Sauna bei Schilddrüsenerkrankungen

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Ein Gang in die Sauna kann für viele Menschen sehr entspannend sein. Doch macht ein Saunagang mit einer Autoimmunerkrankung Sinn und was gibt es speziell bei Schilddrüsenerkrankungen zu beachten?

Tatsächlich macht Saunieren bei Schilddrüsenerkrankung sehr viel Sinn. Ich persönlich gehe sehr gerne regelmäßig, drei- bis viermal pro Woche, in die Sauna. Kaum etwas entspannt mich so stark wie das Saunieren.

Neben vielen anderen nützlichen Dingen, zu denen ich später noch eingehen werde, sorgt Sauna dafür, dass der Cortisolspiegel ganz drastisch reduziert wird. Deswegen ist der Gang in die Sauna enorm hilfreich bei Nebennierenschwächesyndrom Stadium I oder II, wo man tendenziell einen viel zu hohen Cortisolspiegel hat. Die meisten Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen, die Schwierigkeiten mit der Nebenniere haben, befinden sich im Stadium I oder II und haben tendenziell zu viel Cortisol. Das ist aber nochmal ein anderes Thema, nämlich die Stadien der Nebennierenfehlfunktion.

Über die vielen positiven Auswirkungen des Saunierens bei Autoimmunerkrankungen gibt es auf der Homepage bereits einen hilfreichen Beitrag, der auch genau darüber aufklärt, was man beim Saunieren mit einer Autoimmunerkrankung beachten sollte.

Warum macht Sauna Sinn?

Sauna hilft, Entzündungsreaktionen im Körper zu reduzieren. Die kurzfristige hohe Temperatur regt den Körper zur Hormesis, also zu Anpassungsprozessen, an und diese hormetischen Prozesse führen zu einer Reduzierung von systemischen Entzündungen. Das ist in Studien deutlich nachgewiesen worden und ist damit sehr relevant ist für alle Menschen mit Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsenerkrankungen im Speziellen.

Sauna hilft zu entgiften. Wir haben drei wesentliche Organe, die den Körper entgiften lassen. Das sind die Leber – das wissen fast alle –, die Niere und die Haut. Leberfunktionen und teilweise auch Nierenfunktionen sind bei Autoimmunerkrankungen und insbesondere bei Schilddrüsenerkrankungen häufig reduziert. Warum ist das so? Zum einen, weil Autoimmunerkrankungen häufig mit bestimmten genetischen Störungen, bestimmten genetischen Polymorphismen einhergehen, die die Entgiftungsfunktion der Leber einschränken, und zum anderen, weil die Stoffwechselreduktion an sich zu einer verminderten Leberentgiftungsfunktion führt. Das heißt, alles was wir sonst machen, um Entgiftungsprozesse anzuregen und zu verbessern, ist hilfreich. Und dazu gehört schwitzen, reichlich schwitzen. Über die Haut werden besonders viele Giftstoffe ausgeschieden und man kann tatsächlich auch Schwermetalle wie Phenole, Phthalate und diverse andere Giftstoffe über die Haut mit Schwitzen loswerden.

Unsere Umwelt ist unglaublich giftstoffverseucht. Wir haben über Abgase und über den Kontakt mit Plastik und vielem mehr mit Giftstoffen zu tun. Da kann man sich überhaupt nicht dagegen wehren. Deswegen ist es sehr nützlich und hilfreich, den Körper zu unterstützen.

Bei Schilddrüsenerkrankungen schwitzt man ganz schwer. In der Sauna dauert es relativ lange, bis man so richtig ins Schwitzen kommt genauso wie man auch beim Sport kaum schwitzt. Das ist auch zum Beispiel ein Indiz, woran ich immer sehr schnell merke, dass ich einen Schube habe, da ich fast überhaupt nicht mehr schwitze beim Sport. Dementsprechend ist Sauna hilfreich, weil man da mal richtig ins Schwitzen kommen kann.

Als kleiner Tipp für die, die gar nicht ins Schwitzen kommen: vor dem Saunieren den Körper mit Salz abreiben, das unterstützt den Körper, schneller ins Schwitzen zu kommen. Hilfreich – und auch angenehmer als die trockene Hitze – ist eine feuchte Hitze, die man entweder durch einen Aufguss erreicht oder indem man in die Dampfsauna geht.

Sauna ist auch enorm hilfreich bei Schmerzen wie Fibromyalgie, Sehnenschmerzen, Muskelschmerzen. Die Wärme der Sauna hilft signifikant, um diese Schmerzen zu verbessern. Auch dazu gibt es deutliche Studien, dass Sauna bei Schmerzen hilfreich ist. Gerade bei diesen Muskel-, Sehnen- und Gelenkschmerzen, die bei Schilddrüsenerkrankungen im Allgemeinen und auch bei Autoimmunerkrankungen sehr häufig auftreten, ist Sauna hilfreich.

Eine Erhöhung der Körpertemperatur hilft logischerweise dann den Stoffwechsel zu beschleunigen. Schilddrüsenerkrankungen gehen mit einer Stoffwechselreduktion einher. Kurzfristig – während des Aufenthalts in der Sauna – heben wir die Körpertemperatur drastisch an, die Herzfrequenz steigt stark an und dadurch auch die metabolische Leistung. Auch wenn der Aufenthalt in der Sauna nur kurze Zeit dauert ist es aber tatsächlich so, dass es einen Nachbrenn-Effekt hat, das auch langfristig darüber hinaus dadurch die Stoffwechsel-Leistung verbessert werden konnte. Und es gibt sogar eine Studie, die gezeigt hat, dass Menschen, die nichts anderes gemacht haben und auch nichts an ihrer Ernährung geändert haben, nur durch regelmäßiges Saunieren an Gewicht verloren haben. Für jeden, der sich mit Abnehmen beschäftigt, kann sich der Gang in die Sauna lohnen.

Schilddrüsenerkrankungen gehen meist mit einer sehr niedrigen Körpertemperatur einher und führen dazu, dass man erst mal ständig friert, und zum anderen, dass einfach die Körpertemperatur zu niedrig ist, was verschiedene andere Probleme hat. Und regelmäßige Saunagänge helfen dabei, die Körpertemperatur auch langfristig zu erhöhen. Etwas, das vor allen Dingen noch besser hilft als das Saunieren, ist die anschließende Kälteemotion. Das heißt, wenn man regelmäßig in die Sauna geht, sollte man das nutzen, um auch hinterher dann optimalerweise ins Tauchbecken zu gehen oder sich zehn bis zwölf Sekunden unter die eiskalte Dusche zu stellen. Die sanftere Methode – gerade bei kalten Temperaturen – ist der Gang nach Draußen und die Abkühlung an der frischen Luft. Bei Wind ist diese Variante jedoch nicht empfehlenswert.

Schilddrüsenhormone sind entscheidend wichtig für die Herzgesundheit

Jeder Teil unseres Herz-Kreislauf-Systems hat Schilddrüsenhormonrezepturen. Wenn man damit Probleme hat, hat man ein erhöhtes Risiko für Herzprobleme und vor allen Dingen auch für den Herzinfarkt. Und deswegen ist es sehr wichtig, etwas für seine Herzgesundheit zu tun. Sauna hilft dabei, das Herz gesund zu halten, das Herz zu trainieren und zu schulen, weil es eine kurzfristige, relativ starke Belastung und daher entsprechend hilfreich ist.

Sauna hilft signifikant und extrem stark dabei, dass eine Stressreduktion stattfindet und der Cortisolspiegel sinkt.

Wenn aber der Cortisolspiegel schon zu niedrig ist, also wenn man tatsächlich Nebennierenfehlfunktion Stadium 3 oder 4 hat und zu wenig Cortisol produziert oder die Nebenniere sich sehr damit schwertut, Cortisol zu produzieren, dann ist Sauna nicht geeignet beziehungsweise dann sind bestimmte Sachen zu beachten. Die Saunagänge sollten eher sehr sanft und nicht zu lange sein, man sollte vorher viel trinken und auf einen ausreichenden Mineralstoffhaushalt achten. Ansonsten kann es zu einem Zusammenbruch der Nebennierenfunktion durch den Saunagang kommen, weil es dann eine zu hohe Belastung und zu viel ist.

Sehr häufig geht mit Schilddrüsenerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion und mit Autoimmunerkrankungen auch im Allgemeinen einher, dass man eine besonders hohe Infekt-Anfälligkeit hat und man viel häufiger als andere Infekte hat. Einer der Gründe dafür ist, dass die Körpertemperatur erniedrigt ist. Wenn man eine erniedrigte Körpertemperatur hat, dann siedeln sich bestimmte Viren und Bakterien an und werden sozusagen schlechter „weggebrannt“. Und Sauna hilft tatsächlich, wenn sich latent irgendwo im Körper Infektionen ansiedeln wollen, diese im Keim zu ersticken, dass sie gar nicht erst zum Ausbruch kommen.

Sauna hilft bei der Verbesserung des Hautbildes

Bei Psoriasis (Schuppenflechte) und Neurodermitis kann es besonders hilfreich sein, regelmäßig zu saunieren. Und auch Schilddrüsenerkrankungen gehen oft mit unangenehmen Hautveränderungen, sehr trockener, schuppiger Haut einher, die auch durch Sauna deutlich verbessert werden können.

Zu beachten ist – wie bereits genannt – bei Nebennierenfehlfunktionen in den höheren Stadien nicht zu heiße Temperaturen und nicht zu krasse Kälteschocks, sondern eine sanfte Abkühlung. Empfehlenswert ist dabei eine Bio-Sauna oder Infrarot-Sauna. Eine gute Elektrolyt-Versorgung, ausreichende Versorgung hinterher mit Zucker oder Ähnlichem. Wenn du diese Punkte beachtest, kann beim nächsten Sauna-Gang nichts schiefgehen.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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