungsrate seiner Vitiligo-Patienten zeigen, bisher gibt es jedoch keine unabhängigen klinischen Studien, die dies bestätigen können.

Ernährung bei Vitiligo

Hinsichtlich der Ernährung sollte auf jeden Fall geklärt werden, ob zeitgleich eine autoimmune Gastritis vorliegt. Sollte dieses der Fall sein, muss ein Vitamin-B12-Ausgleich parenteral erfolgen – das heißt, das Vitamin-B12 in irgendeiner Form gespritzt werden sollte.

Vermehrt geht die Vitiligo vor mit Gluten- und Casein-Sensitivitäten einher. Daher kann es ein Versuch wert sein, glutenhaltiges Getreide und jegliche Art an Milchprodukten zu meiden. 

Da sich häufig aber noch andere Lebensmitteltrigger finden lassen, sollte man in diesem Bereich doch stärker auf die Suche gehen: Optimaler Weise sollte zunächst in einer Phase von etwa 8 Wochen eine Eliminationsdiät – am besten orientiert an dem Autoimmunprotokoll – durchgeführt werden, an deren Anschluss dann die kontrollierte und systematische Wiedereinführung einzelner Lebensmittel stattfindet. Im Rahmen des Autoimmunprotokolls würden neben Gluten und Milchprodukten dann auch Hülsenfrüchte, alle anderen Getreide, Pseudogetreide, Nachtschattengewächse, Eier, Samen und Saaten gemieden werden.  Nach der Eliminationsphase können die einzelnen Lebensmittel nach und nach wieder eingeführt und auf die individuelle Verträglichkeit ausgetestet werden.

Da die Vitiligo jedoch eine sehr langsam verlaufende Erkrankung ist und auch hinsichtlich Repigmentierung nicht mit einer sofortigen Repigmentierung zu rechnen ist, ist es schwierig, nur anhand optischer Kriterien bzgl. der Flecken festzustellen, ob Therapieansätze im Rahmen der Ernährung eine Verbesserung bewirken oder nicht. Es macht daher Sinn, zu überprüfen, ob sich auffällige Zytokin-Werte feststellen lassen, wie zum Beispiel TNF- Alpha, Interleukin VI, Interleukin IV, Interferon- Gamma und ähnliche, um über einen Kontrollparameter zu verfügen, mit welchem das Therapieregime überprüft werden kann. 

Ebenfalls als nützlich kann es sich erweisen, einen großen Darmcheck zu veranlassen und zu überprüfen, ob ein sogenanntes Leaky-Gut-Syndrom vorliegt und / oder ob sonstige entzündliche Parameter im Darm festzustellen sind. Diese Werte können dann ebenfalls als Konotrollparameter im Rahmen einer Eliminationsdiät und einer anschließenden Wiedereinführung genutzt werden.

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Autorin
Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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