Hashimoto-Thyreoditis – Fragen und Antworten

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Benny und ich haben uns heute vorgenommen, Fragen rund um Hashimoto-Thyreoiditis zu beantworten. Wir bieten viele Hilfestellungen rund um Hashimoto und andere Autoimmunerkrankungen. Und los geht´s!

Inhaltverzeichnis

Was sind denn so typische Autoimmunerkrankungen?

Es gibt unzählige. Neben der häufigsten wie Hashimoto ist die Zöliakie eine häufige Autoimmunerkrankung, mit der wir auch viel zu tun haben. Genau genommen sind auch alle Allergien Autoimmunerkrankungen. Alle Erkrankungen des atypischen Formkreises wie Asthma.

Was ist ein atypischer Formkreis?

S: Das sind: Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen und es gibt noch viele andere. Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung. Dann gibt es insgesamt viele Erkrankungen des chlorotischen Kreises wie Sklerodermie, systemische Sklerose und Hauterkrankungen, wie Lichen Planus, Lichen Sklerosos. Daneben gibt es noch die chronischen und entzündlichen Darmerkrankungen wie morbus crohn, colitis ulcerosa, das sind auch sehr häufige Autoimmunerkrankungen.

B: Wir reden heute über Hashimoto und erzählen erst mal, was wir in den nächsten Wochen und Monaten geplant haben. Also bisher stand ja das Licht, gerade so die letzten Wochen ganz stark unter dem Abnehmkurs und es kam ja die berechtigte Frage, geht es jetzt hier nur noch um das Abnehmen?

S + B: Nein!

S: Mir ist vor allem wichtig, dass es beim Abnehmen um die Gesundheit geht. Auch bei diesem Kurs steht – natürlich neben der Tatsache, dass man abnimmt – im Fokus, dass es einem besser geht, dass man wieder zu mehr Energie kommt, zu mehr Kraft, zu mehr Esprit und sich einfach wohler und besser fühlt. Und darum wird es auch in Zukunft gehen und heute machen wir damit den Anfang! Unser Fokus wird ganz stark auf der Hashimoto-Thyreoiditis liegen. Zum einen, weil das mein Haupt-Patientenklientel ist, und ich mich da einfach auch gut auskenne. Und zum anderen, weil es eine extrem häufige Autoimmunerkrankung ist. Im Augenblick ist die Schätzung, dass ungefähr 10% aller Deutschen eine Hashimoto-Thyreoiditis haben. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sogar noch höher. Im höheren Alter bei den 60-jährigen sind es in etwa 20%.

B: Jetzt steigen wir parallel mit der ersten Frage einsteigen.

Ursula schreibt: Hatte erst Basedow, jetzt Hashimoto. Was kann ich tun? Spezielles Essen? Worauf muss ich noch achten?

S: Das ist ein Spezialfall. Es gibt Mischformen der basedowschen Erkrankung und der Hashimoto-Thyreoiditis. Da bildet der Körper sowohl Antikörper gegen die Thyroxin Peroxidase als auch gegen den TSH Rezeptor. Die Antikörper gegen den TSH Rezeptor führen zu einer Hyperthyreose, das sind dann die Basedowschübe und gegen die Thorax Peroxidase, die zerstören die Schilddrüse und können dann wieder zu Unterfunktionszuständen führen. Das ist von der Behandlung extrem schwierig, weil es nicht vernünftig eingestellt werden kann. Bei Autoimmunerkrankungen geht man davon aus, dass es verschiedene Trigger gibt. Wir werden vielleicht mit einer Konstitution dafür geboren. Bei mir z. B. in der Familie ist es so, dass im Allgemeinen immer gesagt wurde, alle Frauen haben irgendwas mit der Schilddrüse. Es gibt auf jeden Fall eine erbliche Komponente und dann kommen ganz viele weitere Faktoren dazu. Das können Infektionskrankheiten, eine schlechte Ernährung, Nahrungsmitteltrigger, Toxine oder einfach äußerer Stress sein. Oft sind es auch schlimme Lebenssituationen, die dann den letzten großen Einfluss machen.
Man muss für sich herausfinden, was die Haupttrigger sind. Es gibt ein Webinar zu Hashimoto-Thyreoiditis, wo alle einzelnen Trigger aufgeführt sind und wo ich ganz genau erkläre, wie sich so ein individueller Weg aufbaut. Ganz speziell für dich das Thema einmal kurz zusammengefasst: auch beim Essen gibt es individuelle Trigger. Ich zum Beispiel bin ganz stark Gluten sensitiv, für mich spielt Gluten eine besonders große Rolle. Für Benny ist es auch Gluten, aber auch vor allen Dingen Milchprodukte. Da ist es sehr unterschiedlich. Milchprodukte gehen bei mir sehr gut.

B: Ich werde da total müde von und da geht so richtig die Leistungskurve runter.

S: Und viele haben eine Nachtschatten Unverträglichkeit, die gelten aber nicht für jeden. Und wenn man das herausfindet, fängt man erst mal an mit einer sogenannten Elimination, wo man alles, was potenziell hoch entzündlich ist und ein Trigger (Schubauslöser) sein kann, zu vermeiden. Dann beginnt man, diese Lebensmittel nach und nach wieder einzuführen und herauszufinden was ganz gut funktioniert. Es gibt auch eine ganze Menge immunologische Tests, wo man versuchen kann, das noch genauer zu hinterfragen.

B: Grundsätzlich sei nochmals gesagt, dass wir ganz viele Fragen rund um Hashimoto beantworten, aber das hier ist keine ärztliche Beratung oder Behandlung. du brauchst, wenn du das behandeln möchtest, natürlich einen eigenen Arzt, Therapeuten und wir übernehmen auch keine Haftung.

S: Mit unserem Tipps kannst du zu deinem Therapeuten gehen und dich entsprechend beraten lassen.

Gibt es einen Test für Casein-Unverträglichkeit?

S: Ja, es gibt diverse Tests. Zum einen ist das der IGG, das zwar oft empfohlen wird aber ich persönlich nicht viel davon halte. Das Problem ist, dass auf alles, was in den Körper gelangt, der Körper ein Antikörper bildet wenn der Darm nicht richtig dicht ist und das ist bei Autoimmunerkrankungen einfach ein ganz ganz häufiges Problem. Und die werden dann positiv, das heißt, wenn ich jetzt einen Test mache und ich habe ein starkes Leaky Gut, werde ich zum Beispiel auf Hafer und Wirsing positiv sein weil ich beide Nahrungsmittel täglich verzehre. Und deswegen ist der Test immer ein bisschen schwierig beim Leaky Gut. Also wenn da am Darm alles in Ordnung ist, dann kann der Test ganz nützlich sein aber ansonsten ist der nicht besonders sinnvoll. Sinnvoll ist dieser Test um festzustellen, welche Nahrungsmittelintoleranzen bestehen. 

Dann gibt es die LTTs (Lymphozytentransformationstest). Hier werden direkt Nahrungsmittel mit den Immunzellen in die Petrischale geworfen und beobachtet. Greifen die Nahrungsmittel die Zellen an? Hier sehe ich dann aber ja vor allen Dingen die wesentliche Antwort der Lymphozyten. Ich sehe nicht so sehr, ob doch auch eine Antikörperausbildung auf einer anderen Ebene passiert. Zum Beispiel die Gliadinantikörper verschiedenster Art, also IgM, IgA Antikörper, die erwischt man damit nicht. Deswegen würde ich das bei Gluten immer kombinieren mit verschiedenen Tests. Das wäre zum Beispiel der LTT auf Casein, das wäre dann eine Möglichkeit und das kann auch sehr nützlich sein wenn der positiv ist und man Milch dann wirklich sehr konsequent meidet, dass kann Benny auch bestätigen, dann kann das extrem gute Ergebnisse erzielen.

B: Ja. Casein ist das Milcheiweiß.

S: Genau, ganz wichtiger Hinweis. Das wird oft verwechselt und gefragt. Casein ist das Eiweiß der Milch und ist damit eigentlich in sämtlichen Milchprodukten enthalten.

B: Betrifft nicht nur die Kuhmilch, sondern Milch von jeglichen Tieren.

S: Richtig. Es gibt auch Alpha 2 Casein bei Schafen und Ziegen, das wird häufiger vertragen, aber viele haben auch einfach Unverträglichkeiten gegen beides. Und das ist nicht Laktose. Laktose ist der Zucker der Milch und eine Laktoseintoleranz ist ein Fehlen des Enzyms „Laktase“, wodurch der Körper das nicht richtig aufbrechen kann und dadurch kommt es zum Durchlaufen von Laktose durch den Darm und infolgedessen zu Gärungsprozessen, zu einer Vermehrung ungünstiger Bakterien und zu Diffusionen. Diffusionsbedingten Wassereinstrom in den Darm und dadurch zu Durchfall und Blähungen und solche Dinge. Das ist eine Unverträglichkeit, die mit den Sensitivitäten, die immunologisch bedingt sind, nichts zu tun hat. Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ich kriege ganz oft zu hören „ich esse doch nur laktosefreie Produkte, warum habe ich trotzdem dann Probleme?“. Wenn man eine Caseinintoleranz hat, nützen laktosefreie Produkte gar nichts.

Welche Rolle spielt Progesteron bei Hashimoto?

TEXTS: Progesteron ist das stärkste antientzündliche Hormon, das Frauen zur Verfügung haben. Bei Männern ist es Testosteron, weil die einfach da deutlich mehr davon haben und sie sollten deshalb auch in der Behandlung das Augenmerk eher auf das Testosteron legen. Bei Frauen ist es das Progesteron und sehr häufig gehen Autoimmunerkrankungen mit Östrogendominanzen einher. 

Bei Hashimoto ist das besonders häufig, weil Hashimoto leider aufgrund der entstehenden Hypothyreose oft auch mit Übergewicht einhergeht und Fettgewebe wieder dafür sorgt, dass vermehrt Östrogen produziert wird, daher kommt es sehr häufig zu Östrogendominanzen und dann gibt es auch verschiedene andere Prozesse, also Störung in den Hormonachse (stille, permanente Entzündungen). Das alles führt zu Östrogendominanzen. 

Das heißt, es ist deutlich mehr Östrogen da im Verhältnis zum Progesteron und es treten auch sehr häufig Gelbkörperhormonschwächen auf. Das bedeutet, dass der Körper zu wenig Gelbkörperhormon produziert. Das ist oft angeboren. Symptome können sehr starke Regelschmerzen, zum Teil sehr lange und schmerzhafte Blutungen und PMS (Prämenstruelles Syndrom) sein. Auch Mittelschmerz, also Schmerzen während des Eisprungs. Wenn du Schmerzen oder ein Spannen in den Brüsten, vor allen Dingen vor der Menstruation hast, können das auch typische Symptome darstellen. Auch gehandelt als Symptome des Progesteronmangels werden Depressionen. 

Eine Neigung zur Alkoholsucht könnte ein mögliches Symptom sein, das ist aber noch nicht ausreichend erforscht. Es besteht auch eine erbliche Komponente des Progesteronmangels (lange und schmerzhafte Blutung) und eine Behandlung mit Progesteron im Rahmen einer Autoimmunerkrankung kann extrem hilfreich sein.

Kann ich Progesteron schlucken, creme ich Progesteron, was ist die effizienteste Aufnahme?

S: Am effizientesten ist bei Frauen die Aufnahme über die Scheide, über die Schleimhaut, oder, das ist nicht so gerne benutzt, über die Rektalschleimhaut. Es wird also über die gleichen Vene in den Körperkreislauf aufgenommen.

Ist Progesteron frei verkäuflich?

S: Nein. Das ist rezeptpflichtig. Grundsätzlich sind Hormone zu Recht rezeptpflichtig. Das sind keine Drops.

Die darf man auch nicht tauschen, oder?

S: Die darf man auch nicht tauschen, nein! Die darf man weder tauschen, noch verkaufen, das ist illegaler Drogenhandel und das sollte man auch nicht tun weil die Empfehlungen über Dosis und Verabreichung sind individuell. Was frei verkäuflich ist, ist 3-prozentige Progesteroncreme und da muss man dann auch ganz klar sagen, dass das seinen Grund hat. Die wird vom Körper so gut wie nicht aufgenommen. 

Die Menge an Progesteron, die über der Haut ist, reicht nicht aus, um dafür zu sorgen, dass per Diffusion die Creme durch die Haut penetriert. Das heißt, es hat eher eine homöopathische Wirkung, also es ist eher im Bereich anzusiedeln, dass es den Körper dazu anregt, irgendwas zu tun, es lassen sich keine echten Spiegel damit erreichen.

Zu was für einem Arzt muss man gehen, man es mit Progesteron probieren möchte?

S: Ja, das ist eine gute Frage. Also entweder zu einem Frauenarzt, der sich mit bioidentischen Hormonen auskennt und der damit arbeitet. Zu einem Endokrinologen, für den das gleiche gilt, der mit bioidentischen Hormonen arbeitet oder zu jedem anderen Arzt sonst, der sich für bioidentische Hormone interessiert.

Ok, aber Stichwort ist bioidentische Hormone?

S: Genau. Progesteron ist so ziemlich auch das Einzige, was es wirklich auch humanidentisch gibt. Es gibt eine Firma aus Berlin, die produziert tatsächlich Progesteron aus menschlicher Plazenta. Die kaufen die Plazenten ein und extrahieren daraus das Progesteron. Das finden manche ein bisschen eklig, ansonsten wird jegliches Progesteron aus Yamswurzel, aus einer Verlängerung des Dinoges der Yamswurzel hergestellt, ist aber dann auch bioidentisch. Also ist exakt von der chemischen Struktur so wie das menschliche Progesteron.

Hier wurde mehrfach nach natürlichen Schilddrüsenhormonen gefragt, wovon haltet ihr mehr?

S: Auch da ist wieder ganz wichtig, das ist hochgradig individuell! Und das ist meine Hauptbotschaft, das erzähle ich in jedem Vortrag ungefähr zwanzigmal, es gibt keine Generallösung. Jeder muss für sich selbst seinen Weg finden. 70% aller Patienten sind mit synthetischem T4 symptomlos oder fühlen sich halbwegs gut. Ob sie wirklich symptomlos sind wage ich zu bezweifeln, aber sie fühlen sich ok. Und die sind dann auch damit ganz gut bedient, das wird von der Kasse bezahlt, das ist billig, das funktioniert einigermaßen gut. Und wenn die Leber sowie die meisten Vorgänge im Körper in Ordnung sind, dann ist es wunderbar und ein gutes Medikament. 

Aber 30% geht es damit überhaupt nicht gut und sie haben eine wahnsinnige Latte an Symptomen, die einfach dadurch nicht besser wird, weil Autoimmunerkrankungen einfach mit diversen anderen Störungen einhergeht, vor allen Dingen der Leber, der Entgiftungsprozesse, der Umbauprozesse usw. Weil wir haben die Autoimmunerkrankung ja nicht von ungefähr, also die hat man ja nicht einfach so gekriegt und das führt dann eben dazu, dass aus dem T4 nicht vernünftig die anderen Hormone gebildet werden. 

Normalerweise wird im Körper gebildet: T1, T2, T3, T4, wahrscheinlich auch noch T0, das ist nicht so ganz klar und Kalzitonin. T3 ist das aktive, das ist das Wichtigste, das weiß man auch, aber bei den anderen wird gerne behauptet, die sind zu nichts nutze. Das ist mit Sicherheit Quatsch, unser Körper ist hochgradig effektiv und effizient und würde nicht zig Hormone produzieren, die zu nichts Nutze sind und die wir überhaupt nicht brauchen und inzwischen weiß man auch, dass das T2 sehr wohl enorm wichtige Wirkungen hat und das Hormon ist, was entscheidend ist für die Stoffwechselgenerierung, sprich wie schnell unser Stoffwechsel tatsächlich läuft, für Gewichtsverlust und auch für Kälte-Hitze Regulation. 

T2 sorgt unter anderem dafür, dass man sich warm, gut und energetisch fühlt. Und T2 ist im Augenblick nur in natürlichen Schilddrüsenhormonen erhältlich. Es gibt dazu einen Blogartikel, T2 – die 13. Fee der Schilddrüsenhormone. Bitte lest diesen Beitrag, der ist ziemlich spannend. T2 gibt es synthetisch, das wurde ja in diesen Studien synthetisch verwendet, ist aber für den freien Markt und für die Verwendung mit Patienten im Augenblick noch nicht zulässig.

Was schätzt du wann das kommt?

S: Das kann ich nicht genau sagen, diese Zulassungsprozesse bei der Pharmazie können ewig dauern.

B: Fünf bis zehn Jahre?

S: Man dachte halt, man hat den heiligen Gral der Gewichtsabnahme gefunden mit dem T2 und musste aber leider feststellen, so einfach ist das leider nicht, unser Körper lässt sich nur ganz schwer veräppeln.

Bei mir wurde Hashimoto festgestellt, ich bekam Tabletten, habe sie einfach abgesetzt. Schlimm?

S: Auch das kommt ganz stark darauf an. Wenn du noch relativ viel Schilddrüse hast, was möglich ist und dein Körper das noch halbwegs im Griff hat und du es schaffst, deine Entzündungslage so runterzubringen, dass die Entzündung deutlich zurückgeht, dann kann es sein, dass du noch ausreichend Schilddrüsenhormone produzierst. Tust du das nicht, dann kann es auf Dauer tatsächlich schlimm werden. Weil, dass muss man auch sagen: ohne Schilddrüse und ohne Schilddrüsenhormone stirbt man. Und das ist auch etwas, was man sich einfach klarmachen muss. 

Sollte es dir zunehmend schlechter gehen, du immer müder werden, du merkst das du Ödeme kriegst, aufquillst, dass du überhaupt nicht mehr aus dem Bett kommst, Depressionen kriegst, Gliederschmerzen, Haarausfall, trockene Haut, Kälteintoleranz, dann gehe sofort zum Arzt, dann musst du wieder Hormone nehmen. Weil ohne diese Hormone können wir nicht überleben, wenn die Schilddrüse soweit zerstört wurde, dass sie ihre Funktion nicht mehr selber wahrnehmen kann. Und ob sie das noch kann oder nicht und ob man eine Remission erreichen kann, so nennt man das, wenn eine eigentlich chronische Erkrankung im Augenblick keine Symptome macht, das ist hochgradig individuell. 

Ich habe noch relativ viel Schilddrüse und kann damit im Augenblick noch ohne Hormone leben, weil ich sehr gut in Remission bin, andere haben nur noch ein, zwei Millimeter, weil der Körper die Schilddrüse wirklich komplett zerstört hat, damit ist es fast unmöglich, ausreichend Hormone zu produzieren. Manche haben sozusagen so gut wie gar keine Schilddrüse mehr und einige…

B: …haben sie ja operativ entfernt.

S: Und einigen wurden diese eben auch entfernt, genau. Sowohl bei der Hashimoto-Thyreoiditis als auch beim Blasedow werden sie ja oft entfernt.

Kloß im Hals, kennt ihr das, woher kommt das? Ist das, also ich habe ja kein Hashimoto, deswegen kann ich es nicht sagen.

S: Das ist so ein typisches Symptom, das ist das sogenannte Globusgefühl. Globus heißt Kloß auf Latein. Die Mediziner nennen das Globusgefühl. Das kann verschiedene Gründe haben. Es kann sein, dass du im Schub bist (die Schilddrüse oder das umliegende Gewebe ist im Augenblick geschwollen und entzündet) und du hast dadurch das Gefühl eines Kloßes im Hals. Es kann in der Unterfunktion einfach sein. Manche haben in der Unterfunktion durch den Versuch der Schilddrüse irgendwie noch etwas hinzukriegen manchmal ein Globusgefühl. Bei einigen ist es auch immer wenn sie irgendeinen Trigger zu sich nehmen. Also wenn es bestimmte Trigger gibt, dass sie dann merken, dass sie Schluckstörungen kriegen.

B: Das kenne ich.

S: Und für mich war es auch ganz lange, dass es wirklich geschmerzt hat, also dass wenn man dagegen gedrückt hat so in diesem Bereich, dass ich immer das Gefühl hatte, dass dort irgendwas entzündet ist.

Kann man da irgendwas dagegen tun?

S: Wenn die Schilddrüse super eingestellt ist, der Schub vorbei ist, die Entzündungstrigger weg sind, dann hört das auf, dann geht das weg.

B: Ok, also nur mit einem langfristigen Behandlungserfolg?

S: Ja, aber das Globusgefühl kriegt man recht schnell weg, das ist oft, wenn die Hormonlage gut eingestellt ist, dann verschwindet das auch wieder.

Wo kann ich den Unverträglichkeitstest machen lassen?

S: Bei einem Arzt, der das anbietet.

B: Ja. Zur Not ein bisschen nachforschen. Wir haben immer wieder Patienten und Leser, die sagen, dass ihre Ärzte den Test nicht machen weil sie behaupten, das sei für den Patienten nicht sinnvoll oder sie machen nur so ein Pricktest. Der bringt nichts,oder?

S: Der Pricktest testet nur auf IGE, also auf echte Allergien, wo man dann schwillt, der bringt da leider gar nichts. Die meisten LTTS in Deutschland laufen über das IMD (Institut für medizinische Diagnostik) in Potsdam. Das ist in Deutschland das spezialisierte Institut für spezielle Immunologie.

B: Die sind auch relativ groß.

S: Die sind groß, ja das auch. Und da kann man auch einfach mal anrufen und fragen, ob die bei euch in der Gegend einen Arzt wissen, der diese Tests durchführt. Dieses Institut kriegt das Blut jeweils von den Ärzten zugeschickt.

B: Kann man den Test nicht direkt auch beim IMD machen?

S: Nein, den nicht, der geht nur mit ärztlicher Anforderung.

Können bei Hashimoto die Cholesterinwerte steigen?

S: Ja, super gute Frage! Die Cholesterinwerte können auf jeden Fall steigen. Cholesterin ist die Ausgangssubstanz aller Steroidhormone. Was sind Steroidhormone? Unsere ganzen Geschlechtshormone, alle Hormone der Nebenniere, das sind Steroidhormone. Die Ausgangssubstanz ganz oben, die Muttersubstanz, das ist Cholesterin. Das heißt, Cholesterin ist eigentlich nicht negativ, sondern braucht der Mensch unbedingt. Wenn kein Cholesterin vorhanden ist werden auch keine Sexualhormone produziert. Wenn aber der Stoffwechsel verlangsamt wird, dann bleibt dieses Cholesterin, was eigentlich in eine ganze Reihe von Hormonen umgewandelt werden sollte, liegen. Und dann kommt es zu einer deutlichen Cholesterinerhöhung und das ist etwas, was ich regelmäßig bei meinen Patienten sehe, die zum Teil schon sehr lange bestehende Dyslipoproteinämie haben (Störung der Blutfette), dass die unter einer adäquaten Schilddrüsenbehandlung, wenn die Schilddrüse gut eingestellt ist und der Stoffwechsel wieder vernünftig läuft, die Cholesterinwerte völlig in den Normbereich gehen. Das ist einer der Gründe. Es gibt auch eine ganze Menge angeborener Blutfettstörungen, wo man mit Schilddrüsenhormonen gar nichts machen kann, aber es kann eben sein, dass es das Schilddrüsenhormon bedingt.

B: Eben kam eine Frage nach KPU und HPU, ob wir darüber schon geredet haben. Nein, haben wir noch nicht. Das hat mich aber auf einen Gedanken gebracht. Wir haben ja vor einiger Zeit schon angekündigt, dass wir eine Reihe eigener Supplemente herausbringen werden, die in Deutschland hergestellt sind und auch in Deutschland zugelassen sind, was ja für ganz viele Supplemente nicht gilt. Für unsere aber schon. Und da habe ich ein Update. Ich habe jetzt gerade den ersten Entwurf der Verpackung abgenommen und ich glaube, das ist nicht mehr so lange hin. Also ich bin ziemlich optimistisch, dass wir die bald starten können. Sollen wir schon mal lüften, was dabei ist?

S: Du willst das ja offensichtlich.

B: Das stimmt. Weil jetzt die HPU Frage kam. Also, wir werden ein Supplement rund um HPU rausbringen, eines rund um Leaky Gut und einen hochdosierten Beta-Glucan.

Was ist Beta-Glucan?

S: Oftmals ist bei Hashimoto-Thyreoiditis oder bei allen Autoimmunerkrankungen das sekretorische IGA, eine der Abwehrschichten unseres Darms, ganz stark erniedrigt. Und ungefähr bei 50% aller Patienten, die diese Erniedrigung haben, kann man über Beta-Glucan eine Erhöhung des sekretorischen IGAs erreichen. Dafür braucht der Patient aber relativ viel Beta-Glucan. In Studien wurden sehr hohe Dosen verwendet, die in Deutschland bisher nicht verfügbar waren und dann musste man immer mehrere davon nehmen, was teilweise sehr nervig war und deswegen haben wir uns entschieden, ein Präparat herauszubringen, wo man dann eben pro Einnahme nur eine Kapsel nehmen muss.

Was macht man bei einer Östrogendominanz?

S: Das haben wir zu Beginn schon besprochen. Zum einen muss geklärt werden, ob es tatsächlich nur eine Östrogendominanz oder auch ein Progesteronmangel ist. Herrscht auch ein Progesteronmangel, dann wird der Progesteronmangel behandelt oder sollte auf jeden Fall behandelt werden. Ist es nur eine Östrogendominanz und Progesteronspiegel ist in Ordnung, würde ich nicht noch mehr Progesteron dazugeben, das wird dann nämlich nur in noch mehr Östrogen vom Körper umgewandelt und ist damit dann sinnlos. Manchmal wird das in der Praxis gemacht, ist aber nicht hilfreich. Denn die Frage, wodurch Östrogendominanz zustande kommt, ist wichtig. 

Leider ist Übergewicht ein Auslöser. Fett ist enorm hormonaktiv, bildet Aromatasen und sorgt dafür, dass Östrogen in deutlich vermehrten Maße gebildet wird, weswegen unter anderem Gebärmutterkarzinome (Krebs) viel häufiger bei übergewichtigen Personen vorkommen und auch postmenopausale Blutungen deutlich häufiger sind, weil durch das viele vom Fettgewebe gebildete Östrogen noch Schleimhaut ausgebildet wird. Es kommt auch häufiger zu Schwierigkeiten beim Kinderwunsch und zu Infertilität weil es da Probleme im Hormonhaushalt gibt. Hier kann man viel dagegen unternehmen. 

Dann bestehen viele Probleme mit der Leber. Die verschiedenen Entgiftungsprozesse, wo die einzelnen Metaboliten der Steroide ineinander umgewandelt werden müssen, funktionieren nicht richtig und dadurch kommt es zu Östrogendominanzen. Das sind oft Methylierensstörungen, das heißt ein Entgiftungsprozess in der Leber, wo Methylgruppen (Schwefelgruppen) angehängt werden, nicht funktionieren. Da kann man dann helfen, in dem man dem Körper von außen Methylgruppen zur Verfügung stellt.

Ist das freiverkäuflich?

S: Ja, das gibt es als Supplement. Die andere Möglichkeit die Leberfunktion gesundheitlich zu unterstützen ist Mariendistel. Mit Mariendistel kann man unheimlich viel erreichen, um diese Abbauprozesse zu verbessern und Marientdistel ist sogar bei Patienten mit Leberzirrhose noch sehr hilfreich um diese Prozesse wieder zu beschleunigen und da entsprechend anzusetzen und auch damit kann man dafür sorgen, dass diese Dominanzen besser werden. Insgesamt muss man aber sagen, die Östrogendominanz ist ein Symptom, das diese ganzen Rädchen, die ineinandergreifen, nicht mehr richtig funktionieren und es bedarf einer ganzen Reihe von Maßnahmen, um das ganze Gefüge dann wieder sauber zum Laufen zu bringen. 

Das heißt, wenn die Schilddrüse überhaupt nicht funktioniert, wenn die Nebenniere am Boden ist usw. und du dabei eine Östrogendominanz hast, dann musst du all diese Prozesse angehen, um das entsprechend loszuwerden und verbessern zu können. Ein ganz wichtiger Punkt bei der Hypothyreose ist leider das Fettgewebe. Und das ist einer der Gründe, warum es unser Abnehmprogramm gibt, nicht weil ich möchte, dass wir alle hübsch aussehen – das möchte ich auch – aber vor allen Dingen, weil das so ein wesentlicher und wichtiger Faktor ist und das ist auch für mich, wo ich das ganz krass auch daran gemerkt habe. 

Ich hatte so starke PMS und Mittelsymptome, vor allem um die Ovulation, und das haben viele mit Autoimmunerkankungen, dass man wirklich das Gefühl hat am Eisprung, man wird verrückt. Man hat so starke psychische Symptome und eigentlich ist es bedingt dadurch, dass der Körper von den ganzen Hormonen irgendwie die Falschen und zu viel produziert. Daran ist besonders stark das Fettgewebe beteiligt und das konnte ich persönlich nur in den Griff bekommen, indem ich eine große Menge an Gewicht verloren habe.

Ist der Zonulin-Test bei Leaky Gut aussagekräftig?

S: In erster Linie solltest du klären, wie schlimm es ist. TPO Antikörper sind da besonders wichtig, es gibt aber auch noch andere. Ich würde immer nach Möglichkeit auch TAK Antikörper mitmachen, also das man schaut Thyreoglobulin Antikörper, gibt es noch weitere Faktoren und antinukleäre Antikörper, wie schlimm ist dieser Schub? Wie schlimm ist die autoimmune Reaktion? Denn dann hast Du ein Bild, woran du arbeiten musst. Schau, wie die Restfunktion der Schilddrüse ist, wie funktioniert deine Schilddrüse, funktioniert sie überhaupt noch, wie ist der TSH? 

TSH über 7 bedeutet, Hypophyse brüllt Schilddrüse an und Schilddrüse sagt, ich kann nicht. Und dann ist es völlig egal, ob der TSH 10 ist oder 200 oder 2000, es bedeutet immer, dass die Schilddrüse nicht kann. Und dann sollte man ihr helfen. Weiterhin ist es sehr wichtig herauszufinden, wie groß die Schilddrüse noch ist, wie viel Schilddrüse du eigentlich noch hast, was kann dein Ziel sein. Ist die Schilddrüse bei einem Milliliter, ist das Ziel nicht hormonfrei zu werden. 

Ist die Schilddrüse noch zwölf, 20 Milliliter, irgendwo in dem Bereich, dann kann dein Ziel durchaus sein, eine sogenannte Remission zu erreichen, das war hier nämlich auch eine Frage. Kann eine Hashimoto zum Stillstand kommen? Ja, kann sie. Das nennt sich Remission.

Kann sie wachsen und sich normalisieren?

S: Eher nicht.

B: Unwahrscheinlich, oder?

S: Jedenfalls gibt es keinen dokumentierten, tatsächlichen Fallbericht, dass sie das tut. Theoretisch müsste das möglich sein. Weil wir wissen auch von der Struma, dass die Schilddrüse riesengroß werden kann, wenn der Bedarf besteht. Also theoretisch müsste das eigentlich möglich sein, es gibt aber keinen evidenzbasierten Fallbericht über eine Vergrößerung der Schilddrüse, die so weit ging, dass wieder genug Gewebe da war, um da versorgt zu sein. Wenn du so ein Fall bist und das dokumentieren kannst und Schallberichte hast (vorher – nachher), wo du plötzlich wieder genug Schilddrüsengewebe hast, schreib mir gerne, dann können wir gemeinsam eine Case Study veröffentlichen, es würde vielen sicherlich helfen. Aber meines Wissens nach gibt es da keine und damit ist auch davon auszugehen, dass es eher nicht möglich ist. Aber was möglich ist, ist die sogenannte Remission.

B: Der Stillstand.

S: Der Stillstand. Dass die Erkrankung erst mal zum Stillstand kommt und nicht weiter fortschreitet. Und da ist aber auch ganz wichtig, zu begreifen, dass das nicht für immer hält. Ich habe immer mal Patienten, die sich teilweise ein Jahr lang nicht melden und dann haben sie wieder angefangen, Gluten zu essen, Casein zu sich zu nehmen, Party zu machen und Alkohol zu trinken und haben plötzlich 15 kg zugenommen.

B: Menschlich. Das ist menschlich.

S: Menschlich, ja sehr menschlich. Und dann sagen sie “mir geht’s jetzt wieder total schlecht”. Ja, das kann passieren, das ist leider das Problem. Es muss einem klar werden, dass die Erkrankung immer irgendwo im Hintergrund bleibt. Sie versteckt sich nur hinter einem Vorhang und wann immer wir unaufmerksam werden und unachtsam oder uns einfach irgendwas passiert, worüber wir überhaupt keinen Einfluss haben wie zum Beispiel Liebeskummer…

B: … Todesfall in der Familie.

S: Todesfälle, genau. Das ist ganz oft einfach ein Trigger, dass die Hashimoto den Vorhang zur Seite reißt und sagt “hier bin ich!”. Und dann muss man wieder rangehen und versuchen, das entsprechend zu bekämpfen und wieder niederzudrücken. Und das kann leider jederzeit wieder passieren. Daher ist es ganz wichtig, dass man sich darüber bewusst wird. Ein besonders häufig geäußerter Wunsch ist “ich möchte wieder so sein wie vorher”. Das wird leider nicht passieren. Im Hintergrund bleibt die Erkrankung immer. Ich persönlich fühle mich im Augenblick wie früher, es geht mir sehr sehr gut. Aber ich weiß, es kann jederzeit wieder zu Schüben kommen und ich muss ganz aufmerksam und wachsam sein, was ich tue. Für mich ist vor allen Dingen Ernährung ein ganz starker Trigger, deswegen achte ich so sehr darauf und bin in meiner Ernährung konsequent und ich merke sofort, wenn ich das nicht bin.

B: Ja du hast das Wissen, es kann jederzeit wiederkommen.

S: Ja.

Ich hatte einen Termin, stehe auf der Warteliste und würde aber gerne wissen, was ich bis dahin tun kann. Zu viel Wasser im Körper und es geht mir seit Wochen schlecht mit Hashimoto.

S: Ja, das ist ein bisschen sehr allgemein gefasst jetzt. Also was kann man gegen Wasser tun, das greife ich jetzt mal auf. In erster Linie führt natürlich eine schlechte Schilddrüsenhormoneinstellung zu Ödemen und zu Wassereinlagerungen. Also das wäre so das erste, dass man die Schilddrüseneinstellung prüft. Hier ist besonders wichtig, wie das Verhältnis von T3 zu T4 ist, nicht nur in der TSH. 

Es sollen immer auch die freien Werte bestimmt werden. Und dass man prüft, ob man eventuell seine Dosis erhöht und ob es eventuell Sinn machen würde, die T3 haltige Medikation mit reinzunehmen. Wenn Nebenniere, B-Vitamine, Vitamin D, Gesamtkörperlage, Eisen in Ordnung ist, dann kann man es eventuell mit einer T3 haltigen Medikation versuchen. Weiterhin können Wassereinlagerungen durch Geschlechtshormone bedingt sein. Über Östrogendominanzen haben wir ja schon ausführlich gesprochen. 

Wenn das der Fall ist wirkt Progesteron stark entwässernd. Progesteronmangel kann die Ursache dafür sein, dass der Körper in ganz großem Maße in der zweiten Zyklushälfte Wasser einlagert. Das höre ich auch besonders oft. In der zweiten Zyklushälfte fühlen sich viele wie ein Wasserbomber und haben viel Wasser eingelagert. 

Da kann ein bioidentisches Progesteron sehr hilfreich sein. Sehr stark natürlich entwässernd ist Taurin, mit Taurin kann man ganz gute Erfolge erzielen. Hier auch in relativ hohen Dosen, 1.500 mg Taurin wäre so die Enddose, da tastet man sich langsam an. Wichtiger Hinweis: nur in Absprache mit eurem Therapeuten!

B: Also nicht selbstständig bitte.

S: Das sollte unter Aufsicht und mit Begleitung gemacht werden, damit kann man auch gut entwässern. Ganz ganz wichtig ist, wenn solche starken Ödeme auftreten, die nicht herzbedingt sind und ihr Diuretika dagegen nehmt um die rauszukriegen, wird es meistens eher schlimmer, weil das eben nicht der Grund dahinter ist.

Hier sind noch zwei Fragen, die ich sonst kurz beantworte. Es kam die Frage, wie man mit Hashimoto am besten abnehmen kann? Es gibt bestimmt viele Wege, wir bieten einen mit unserem Kurs. Und Lisa fragt, wie man sich mit Hashimoto ernähren sollte? Auch dazu haben wir schon ein Webinar gemacht. Gehe bitte auf unsere Startseite und dort siehst du mehrere Webinare, die wir anbieten. Du kannst dich mit deiner E-Mail-Adresse registrieren und erhältst einen Link zum Webinar.

Wie ist es mit lugolscher Lösung?

S: Es wurden schon viele Fragen bezüglich Jog gestellt. Ich kann euch allen einfach raten, das Buch von Kyra Hoffmann und Sascha Kaufmann “Jod der Schlüssel zur Gesundheit” zu lesen. Sehr gut wissenschaftlich recherchiert und belegt und einfach auch ergebnisoffen. Man kann nicht generell raten, dass es bei Hashimoto gut wäre nichts zu nehmen oder es wäre sinnvoll, unbedingt Jod zu nehmen, weil es hängt ganz stark davon ab, ob du wirklich Jod benötigst. Dazu möchte ich noch kurz etwas erzählen. 

Es gibt ja die Behauptung, dass man Selen nehmen kann um die Antikörper zu drücken. Das war eine Studie aus Großbritannien, da hat man das festgestellt, dass wenn man bei Hashimoto Selen gibt, dass dann die Antikörper runtergehen. Soweit so gut. Da hat man dann auch in vielen anderen europäischen Ländern vorgenommen und in Deutschland haben die Therapeuten festgestellt, das es nichts bringt. In fast allen Fällen hat man keinerlei Erfolge damit erzielt. Und da hat die Hashimoto Gruppe rund um Prof. Feldkamp aus Bielefeld sich überlegt, warum ist das so, warum es nicht bei Deutschen nützt. 

Und dann haben sie 800 deutsche Hashimoto Patientinnen auf Jod untersucht und haben nach dem Jodstatus geschaut und festgestellt, dass alle Patientinnen einen Jodmangel hatten. Und das ist der große Unterschied zwischen den Briten und uns. Die Böden und insgesamt ist die Jodversorgung dort um einiges besser. Deutschland ist fast flächendeckend ein Jodmangelgebiet. Und auch wenn oft gesagt wird, wir wären überjodiert aber die tatsächlichen Untersuchungen in der Praxis geben das überhaupt nicht her. 

Alle, die ich untersuche, haben einen Jodmangel und das wurde von der Forschungsgruppe in Bielefeld nachgewiesen. Durch den Jodmangel können dann auch die Schilddrüsenfunktionen nicht ausreichend gegeben sein. Es ist möglich, dass du nicht zu dieser Gruppe gehörst und keinen Jodmangel hast, dann ist Jod für dich auch nicht das Richtige. Die kranke Schilddrüse kann Jod nicht vertragen, das ist ein besonders wichtiger Hinweis. 

Wenn du das Gefühl hast, schon allein durch einen Seeurlaub geht es dir schlecht, dann verträgt deine kranke Schilddrüse Jod überhaupt nicht und dann muss erst mal alles Mögliche drumherum behandelt werden, bevor man dann mit Jod rangehen kann und dann dem Körper dann tatsächlich auch mit Jod helfen kann. Wichtig ist auch immer die Frage, was zu welchem Zeitpunkt. Die Generallösung, ich weiß, habe ich jetzt schon zehnmal gesagt…

B: …die gibt es leider nicht.

S: Und das ist leider so. Das Wundermittel, das Zaubermittel, das alles wieder gut macht, das gibt es nicht. Die Pharmaindustrie oder der Supplementindustrie kündigt immer wieder solche Zaubermittel an aber wenn du diesem Sektor Geld in den Rachen wirfst, dann hilft es leider niemanden außer denen, die es verkaufen. Und oft sind es so billige Dinge wie Zink oder Magnesium, die wirklich einen großen Effekt haben. Alles, was so richtig teuer ist, ist mäßig erfolgreich muss man sagen. Es gibt vielleicht auch ein paar tolle Sachen, die so richtig teuer sind.

B: Es sind leider viele kleine Baustellen.

S: Wir haben viele kleine Baustellen. Und das erzähle ich auch in fast jedem Vortrag, weil ich es so cool fand, das heißt: “While I became a millionaire by sitting on my ass”. Da geht es darum, wie man solche Fallberichte faked, die zeigen, wie jemand durch so ein Wundermittel total toll und gesund geworden ist. Und für mich war das ein totaler Augenöffner. Als ich das gelesen habe, habe ich gesagt, ja, genau so sind die alle in diesen amerikanischen Büchern. 

Genau so sind diese Fallberichte alle gestrickt und ich war immer wahnsinnig enttäuscht, warum meine Patienten nicht durch irgendeinen Zauberstoff solche Wunder erleben. Und das ist genau der Punkt, die lügen alle. Lasst euch nicht von solchen Zaubermitteln veräppeln! Es ist ganz viel Eigenarbeit, es steckt viel Recherche dahinter und man muss probieren und sehen, was euch gut tut. Es gibt kein Mittel das dafür sorgt, dass du gesund wirst. Jeder muss seinen individuellen Weg gehen.

Eine nicht unwesentliche Frage ist die nach Hashimoto und Kinderwunsch?

S: Ja, Hashimoto Hyperthyreosen führen dazu, dass häufiger ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt und leider auch deutlich häufiger zu Aborten kommt, dass vor allen Dingen in der Frühschwangerschaft Schwangerschaften verloren gehen. Gerade bei Kinderwunsch ist eine sehr strikte Einstellung wichtig. Wenn man normalerweise mit Eltroxin behandelt wird sollte der TSH unter 1 sein. 

Wenn mit Schilddrüsenhormonen, also mit Schilddrüsenextrakt behandelt wird, sollten die freien Hormone sehr hoch eingestellt sein. Der suppremierten TSH, also dass der TSH gegen null tendiert ist unter einer kombinierten Therapie, die T2 und T3 enthält oder nur T3 unproblematisch zum schwanger werden. Also damit kann man wundervoll schwanger werden, was viele meiner Patienten bestätigen können. Insgesamt ist eben eine gute Einstellung sehr wichtig. 

Der andere Punkt ist die Entzündungslage. Hashimoto macht eine chronische Entzündung und eine chronische Entzündung macht Leptinprobleme. Leptinprobleme machen Infertilität. Und das ist was, wo man ganz stark einfach auch mit rangehen muss und wo man ganz viel mit erreichen kann, um tatsächlich dann auch schwanger werden zu können. Unsere Erfolgsquote ist ganz. Ganz ganz wichtig ist, es ist nicht so, dass man mit Hashimoto nicht schwanger werden kann. Also es gibt immer mal wieder Patienten, denen irgendein Arzt übermotiviert erzählt hat, sie könnten nicht schwanger werden, das ist Gott sei Dank Quatsch. 

Da gibt es viele Möglichkeiten. Wichtig finde ich auch, dass ihr bei unerfülltem Kinderwunsch euren Partner untersuchen lasst. Also das ist nur mal so ein bisschen ausgeholt. Oft nehmen Frauen viel zu sehr alles auf sich und halten sich selbst für schuldig und viel zu spät werden oft die Männer untersucht.

B: Kann sein, dass die Schwimmer nicht aktiv genug sind.

S: Genau, und das ist häufiger der Grund. Deswegen, also dass nur noch auch mal so weitergefasst, dass das auf jeden Fall auch frühzeitig passieren sollte, bevor man irgendwelche Hormone schluckt.

Spielt HPU eine Rolle und was ist HPU?

S: HPU ist die sogenannte Hämopyrrollaktamurie, das ist eine Stoffwechselstörung im Häm, das sind die eisenbindenden Anteile im Hämoglobin, also im roten Blutfarbstoff. Nicht richtig abgebaut wird durch diese Abbaustörung wird vermehrt Zink, B6 und Mangan verbraucht und das wiederum führt dann zu diversen anderen Problemen. 

Spielt das eine große Rolle? Offensichtlich, ich würde sagen ungefähr 85% – 90% meiner Patienten haben HPU, also offensichtlich gibt es eine große Connection zwischen Hashimoto und HPU. Ich persönlich glaube, das ist meine ganz persönliche Meinung, Entschuldigung für alle HPU Patienten die jetzt zuhören und das anders sehen, bitte steinigt mich nicht. Ich persönlich bin der Meinung, dass die Hashimoto das Huhn ist und dass die HPU das Ei ist. Also dass die Hashimoto zuerst kommt und dass dann darauf sich ein Hämopyrrollaktamurie entwickelt. Also dass es in den allermeisten Fällen erworbene Hämopyrrollaktamurien sind. 

Es gibt aber auch viele, die der Meinung sind, es wäre andersrum. Ich denke, dafür gibt es keinen Beweis. Behandelt werden sollte es auf jeden Fall und auch da ist wieder so ein Punkt, wenn man weiß, man hat es, dann muss man eben immer schauen, dass man mit diesen Mikronährstoffen irgendwie zurande kommt und sich da auch klarmachen, dass man nicht einfach nichts mehr nehmen kann. Das rächt sich.

B: Ok, Ihr habt uns ganz ganz viele Fragen gestellt, wir haben es nicht geschafft alle zu beantworten. Aber das wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Hier im Blog findest du ganz viele Informationen. Es wird eine Videoreihe zum Thema Hashimoto kommen, du findest da auch unsere Webinare zu Reisen mit Autoimmunerkrankungen, zu Ernährung mit Autoimmunerkrankungen, zu Detox und wenn Du auf Kurse und Coaching klickst findest du noch unsere Kurse oder du gehst direkt auf  Kurse & Coaching.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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