Natürliche Infektabwehr: Knoblauch – da nehmen die Viren Reißaus

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Kaum ging der Sommer zu Ende und die Temperaturen fielen unter 15°C, besuchte mich augenblicklich wieder meine Winterfreundin: die Mandelentzündung. An meinem Geburtstag… im Urlaub… großartig!

Und wo die Fläche im Hals schon mal so schön vorbereitet war, lud sie hinterher gleich ein paar Viren als Nachmieter ein, welche, eher interessiert an einer Großraumwohnung, direkt noch Kehlkopf und obere Bronchien mit besiedelten.

Und das alles, obwohl ich mir doch im Februar vorgenommen hatte, dass nun Schluss sein soll mit den Erkrankungen. So viel zu guten Vorsätzen – irgendwie hat anscheinend der Rest meines Körpers nicht zugehört.

Also habe ich mich (mal wieder, muss man leider sagen) mit natürlicher Infektbekämpfung und -prophylaxe auseinandergesetzt. Dabei habe ich einen Kandidaten ins Auge gefasst, den ich außerhalb von Darmsanierungen und kulinarischen Genüssen bisher nicht so sehr auf dem Schirm hatte:

Den Knoblauch.

Historischer Abriss zum Knoblauch und seiner Wirkung

Knoblauch hat in der Medizin eine uralte Tradition: Aufzeichnungen dokumentieren seine Anwendung bereits im alten Ägypten und machen ihn damit zu einem der ältesten bekannten, pflanzlichen Heilmittel.

Vor allem Menschen, die hart körperlich arbeiten mussten, konsumierten Knoblauch in großer Menge, da er den Ruf hatte, die körperliche Fitness zu verbessern und die muskuläre Stärke zu erhöhen. So war Knoblauch ein wichtiger Teil der staatlich finanzierten Rationen der Arbeiter an den Pyramiden, die man so fit und stark wie möglich halten wollte.

Ob er bei den hohen Schichten ebenso beliebt war, kann weniger sicher gesagt werden, aber die Tatsache, dass im Mageninhalt Tutenchamuns Knoblauchzehen gefunden wurden, lässt dies doch vermuten.

Darüber hinaus nutzten die Ärzte Knoblauch für die Herstellung von Tinkturen gegen Parasiten und eitrige Entzündungen, sowie diverse entzündliche Erkrankungen.

Selbst in der Bibel werden derartige Anwendungen beschrieben.

Und auch im alten Griechenland erfreute sich der Knoblauch großer Beliebtheit und wurde als erstes beschriebenes „Dopingmittel“ bei Athleten der olympischen Spiele als Stärkungsmittel vor Wettkämpfen eingesetzt.

Hippocrates beschreibt Knoblauch als wichtige Komponente in vielen seiner Rezepturen, vor allem zur Behandlung von Lungenerkrankungen und als Unterstützer bei Körperreinigungen, aber auch bei krankhaften Auswüchsen der Gebärmutter.

In China, Japan und Indien wurde es als potentes Mittel bei Magen-Darm-Infektionen und Parasiten genutzt und geschätzt: Im Rahmen kombinierter Tinkturen fand Knoblauch Anwendung gegen eine ganze Reihe von Erkrankungen – von Abszessen bis hin zu Zahnschmerzen.

Nach seiner Einführung in Mitteleuropa durch die Römer wurde es auch hier in den Klostergärten angebaut und von den Mönchen reichlich zur Krankheitsbekämpfung genutzt.

Erst der zunehmende (Aber)glaube und die Abwendung von der Wissenschaft im Zuge des „dunklen Mittelalters“ ließ den Nutzen von Phytotherapeutika zunehmend in Vergessenheit geraten. Phytotherapeutika wurden lange dem Hexenwerk zugeschrieben und erst in der Renaissance vorsichtig wiederentdeckt.

Sooooo, mögen jetzt einige sagen, das ist ja alles gut und schön, aber was interessieren mich die alten Griechen… 

Hilft er denn nun der Knoblauch oder nicht?

Zur Klärung dieser Frage widmen wir uns nun der modernen Wissenschaft und schauen, was diese dazu zu sagen hat. Die Frage trieb glücklicherweise schon andere um, so dass sich einiges dazu finden lässt:

Eine der Studien konnte zeigen, dass Menschen, die täglich Knoblauch bzw. ein Knoblauchsupplement konsumierten, deutlich weniger an Erkältungskrankheiten während des Winters erkrankten (und wenn es sie doch erwischt hat, waren ihre Symptome weniger schlimm und hielten kürzer an). Aus der Gruppe derer, die ohne Knoblauch auskommen mussten, hatten 79% während des Testwinters eine Infektion, in der Gruppe der Knoblauchesser waren es nur 29%. Die Erkrankungslänge war bei den dann doch betroffenen Knoblauchessern um über 2/3 verkürzt.

Eine großes Problem in der Medizin sind Pilzerkrankungen, vor allem bei Personen mit Störungen des Immunsystems. Diese sind oft hartnäckig wiederkehrend und entziehen sich nahezu jeder Therapie. Für Knoblauch konnte für nahezu alle Pilzarten beeindruckende pilzabtötende Effekte nachgewiesen werden – was es damit zu einem Heilmittel mit hohem Potential macht. Der große Nachteil ist jedoch, dass sich dieser Effekt für getrockneten Knoblauchextrakt nicht nachweisen ließ, sondern ausschließlich für frischen Knoblauch. Das machte die Anwendung potentiell etwas schwierig.

Gleiches gilt übrigens für die Anwendung bei Parasiten. In Versuchen an Großtieren konnte mit Hilfe der Fütterung von reichlich frischem Knoblauch ein deutlicher Rückgang parasitärer Infektionen, eine Erhöhung der Glutathionspiegel, sowie eine Verstärkung der Aktivität der Superoxiddismutase nachgewiesen werden –alles sehr wünschenswerte Effekte!

In der Gesamtsumme gibt es aber leider zu wenig und dann oft nur unzureichend ausgeführte Studien am Menschen, um genau sagen zu können, welche dieser Wirkungen des Knoblauchs sich mit welcher Menge und welcher Aufbereitung erzielen lassen. Aber hey, wenn man sich, so wie ich, gerade mit der vierten Woche einer Erkältung rumschlägt, ist man doch bereit, ein bisschen was auszuprobieren.

In diesem Sinne:

Viel Spaß und guten Appetit!

„Provenzalisches 40-Zehen-Huhn“

  • 1 Biohuhn
  • 40 Knoblauchzehen ungeschält
  • 3 Zweige Thymian
  • 2 Zweige Basilikum
  • 3 Zweige Salbei
  • 2 Zweige frischer Oregano
  • Saft von einer Zitrone
  • 2 EL Balsamico
  • 3 EL Olivenöl

Das Huhn waschen und gründlich salzen. Die Kräuter in den Bauch stopfen, Flügel und Beine kräftig mit Küchengarn an den Körper binden. Nun das Huhn in einem Bräter im Öl von allen Seiten kräftig anbraten.
Mit Zitronensaft und Balsamico übergießen und die Zehen dem Bräter hinzufügen.

Im vorgeheizten Backofen (160°C) muss das Huhn nun zunächst eine Stunde bei geschlossenem Deckel garen. Danach folgen ohne Deckel weitere 35 Minuten (mit der Brustseite nach oben), bis die Haut schön knusprig ist.

Im Bräter bildet sich ein kräftiger Sud, der als Soße verwendet werden kann.

Dazu passen sehr gut Süßkartoffeln.

Die Zehen schmecken großartig. Mehr als 6-7 würde ich aber lieber nicht auf einmal verzehren.

Knoblauchsuppe

Die Suppe ist für Hartgesottene! Und wer nach ihrem Genuss ins Kino geht, kann sich eventuell in der Situation wiederfinden, dass er plötzlich die ganze Reihe für sich alleine hat…

Ihre Anwender schwören jedoch auf ihr infektabwehrendes Potential. Der zusätzlich enthaltende Ingwer, sowie der Thymian machen die Suppe, zumindest theoretisch, zu einer antimikrobiellen Waffe, die es in sich hat.

Rezept für 4 Personen

  • 25 Knoblauchzehen, ungeschält
  • 25 Knoblauchzehen, geschält
  • TL Olivenöl
  • 1 mittelgroße Wurzel frischer Ingwer, gerieben
  • 3 Zwiebeln, in halben Ringen
  • 1 ½ TL frischer Thymian
  • 175ml Kokosmilch
  • 1,5 l Gemüsebrühe

Die ungeschälten Zehen mit etwas Salz bestreuen und im Backofen in einem feuerfesten Gefäß bei 180°C für 45 Minuten backen. Anschließend die Zehen schälen und kurz beiseitestellen.

Das Olivenöl vorsichtig in einer Pfanne erhitzen und die Zwiebeln braten, bis sie glasig sind.

Im nächsten Schritt wird nun der gesamten Knoblauch zu den Zwiebeln in die Pfanne gegeben. Alles ca. 3 Minuten lang braten. Ingwer und Thymian hinzufügen und nach etwa einer Minute wird der Pfanneninhalt mit der Gemüsebrühe abgelöscht. Alles etwa 20 – 25 Minuten köcheln lassen. Nun die Suppe glatt pürieren und zum Schluss die Kokosmilch einrühren.

Etwas Zitronensaft direkt beim Servieren hinzufügen (mildert den Geruch) und genießen.

Für Auswirkungen aufs Arbeitsleben und/oder die Beziehung übernehme ich keine Verantwortung.

Kommt gut durch Herbst und Winter!

Quellen

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Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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