Verstopfung und Obstipation

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Verstopfung ist ein Thema, über welches man erst einmal nicht sonderlich gerne redet. Dennoch steht es mit Autoimmunerkrankungen so nahe im Zusammenhang, dass ich dazu einige Informationen geben möchte, denn das Interesse diesbezüglich wurde von euch an mich herangetragen. 

Immerhin haben 75 Prozent aller Autoimmunerkrankten Probleme mit dem Darm – in irgendeiner Form, in irgendeiner Art und Weise. Da es mir sehr am Herzen liegt dieses wirklich wichtige Thema ausführlich mit euch zu besprechen, wird es zwei Teile zum Thema Autoimmunerkrankungen und Verstopfung geben.

Chronisch entzündliche Darmprobleme bei Autoimmunerkrankungen

Menschen, die von einer Autoimmunerkrankung betroffen sind, werden meistens von zusätzlichen Symptomen begleitet. Ein chronisch entzündlicher Darm gehört vordergründig mit dazu. Es gibt drei deutliche Erscheinungsbilder, mit denen besonders Autoimmunerkrankte fast immer zu kämpfen haben. Die häufigsten Probleme sind Durchfall, gefolgt von Verstopfung und Blähungen.

Durchfall lässt sich relativ einfach und auch sehr sicher beheben, selbst wenn er ständig und über Jahrzehnte hinweg auftritt. Auch Verstopfungen bekommt man meistens in den Griff. Komplizierter wird es bei Blähungen, dickem Blähbauch und Völlegefühl, denn die Symptome sind die hartnäckigsten und somit kann man ihnen auch am schwierigsten entgegenwirken. Das besonders Schwierige daran ist es, die eigentliche Ursache dafür zu finden. 75 Prozent aller Deutschen haben Hämorriden. Die Ursache dafür ist die Verstopfung – also der verlängerte Stuhl- Entleerungsprozess.

Wichtig und wissenswert ist dahingehend aber: Das PCOS ist nur eine Beschreibung eines Symptomkomplexes. Es kann sein, dass man ein PCOS hat, obwohl man überhaupt keine polyzystischen Ovarien hat. Das klingt jetzt etwas kontraintuitiv – ist es auch. Der Name ist allerdings als Polyzystisches Ovar-Syndrom festgelegt worden, weil bei diesem Syndrom häufig polyzystische Ovarien zu finden sind, aber nicht immer. Verwirrend, aber dennoch festgelegt.

Dringend sollte geklärt werden, ob beispielsweise ein Tumor zugrunde liegt und ob dieser bösartig oder gutartig ist. Das kann ein sehr wichtiger Aspekt sein. Es ist zu klären, ob eventuell ein Darmverschluss der Grund ist und ob dieser normal oder funktionell ist – ob bestimmte Nervenzellen im Darm nicht in Ordnung sind und somit der Darminhalt tatsächlich nicht adäquat und ausreichend weitertransportiert werden kann. Vielleicht gibt es eine ganz schwere Entzündung – ein sogenanntes toxisches Megakolon – oder der Darm ist bewegungsunfähig geworden durch eine riesige Menge an Giftstoffen und Bakterien, die auf ihn einwirken. Möglicherweise liegt eine schwere Divertikulitis vor. Es gibt so viele Möglichkeiten, warum eine Verstopfung auftreten kann.

Was ist eine Divertikulitis?

Die Divertikulitis ist unser Sigma – der letzte Abschnitt des Darms. Der Darm ist ja eine Art Muskelschlauch. In ihm liegt die Darmschleimhaut. Und wenn dieser Muskel nicht mehr richtig dichthält, dann stülpen sich kleine Schleimhauttaschen durch die kleinen Lücken zwischen der Muskulatur. Diese nennt man Divertikel. Die Krankheit heißt deshalb Divertikulose. 

Die Schleimhauttaschen haben nur eine ganz kleine Öffnung und es kann passieren, dass versehentlich etwas darin liegenbleibt und vor sich hin gärt. So kann in der betroffenen Tasche ganz schnell eine Entzündung – die Divertikulitis – entstehen. Und diese kann natürlich auch eine Ursache für Darmprobleme sein.

Verstopfung und ihre Ursachen

Ein weiterer Grund für eine Verstopfung kann sein, dass die Entleerung schmerzhaft ist – zum Beispiel aufgrund von Analfissuren oder Marisken. Analfissuren sind starke Einrisse in der Analschleimhaut. Marisken sind kleine Auswüchse, die auch einreißen können. Beides kann wahnsinnig schmerzhaft sein. Und diese Angst vor dem Schmerz bei der Entleerung kann wiederum dazu führen, dass die Entleerung nicht richtig möglich ist. 

Eine Analfissur oder auch ein Analabszess muss chirurgisch behoben werden. Es kann natürlich sein, dass Marisken, Analfissuren beziehungsweise Analabszesse auf der Basis entstanden sind, dass ein autoimmuner oder ein chronisch entzündlicher Prozess dafür mitverantwortlich ist.

Eine Verstopfung ist ein ganz großes Problem in Bezug auf Autoimmunerkrankungen, denn Giftstoffe und Abfallprodukte verbleiben in diesem Fall viel länger im Darm als sie es sonst tun würden.

Vergiftungen

Wenn man beispielsweise – aus welchem Grund auch immer – einen Giftstoff zu sich genommen hat, der normalerweise sehr zügig durch den Darm rutscht und auch eher die Darmbeweglichkeit beschleunigen sollte, dann wird das unter Umständen richtig problematisch. Der Giftstoff hat viel länger Zeit, um von der Darmschleimhaut aufgenommen zu werden, wenn der Darm gelähmt ist und träge reagiert. Und wenn dann auch noch ein Leaky Gut vorliegt und der Darm extrem undicht ist, dann sind die Chancen, dass die Gifte wieder zurück in den Körper kommen, noch viel größer als sonst.

Schwermetallvergiftungen, Quecksilbervergiftungen und dergleichen können zu Verstopfung führen. Durch die Verstopfung kann dann ungünstigerweise wiederum mehr Schwermetall in den Körper aufgenommen werden. Und das kann wiederum zur Verstopfung führen. Die Katze beißt sich hier wieder in den Schwanz.

Entzündungen

Wenn an irgendeiner Stelle oder der Körper insgesamt entzündet ist – speziell der Darm – geschieht das vor allen Dingen durch verschiedene Nahrungsmittel, die man nicht verträgt. Ganz oben auf der Liste stehen hier wieder die Lektine. Auch Hämagglutinine können hochgradig entzündlich sein. Wenn beispielsweise Hülsenfrüchte nicht richtig verarbeitet wurden oder ihnen gegenüber eine erhöhte Empfindlichkeit besteht, kann das zu ganz starken Entzündungen führen.

Hämagglutinin – wie man es auch bei Chili sagt – brennt zweimal. Was wir dann sehr intensiv merken, weil es weh tut, das betrifft den gesamten Darm. Diese Inflammation, die wir am Enddarm spüren, die macht der komplette Darm durch. Also ein richtig heftiges Chili zu essen, ist grundsätzlich eine nicht so wahnsinnig gute Idee. Es führt zu Entzündungen im Darm – ist also ein entzündungsförderndes Nahrungsmittel.

Schilddrüsenhormon T3 - der Motor jeder Zelle

Fehlende Ballaststoffe

Ein zweiter Grund für Verstopfung ist die nicht ausreichende Aufnahme von Ballaststoffen und flüssigkeitsbindenden Stoffen – die nicht ausreichende Aufnahme von Wasser im Allgemeinen. Genauer erklärt: Es kommt zu Verstopfungen, wenn wir in Bezug auf unseren eigenen Durst nicht genügend trinken.

Ich bin nicht so ein großer Freund des Trinkens von drei Litern Wasser am Tag. Wenn man sehr viel Gemüse zu sich nimmt, ist es nicht nötig, so extrem viel zu trinken.

Es kann zu Dysbiosen kommen – also zu wenig Laktobazillen im Wesentlichen und keinerlei Aufnahme von Fermenten.

Stress

Emotionaler Stress kann ebenfalls eine Verstopfung auslösen. Typisch hierfür ist die sogenannte „Urlaubsobstipation“, wenn man irgendwo, aber nicht zu Hause ist, dass man dann überhaupt nicht mehr kann. Da gibt es immer die zwei Möglichkeiten: entweder Durchfall oder Verstopfung.

verzögerte Toilettengänge

„Ich halte so lange an, bis ich zu Hause bin und gehe dann erst aufs Klo.“ Das ist keine ideale Gewohnheit und löst eine Konditionierung des Darms aus, so dass der Körper nur in der Lage ist, den Darm zu entleeren, wenn man zu Hause und an einer bestimmten Stelle ist. Dieser Umstand kann möglicherweise dazu führen, dass eine Entleerung überhaupt nicht mehr möglich ist.

Hormonelle Dysbalancen

Hormonelle Dysbalancen – und hier ganz oben natürlich die Schilddrüse mit einer verminderten Funktion – führen massiv zu Verstopfung. Aber auch starke Dysbalancen in den Geschlechtshormonen und auch Nebennierenprobleme können zu Verstopfung führen. Ebenso akute Magen-Darm-Infektionen, aber auch einfach fieberhafte Infekte. Wenn man jetzt nicht gerade noch Durchfall dazu hat, kann es sein, dass man ein paar Tage mal nicht auf die Toilette kann. Das ist in dem Fall auch nicht so günstig, weil dann Keime im Darm zurückbleiben können. Da macht es manchmal Sinn, etwas nachzuhelfen und einen Einlauf zu machen, um die Giftstoffe schneller aus dem Darm herauszubekommen. So lässt sich eine Infektion zügiger bekämpfen.

Bewegungsmangel

Unzureichende Bewegung ist natürlich auch ein möglicher Grund. Wenn man beispielsweise den ganzen Tag viel sitzt (Arbeit, Auto, PC, Fernseher – und gegebenenfalls dabei auch noch essen). Dann geht man irgendwann ins Bett und am nächsten Tag beginnt dieser Ablauf wieder von vorne. So findet so gut wie keine Bewegung statt.

Wer stark mit Verstopfung zu tun hat, sollte sich so viel wie möglich bewegen. Es gibt ein paar Videos zu Verstopfungsyoga mit speziellen Übungen für die Bauchmuskulatur, um diese zur Bewegung anzuregen und den Darm auf diese Weise in Gang zu bringen. Das soll Berichten zufolge hervorragend funktionieren.

Medikamente

Medikamente können Verstopfungen auslösen. Vor allen Dingen Opiate verursachen mitunter eine extreme Lähmung des Darms. Dagegen kann man leider auch nur relativ wenig machen. Die Verstopfung durch Opiate ist sehr therapiefraktär. Ebenfalls ist es schwierig mit Muskelrelaxantien und zum Teil mit Diuretika. Wenn man entwässernde Mittel gibt, wird der Stuhl sehr hart.

Antidepressiva sind auch ganz oft verstopfungsauslösend. Antihistaminika können Verstopfungen ebenfalls auslösen und auch einige Supplemente. Eisen zum Beispiel hat diese zwei Eigenschaften: entweder Durchfall oder Verstopfung. Und dann wird der Stuhl so richtig schön schwarz. Und das sieht nicht nur seltsam aus, sondern kann auch sehr unangenehm werden.

Zu wenig Magensäure

Wenn nicht mehr ausreichend Magensäure vorhanden ist, weil sie durch Protonpumpen-Inhibitoren gehemmt ist, dann gibt es ein Problem, weil die Magensäure einen Reiz im Zwölffingerdarm auslöst, dass die Bauchspeicheldrüse nun ausreichend Bauchspeicheldrüsenenzyme ausschütten soll. Und diese wiederum haben auch einen großen Anteil daran, ob der Stuhl die richtige Konsistenz hat.

Zu wenig Magensäure führt nicht immer zu Verstopfung. Es kann ebenso Durchfall auftreten, doch eine Verstopfung ist das häufiger auftretende Symptom.

Woran ist eine Verstopfung erkennbar?

Wenn man eine Verstopfung feststellen will oder glaubt, eine Verstopfung zu haben, oder wenn man eine Verstopfung hat und wissen möchte, wie oder ob es besser wird, dann sollte man zuerst verschiedene Kategorien festlegen, um den Stuhl zu beurteilen.

Die erste Kategorie ist die Konsistenz. Vielleicht kennen einige die Bristol-Stuhl-Skala. Mit ihr werden sieben verschiedene Stadien festgelegt.

Das andere ist die Häufigkeit der Toilettengänge am Tag. Normal ist einmal bis dreimal täglich. Dabei sollte man darauf schauen, wie die Entleerung ist. Ist es schmerzhaft, muss sehr stark gepresst werden oder geht es relativ leicht und einfach?

Schlussendlich ist es wichtig, dass die Entleerung vollständig ist. Besteht ein Gefühl einer vollständigen Entleerung oder muss man mehrmals aufs Klo? Das letzte Stück des Mastdarms sollte sich normalerweise füllen und komplett entleeren. Und dann sollte erst einmal für die nächste Zeit auch Ruhe sein und nicht passieren, dass man innerhalb der nächsten zwei Stunden schon wieder auf die Toilette geht.

Dieses Gefühl, dass der Darm nicht richtig leer wird, ist sehr unangenehm und kann oft ein Zeichen dafür sein, dass die Schleimhaut im Enddarm entzündet ist. Auch die dicke, angeschwollene Schleimhaut kann den Reiz von Stuhldrang auslösen, so dass man ständig das Gefühl hat, man müsse aufs Klo.

Was kann ich gegen Verstopfungen tun?

Dieser erste Teil soll darauf abzielen, dass man an seinem Lebensstil das eine oder andere verändern kann, um Verstopfungen aus dem Wege zu gehen. Im nächsten Teil geht es um bestimmte Supplemente – was sich auf natürlichem Wege machen lässt, um akut und langfristig etwas gegen Verstopfung zu unternehmen.

Feststellen von eventuellen Nahrungsmittelintoleranzen

Es ist überaus wichtig herauszufinden, ob es Nahrungsmittelintoleranzen gibt. Die meisten Menschen merken davon relativ wenig, wenn sich der Darm entzündet. Eventuell etwas Schmerzen, aber mehr nicht. Was man aber ganz gut bemerkt ist, wenn sich der Enddarm entzündet. Dann hat man wirklich so eine Art Schwellungsgefühl.

Große Trigger sind oft Hülsenfrüchte oder auch bestimmte Getreide. Das ist bei mir der Fall. Ich dachte viele Jahre, dass ich Hämorrhoiden hätte, weil die Symptome entsprechend darauf hinwiesen. Tatsächlich habe ich einfach einige Nahrungsmittelintoleranzen, die ähnliche Symptome mit Schwellung der Schleimhaut und Schmerzen und dergleichen verursachen. Seitdem ich die ganzen Sachen nicht mehr esse, habe ich auch keinerlei Beschwerden mehr in der Richtung.

Autoimmunerkrankungen und Verstopfung - Verstopfungsyoga

Anpassen der Ernährung

Man sollte ausreichend Fett essen, damit der Stuhl die richtige Konsistenz hat. Wenn man gar kein oder viel zu wenig Fett isst, dann kann das schwierig werden. Ebenso sollte man genügend Salz zu sich nehmen sowie Nahrungsmittel mit ausreichend Ballaststoffen – also grünes Blattgemüse und ein bisschen Obst. Obst jedoch nicht so viel, aber eine möglichst große Auswahl von verschiedenen Sachen. Auch Probiotika wären eine Möglichkeit.

Fermente sind nicht zu unterschätzen. Kimchi beispielsweise kann sehr durchschlagende Wirkungen erzielen – vor allen Dingen dann, wenn man es nicht gewohnt ist. Fermente sind eine super Möglichkeit, um zum einen die Flora zu unterstützen und zum anderen dafür zu sorgen, dass regelmäßig Wasser und eine ausreichende Aufnahme von resistenter Stärke gegeben ist. Die kann man als Pulver fertig aufnehmen oder über Nahrungsmittel, die diese Stärken beinhalten. Wenn bestimmte Nahrungsmittel wie Kartoffeln und Reis abkühlen, dann bildet die Stärke bestimmte Glykelierungen aus, die eine gelartige Struktur entstehen lässt. Dadurch entsteht die resistente Stärke. Ab und zu mal eine kalte Kartoffel und kalten Reis zu essen, macht also sehr viel Sinn.

Ausreichend schlafen und viel bewegen

Ausreichend Schlaf ist super wichtig – möglichst gesunder Schlaf. Eventuell kann auch ein kurzer Mittagsschlaf als Ritual helfen. Und wie schon erwähnt sollte man sich möglichst viel bewegen, öfter spazieren gehen an der frischen Luft. Prima sind auch Yoga, Pilates oder Bauchtanz.

Weitere Tipps

Was auch helfen kann, Verstopfungen zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, sind eventuell Stressreduktion, Meditation – und die sogenannten Toilet-Habits. Man sollte wirklich versuchen, sofort dann auf die Toilette zu gehen, wenn man muss. Man sollte aufpassen, dass man nicht presst und nicht versucht, den Stuhlgang zu beschleunigen.

Förderlich ist es, die Füße so ein bisschen hochzukippen oder einen kleinen Hocker beziehungsweise eine Fußbank zum Abstellen der Füße zu nehmen. Dass in vielen Kulturen der Welt im Hocken aufs Klo gegangen wird, hat durchaus seinen Sinn.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was man dagegen tun kann. Dazu werde ich euch im Folgenden ein paar hilfreiche Tipps geben. Hierbei geht es einerseits um die schnelle Lösung akuter Probleme und zum anderen um langfristige Lösungen, um den Darm ins Gleichgewicht zu bringen.

Wie bekommt man die Verstopfung spontan in den Griff?

Es gibt zwei Stoffe, die sehr stark darmanregend wirken. In erster Linie ist es Magnesium. Das die Wirkung von Magnesium im wahrsten Sinne des Wortes durchschlagend ist, wissen alle, die schon einmal versucht haben, mit der Einnahme von Magnesium den Spiegel nach oben zu bringen. In einer bestimmten Menge ist Magnesium also ein gutes Abführmittel. Auf der anderen Seite ist Vitamin C eine hilfreiche Variante, um Verstopfungen zu lösen. Beide Stoffe lassen sich auffüllen bis zur sogenannten Darmschwelle.

Wenn wir Magnesium zu uns nehmen, dann versuchen wir normalerweise, so viele verschiedene Magnesiumsalze wie möglich zu verwenden. Möchten wir jedoch einen Durchfall erreichen, sollten wir nach Möglichkeit nur eine oder zwei der Salze dazu benutzen.

Da Magnesium Glycinat nicht so stark gesamtheitlich reizend ist, ist es ratsam, sich vorerst mit diesem zu behelfen. Damit man auch zu einem Ergebnis kommt, sollte die Menge überdurchschnittlich hoch sein. Bestenfalls nimmt man 600 Milligramm am Morgen ein und abends – wenn man dann wirklich endlich möchte, dass etwas passiert – sind nochmal 1.500 Milligramm Magnesium Citrat auf einmal meine Empfehlung.

Dazu verteilt man über den ganzen Tag Vitamin C – und zwar so viele Dosen wie möglich. Fünf, sechs, sieben Mal am Tag 1.000 Milligramm Vitamin C. Es sollte nach Möglichkeit ein gepuffertes Vitamin C sein, denn mit der Einnahme von zu viel nicht gepuffertem Vitamin C kann es sein, dass man Schmerzen bekommt. Wenn es also zu sauer ist, wird der Magen sauer, was sehr unangenehm ist.

Optimalerweise nimmt man zu den beiden Stoffen auch noch ein bisschen resistente Stärke dazu – so ein Achtel Teelöffel. Dann sollte der Durchfall normalerweise nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Wenn allerdings wider Erwartend nichts passiert und man schon relativ verzweifelt ist und gerne möchte, dass sich der Darm entleert, dann hilft nur noch ein sogenannter Vitamin C Flush. Es muss dann unbedingt gepuffertes Vitamin C sein. Trotzdem ist es möglich, dass der Durchfall unangenehm werden und es im Bereich des Anus zu Schmerzen kommen kann.

Was ist ein Vitamin C Flush?

Mit einem Vitamin C Flush wird der Darm einmal komplett durchgereinigt. Am Morgen nimmt man einen Teelöffel Vitamin C – bestenfalls unmittelbar nach dem Aufstehen auf leeren Magen. Anschließend wird jede Viertelstunde ein weiterer Teelöffel Vitamin C genommen.

Wichtig dabei: Der eine Teelöffel gilt für Menschen, die ansonsten gesund sind. Wer eine schwere chronische Erkrankung hat – insbesondere eine infektiöse Krankheit – nimmt bestenfalls zwei Löffel Vitamin C, denn der Bedarf ist in dem Fall deutlich erhöht.

Die viertelstündliche Einnahme-Prozedur macht man so lange, bis wirklich wasserartiger Stuhlgang kommt. Die Einnahme sollte also nicht abgebrochen werden, wenn so ein bisschen was tut, sondern erst, wenn der Stuhl so richtig wie Wasser ist.

Wenn dadurch kein Stuhlgang auslösbar ist, dann sollte man unbedingt und so schnell wie möglich zum Arzt oder ins Krankenhaus fahren. Dort muss geklärt werden, woran es sonst noch liegen kann, dass sich der Darm nicht entleert. Eine chronische Verstopfung ist grundsätzlich klärungsbedürftig.

Wie kann man sich langfristig vor Verstopfungen schützen?

In diesem Zusammenhang halte ich Probiotika für ganz, ganz wichtig. Diese sollten die Darmflora stärken und insgesamt dafür sorgen, dass eine vernünftige Flora vorhanden ist, die den Stuhlgang mit antreibt. Meine Empfehlung dazu sind Präparate von Ther-Biotic und Klaire Labs, denn diese enthalten keinerlei Getreide und auch keine Maisstärke. Noch dazu haben sie eine hohe Diversität. Es gibt diese Präparate ebenso für Kinder und für ältere Menschen sowie etwas speziellere für Leute, die eine Histaminintoleranz haben (in diesem Fall Ther-Biotic Faktor 4 und Faktor 6).

Resistente Stärke sollte man zusätzlich nehmen – täglich einen Achtel Teelöffel voll und dies jeden Tag um einen weiteren Achtel Teelöffel erhöhen.

Weiterhin sind Digestive Enzymes sehr wichtig, die ebenfalls genommen werden sollten – möglichst hochdosiert wie beispielsweise Digest Gold. Ich rate zu vier Stück davon und dann zu schauen, wie es einem damit geht. Gegebenenfalls kann man das dann nach und nach herunterdosieren auf drei, auf zwei, auf ein Stück. Anschließend kommt man vielleicht mit dem normalen Digest aus, welches niedriger dosiert ist. So herum ist es meiner Meinung nach besser als wenn man super niedrig dosiert anfängt und das Gefühl hat, dass es überhaupt nicht hilft. Man kommt auf diese Art letztendlich weitaus günstiger damit.

Der letzte wichtige Punkt ist Magensäure. Wenn der Darm nicht richtig arbeitet und der Weitertransport im Darm nicht vernünftig funktioniert, ist die Ursache dafür häufig, dass zu wenig Magensäure vorhanden ist. Insofern ist dies auch sinnvoll, damit man bezüglich Verstopfung eine langfristige Verbesserung erreichen kann.

Ergänzende Hinweise zur Ursachenforschung

Eine mögliche Ursache neben zu wenig Magensäure und den bereits im Teil 1 genannten Möglichkeiten ist SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth). Mittels eines Atemtests lässt sich herausfinden, ob man von SIBO betroffen ist. Dieser Test kann mit Glucose oder mit Laktose erstellt werden. Eine Flüssigkeit wird getrunken und dann über den Atemtest geschaut, wie viel Wasserstoff ausgeschieden wird und ob Bakterien enthalten sind. Man sollte jedoch dazu wissen, dass dieser Test eine relativ schlechte Spezifität hat. Er kann also durchaus negativ ausfallen und man hat es trotzdem.

Parasiten sind ebenfalls eine häufige Ursache für Verstopfungen. Es gibt diesbezüglich zwei Möglichkeiten: die immunologische und die mikroskopische. Ich rate jederzeit zu beiden Varianten, denn es kann gut sein, dass die Parasiten dem einen oder dem anderen Test „entkommen“ können.

Insgesamt wird man Parasiten oft nur sehr schwer habhaft in Tests. Deswegen macht es unter Umständen Sinn, dass das mehrmals geprüft wird. Wenn man sich relativ sicher ist, dass man einen Parasiten hat, ist eine Wurmkur sinnvoll, auch wenn diese Methode mehr oder weniger brutal ist. Man kann dazu Vermox nehmen. Das ist Mebendazol und das tötet am meisten ab. Ansonsten ist Clont eine Möglichkeit, um auch den letzten Parasiten zu erwischen, den Mebendazol eventuell nicht erwischt hat. Clont ist allerdings schon relativ heftig und räumt den Darm dann mal so richtig leer, weshalb ich diesbezüglich erst einmal eher zurückhaltend wäre. Das sind die beiden Hauptmittel. Mebendazol nimmt man üblicherweise über drei Tage, so dass die Belastung für den Gesamtorganismus nicht ganz so groß ist.

Wenn man den Verdacht hat, dass es an der Schilddrüse liegen könnte oder an der Nebenniere, dann ist es unbedingt ratsam, die Schilddrüse diagnostizieren zu lassen und den adrenalen Stressindex (ASI) sowie damit verbunden den Cortisolspiegel zu testen, um zu schauen, ob dort irgendwelche Auffälligkeiten vorliegen.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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