Hashimoto-Thyreoiditis: Ursachen – ein kurzer Überblick

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Teil 1 des Themen-Monats "Hashimoto"

Generell muss man feststellen, dass Autoimmunerkrankungen extrem stark zunehmen. Waren früher Infektionskrankheiten die häufigsten Krankheiten in der Bevölkerung, so sind es inzwischen tatsächlich Autoimmunerkrankungen: Es ist ein bisschen so die Epidemie unserer Zeit. Die Prävalenz – vor allen Dingen auch bei Menschen im höheren und mittleren Alter – hat seit den 70er Jahren extrem stark zugenommen, auf fast 70 Prozent. 

Das heißt, immer mehr Menschen erkranken an Autoimmunerkrankungen – und es sind deutlich mehr Frauen als Männer. Bei Frauen zu Männern ist das Verhältnis irgendwo zwischen 7 und 10:1 – was bereits erste Anhaltspunkte für die Ursachen liefern kann.

Aktionsmonat: Hashimoto-Thyreoiditis

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Faktoren und Stressoren

Als ersten Faktor haben wir die natürlich die Genetik. 20 bis 30 Prozent dessen, was so passiert, wird beeinflusst durch die Genetik. Wir können durch unser Verhalten und damit, was wir tun, mit dafür sorgen, ob die entsprechenden Anteile in unserer Genetik angeknipst werden oder nicht: Wenn es in der Familie zum Beispiel viele Fälle von Hashimoto-Thyreoiditis gibt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst auch daran erkrankt, deutlich erhöht. Hier kann es sich lohnen, bereits präventiv bestimmte Maßnahmen und Lebensweisen in das eigene Leben zu integrieren, um das Ausbruchsrisiko vielleicht ein wenig zu senken.

Das Fass zum Überlaufen bringen: Stressoren

Es gibt aber sehr viele weitere Faktoren, und vor allen Dingen auch Stressoren, die eine Rolle spielen können. Gerne erkläre ich das am Beispiel eines Fasses mit verschiedenen Branchen – also diese einzelnen Bretter am Fass. Von jeder einzelnen Branche aus wird immer wieder etwas in das Fass gefüllt: Das kann psychischer Stress sein. Das kann körperlicher Stress sein. Das können Infektionskrankheiten sein – sowohl bakteriell als auch viral, sowohl chronische als auch akute. Das können chronische T-Zell-Aktivierungen sein – zum Beispiel durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Toxine in der Umwelt.

Das Fass wird also immer weiter gefüllt. Und irgendwann ist es voll… Tja, und dann läuft es über – die Autoimmunkrankheit kommt nun wirklich zum Tragen. Der letztliche Auslöser, also der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, kann dann wiederum ganz klein sein, wie z.B. eine akute Influenza, wenn man ohnehin schon angeschlagen ist. Für den Körper reicht es aber aus: das Fass ist einfach „übervoll“.

”Es hört sich an, als könnte es alles sein…”

Ich denke, ihr seht schon: Wenn man zunächst davorsteht und dann anfängt, sich mit dieser Fragestellung zu beschäftigen, dann kommt man sehr schnell zu diesem Gedanken: ”Es hört sich an, als könnte es alles sein…” Und ja, diesem muss ich tatsächlich zustimmen: es könnte sehr, sehr viel sein. Trotzdem lohnt es sich, dieser Frage auf den Grund zu gehen und für sich selbst herauszufinden: Was sind meine Ursachen? Hilfreich kann es bei dieser Suche sein, Zettel und Stift in die Hand zu nehmen und einmal zu überlegen, was in meinem Leben kam wann zum Ausbruch? Was in meinem Leben stellen starke Stressoren dar und was könnte zusätzlich für mich eine Rolle spielen?

Wer eben sehr viel mit gastrointestinalen Beschwerden zu tun hat, bei dem ist es relativ sicher, dass diese Beschwerden auch mit der Autoimmunerkrankung verbunden sind. Wenn ich das Gefühl habe, verschiedene Nahrungsmittel nicht zu vertragen und vor allen Dingen auch, wenn sehr, sehr starke Probleme mit der Gewichtskontrolle existieren, dann ist es relativ wahrscheinlich, dass es Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt und dass diese eine Rolle spielen.

Oder wer zum Beispiel Friseurin ist oder einen anderen Beruf ausübt, bei dem man häufig Giftstoffen ausgesetzt ist, bei dem kann es eben sehr gut sein, dass Giftstoffe und Toxine eine sehr große Rolle spielen – natürlich kann dieser Rückschluss auch zutreffen, wenn man in anderen Zusammenhängen größeren Umweltbelastungen ausgesetzt ist: z.B. Schimmel in der Wohnung, Belastung durch Amalgam etc.

Aber auch psychische Faktoren dürfen nicht vernachlässigt werden: Wenn ich zum Beispiel in einer missbrauchenden und für mich schlechten Beziehung lebe, dann spielen diese Art der Stressoren für mich und meinen Körper eine sehr Rolle. Und es wird sich auch in der Regel keine Besserung einstellen, wenn ich an der grundsätzlichen Situation nichts ändere.

Die Menge der möglichen Ursachen ist tatsächlich sehr, sehr groß. Doch es bleibt dabei, dass es sich lohnt, sich hier Gedanken zu machen und anzusetzen.

Der Darm: Leaky gut

Ein wirklich sehr wichtiger weiterer Faktor ist der Darm und in diesem Zusammenhang muss als erstes das sogenannte Leaky-Gut-Syndrom genannt werden. Leaky gut ist eine Darm-Permeabilitätsstörung, bei der die eine Schicht am Darmepithel, die wir haben, in ihrer Zellintegrität auseinander weicht, sodass sogenannte Löcher im Darm entstehen. Diese sorgen dafür, dass Stoffe in den Körper eindringen können, die da eigentlich nichts zu suchen haben. 

Das Syndrom kommt bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen wirklich signifikant häufiger vor als bei anderen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Häufig gibt es Probleme mit den verschiedenen Immunglobulinen, die verschiedene Abwehrprozesse in unserem Körper steuern, unter anderem auch die Abwehr über die Schleimhäute. Das ist das sekretorische IgA – das Immunglobulin A. 

Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung ist überdurchschnittlich oft eben diese Produktion des Immunglobulins A eingeschränkt, das sekretorische IgA ist oft erniedrigt. Diese wiederum spielt dann eine entscheidende Rolle, warum es häufiger zu einer Störung im Mikrobiom kommt, also zu sogenannten Dysbiosen des Darms.

Hormonelle Dysbalancen

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor – und da sind wir bei den eingangs schon erwähnten Unterschieden bei Mann und Frau – stellen hormonelle Dysbalancen dar. Es gibt verschiedene Auslöser für solche Dysbalancen, doch ganz allgemein am häufigsten sind diese:

  1. Wie es aussieht, spielen die Metaboliten, die aus Östrogenen gebildet werden, eine große Rolle. Zur kurzen Erklärung: Im Abbau – der sogenannten Entgiftung von Östrogen in der Leber – entstehen Metaboliten, die toxisch sein können. Diese eben sogenannten „toxischen Metaboliten“ feuern höchstwahrscheinlich die Entwicklung von Autoimmunerkrankungen an – zumindest, wenn sie nicht ausreichend schnell abgebaut werden. Und da bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen ganz oft genetische Störungen vorliegen, die den Abbau von Giftstoffen (beziehungsweise auch von körpereigenen Hormonen und körpereigenen Stoffen) verlangsamen oder sogar gar nicht funktionieren, fallen dann mehr von diesen Metaboliten an. Ein Teufelskreis.
  2. Ein anderer, sehr häufiger Auslöser ist in unserer Umwelt zu finden: Wir leben in einer Welt mit einer sehr hohen Giftstoffbelastung. Bestimmte Belastungen oder Kombinationen aus Belastungen können auch in den Hormonhaushalt eingreifen und zu Dysbalancen führen – und schlimmstenfalls zusätzlich die die Zahl der toxischen Metaboliten beeinflussen.
  3. Starke hormonelle Schwankungen im Laufe des Zyklus und im Laufe des Lebens können ebenfalls einen großen Anteil am autoimmunen Geschehen haben: Jemand, der mit sehr starken Zyklusschwankungen und Beeinträchtigungen während des Zyklusses zu tun hat, trägt ein höheres Risiko. Und natürlich auch die Ereignisse im Leben, die einen sehr großen Einfluss auf den Hormonhaushalt haben: Schwangerschaft, Stillzeit, Wechseljahre etc. Daher kommt es häufig zu dem Ausbruch der Autoimmunerkrankung nach einer Schwangerschaft oder auch in der Stillzeit etc. Gerade dieser letzte Aspekt wird häufig dafür verantwortlich gemacht, dass so viel mehr Frauen als Männer von einer Autoimmunerkrankung betroffen sind.
  4. “Wie problematisch sind hormonelle Verhütungsmittel?” Hier greift eigentlich der unter Punkt 1 bereits genannte Vorgang, bei dem die Leber extrem wichtig ist, nämlich beim Abbau von körpereigenen Metaboliten. Viel problematischer sind nun aber die toxischen Metaboliten von langkettigen hormonellen Verbindungen, wie sie in Verhütungsmitteln benutzt werden. Das Östrogen steht normalerweise bei oraler Einnahme nur sehr schlecht zur Verfügung. Um das langfristig stabil zur Verfügung zu stellen, wird eine Ethylgruppe angehängt. Wir bekommen also Ethinylestradiol, was in der Pille verwendet wird. Und Ethinylestradiol wird sehr, sehr viel langsamer abgebaut als normales Östrogen. Während die Leber also noch krass mit diesen künstlichen Hormonen beschäftigt ist und sich deswegen nicht mit den körpereigenen Hormonen beschäftigen kann, entstehen im Körper vermehrt toxische Metaboliten, die problematisch sind. Und da wir gerade dabei sind und mir dieses Thema wirklich am Herzen liegt: Ich würde bei Hashimoto-Thyreoiditis von der Pille grundsätzlich absolut abraten. Das ist eine der wenigen Sachen, wo ich auch ganz, ganz streng bin. Ich würde jeden raten, der die Pille nimmt, sich über Alternativen zu informieren – und damit meine ich eben auch anderweitig nicht hormonell zu verhüten. Es wird nämlich auch nicht besser dadurch, dass man irgendein anderes hormonelles Verhütungsmittel nimmt – wie die Minipille zum Beispiel. Das Levonorgestrel in der Minipille ist eines der katastrophalsten Gestagene, die man nehmen kann. Und auch wenn Gestagene und Progesteron oft miteinander gleichgesetzt werden, so muss ich ganz eindeutig sagen, dass das falsch ist: Gestagene in der Pille und Progesteron sind völlig unterschiedliche Substanzen. Sie docken zwar an den gleichen Rezeptoren an, sind aber chemisch völlig unterschiedlich. Und deswegen ist es ganz, ganz wichtig, sich das klarzumachen. Das ist kein Progesteron. Wenn ich die Pille nehme, habe ich überhaupt kein Progesteron mehr! Was absolut fatal ist, denn Progesteron ist ein Schilddrüsen-Sensitizer. Es ist das mächtigste antientzündliche Hormon, das wir als Frauen zur Verfügung haben! Und nimmt man die Pille, dann ist es eben einfach weg. (Das sagt einem sonst nur niemand so deutlich).

Parasiten

Auch Parasiten spielen eine große Rolle. Menschen mit Autoimmunerkrankungen haben viermal so häufig Parasiten wie andere. Es ist allerdings nicht immer ganz klar, was hier was bedingt. Es kann aber sein, dass eine erhöhte Parasitenbelastung einfach auch ein dauerhafter Stressor für den Körper sein kann, der das Fass irgendwann zum Überlaufen bringt. Daher überprüfe ich diesen Aspekt bei meinem Patienten eigentlich immer.

Leukozyten

Ebenfalls wichtig sind oft noch die Leukozyten. Sind diese nämlich stets niedrig, so bedeutet das, dass die zelluläre Abwehr des Immunsystems gestört ist und dass es eben Schwierigkeiten in der Kontrolle der Immunfaktoren gibt. Das ist tatsächlich häufig eine zusätzliche Ursache, warum sich Autoimmunerkrankungen entwickeln können. Aber auch ständig erhöhte Leukozyten können ein Auslöser, bzw. ein Indiz auf einen Auslöser sein. Dieses weist nämlich darauf hin, dass es einen chronischen Entzündungsprozess irgendwo im Körper gibt. 

Also wirklich irgendwo irgendeinen… Das kann ein Abszess sein. Das kann eine bakterielle (seltener eine virale) Infektion sein, aber auch außergewöhnlichere Dinge wie zum Beispiel dass bei sehr starkem Übergewicht es zu Nekrose-Prozessen im Fettgewebe kommt. Alle diese Vorgänge (und noch viel mehr) können dazu führen, dass die Leukozyten dauerhaft zu hoch sind. Und jede chronische Entzündung ist wieder ein Trigger fürs Immunsystem und verschlechtert eine Autoimmunerkrankung oder ist der Auslöser für eine solche.

Epstein-Barr-Virus (EBV)

Nun möchte ich noch ein wenig auf die virale Seite eingehen, da das gerade ein ganz, ganz großes Thema durch Anthony Williams ist. Anthony Williams ist ein Medium aus den USA, der angeblich durch irgendwelche göttlichen Instanzen irgendwelche medizinischen Sachen eingegeben bekommen hat. Naja. Auf jeden Fall behauptet er, dass sehr, sehr häufig eine EBV-Infektion (Epstein-Barr-Virus) dahintersteht. Und tatsächlich, dem ist auch oft so. Nicht immer, aber oft. 

Die Frage ist nun aber, warum ist das die Ursache, warum wird die Schilddrüse zerstört? Warum gerade die Schilddrüse? Ganz einig ist man sich da noch nicht. Am Vielversprechendsten ist der Mimikry-Ansatz: Bei dieser These geht man davon aus, dass sich bestimmte Stoffe für den Körper sehr ähneln – auch irgendetwas an den EB-Viren und der Schilddrüse könnte für die körpereigene Abwehr sehr ähnlich sein und aus diesem Grund wird die Schilddrüse mit angegriffen. 

Dieser Mimikry-Effekt greift übrigens auch rund um Gluten: Gluten ähnelt in der Struktur der Schilddrüse. Wenn der Körper nun also Antikörper gegen Gluten ausbildet, dann greifen diese Antikörper nicht nur das Gluten, sondern aufgrund der Ähnlichkeit auch die Schilddrüse an.

Bezüglich EBV gibt es auch noch die These, dass sich die Viren in Zellen des Körpers quasi verstecken. Die körpereigene Abwehr leistet jedoch ganze Arbeit und erkennt die Eindringlinge trotzdem. Nur wird dann die körpereigene Zelle mit den Viren darin angegriffen und zerstört. Und wenn das in der Schilddrüse ist, dann wird eben auch die Schilddrüse angegriffen… Meist wird dieser Prozess dann chronisch und kann ganz fatale Auswirkungen haben.

Schmerzmittel

Bereits kurz angesprochen hatte ich ja bereits die Belastung mit Stoffen aus der Umwelt und Umweltgiften. Was vielen nicht bewusst ist, ist, dass auch Schmerzmittel eine Ursache sein können. Aspirin, Ibuprofen und alle weiteren NSAR (also sogenannte „nichtsteroidale Antirheumatika“), machen den Darm undicht – und zwar in ganz, ganz starker Art und Weise. Und wie bereits erklärt: Ein undichter Darm lässt Fremdproteine herein. 

Fremdproteine in unserem Körper triggern das Immunsystem an. Das kann sowohl Schübe auslösen als auch überhaupt eine Ursache für Autoimmunerkrankungen sein. Häufig sieht man das bei Migränepatienten, die nach einer jahrelangen Schmerzmittel-Karriere dann Autoimmunerkrankungen entwickeln. Daher mein Rat: Nach Möglichkeit sollte auf eine Einnahme verzichtet werden, erst recht auf eine dauerhafte.

Hashimoto und Brustkrebs

Natürlich kann es auch immer wieder Verbindungen von Hashimoto zu anderen Erkrankungen geben. Hier lässt sich nicht immer ganz genau abgrenzen, was denn nun Ursache und was Auswirkung ist. Sehr häufig werde ich aber gefragt, ob und wenn ja wie Hashimoto und Brustkrebs zusammenhängen. Ja, ich kann auf jeden Fall sagen, dass es da Verbindungen gibt. Allerdings nicht, wie oft vermutet wird, zwischen L-Thyroxin und Brustkrebs, wie es eine Studie mal in den Raum gestellt hat, was dann von den Medien direkt aufgegriffen und hochgepusht worden ist, zu: “L-Thyroxin verursacht Brustkrebs!”. 

Das ist aber Quatsch, es hat nichts miteinander zu tun. Das, was dabei der wesentliche Zusammenhang ist, ist die Hashimoto-Thyreoiditis an sich. Das liegt einfach daran, dass eben ganz, ganz häufig eine der Ursachen für Hashimoto ist, dass die Leber nicht richtig funktioniert. Verstärkt wird dieses dann noch dadurch, dass bestimmte genetische Veränderungen dazu führen, dass zusätzliche Entgiftungsstörungen auftreten, was wiederum dazu führt, dass diese Menschen häufiger eine Autoimmunerkrankung entwickeln. Durch die höhere Anzahl an Entgiftungsstörungen und der Beeinträchtigung der Leber fallen dann wieder noch mehr toxische Metaboliten an. Und diese toxischen Metaboliten stellen auch einen ganz, ganz großen Risikofaktor für Brustkrebs dar.

Hinzu kommt, dass viele Menschen an sich schon, aber besonders Hashimoto-Patienten aufgrund der irrigen Annahme, dass Jod bei diesem Krankheitsbild nicht gut sei, einen starken Jodmangel haben. Es gibt neuere Studien, die nun aber einen Zusammenhang zwischen Jodmangel und Brustkrebs belegen… Und da, wie schon gesagt, viele Ärzte Hashimoto-Patienten immer noch empfehlen, Jod zu meiden wie der Teufel das Weihwasser, steigt in diesem Zusammenhang auch das Risiko einer Brustkrebserkrankung. Doch Jod ist noch einmal ein ganz eigenes, kontroverses Thema, zu dem ich noch einmal gesondert etwas machen werde.

Hashimoto und atopische Erkrankungen

Es gibt ebenfalls Zusammenhänge zwischen Hashimoto-Thyreoiditis und atopischen Erkrankungen. So tritt zum Beispiel eine Chronische Urtikaria bei Hashimoto-Thyreoiditis deutlich häufiger auf, weil es oft eben auch Störungen im Histamin- und IgE-Stoffwechsel gibt. Und das liegt mit daran, weil es ebenfalls ein chronisch entzündlicher Prozess ist. 

Wenn ich eine atopische Erkrankung habe wie Asthma, Heuschnupfen, atopische Dermatitis – also Neurodermitis – oder eben auch so etwas wie Urtikaria, dann ist mein Körper einem ständigen Entzündungsprozess quasi ausgesetzt – der ständigen Reizung des Immunsystems. Und das führt deutlich häufiger auch dazu, dass durch diese starke Reizung dann eine Autoimmunerkrankung entsteht. Aber es kommt auch andersherum vor, dass sich zu einer bereits bestehenden Erkrankung weitere Erkrankungen gesellen.

Damit habe ich im Prinzip die wichtigsten Sachen grob zusammengefasst. Und ich rate jedem wirklich dazu, sich damit auseinanderzusetzen und vielleicht auch mal seine Lebenslinie aufzuzeichnen und zu überlegen: Wann wurde meine Gesundheit beeinträchtigt? Also wann habe ich das Gefühl, wenn ich retrospektiv darüber nachdenke, dass es vielleicht schon losging? Zum Beispiel langwierigere Magen-Darm-Geschichten gehen oft der eigentlichen Erkrankung schon Jahre voraus oder Erkältungskrankheiten von denen man sich – rückblickend – nie so richtig erholt hat etc. Auch der Verlust der medialen Augenbrauen geht dem Ausbruch einer Autoimmunerkrankung häufig voraus.

Warum entzündet sich die Schilddrüse?

Zum Abschluss möchte ich mich noch kurz mit der Frage beschäftigen: “Warum entzündet sich die Schilddrüse?” Das ist im Prinzip dieser gesamte Prozess des Körpers. Aber warum gerade die Schilddrüse? Das ist wahrscheinlich so ein bisschen eine genetische Veranlagung. Und wenn es da sowieso schon eine leichte Schädigung gibt, dann setzt der Körper da vermutlich einfach „weiter an“.

Es gibt ja einen Behandlungsansatz, bei dem die Schilddrüse einfach entfernt wird. Nur, sucht sich der autoimmune Prozess dann in der Regel etwas Anderes. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die meisten Menschen, die eine Entfernung der Schilddrüse hatten, dann etwas Anderes entwickeln, zum Beispiel einen Lichen planus oder im schlimmsten Fall eine Autoimmunerkrankung, die dann wesentlich schlechter zu behandeln ist. Meiner Meinung nach ist es daher in der Regel nicht ratsam, wenn man das Organ als einziges nimmt, ohne sich um Ursachen und Auslöser zu kümmern.

Eine Autoimmunerkrankung ist immer eine systemische Erkrankung – also eine Erkrankung des ganzen Körpers. Hier spielt dann auch die Frage, warum es immer wieder zu Schüben kommt, eine Rolle. Und dann sind wir wieder ganz schnell bei den einzelnen Ursachen, die es individuell zu bestimmen gilt.

Natürlich verläuft nicht jede Hashimoto-Thyreoiditis schubweise – das ist wichtig zu wissen: Es gibt progressive Verläufe, wo es einfach nach und nach schlechter wird und es nie zu Schüben kommt. Aber es gibt eben auch die schubartigen Erkrankungen. Es ist einfach sehr unterschiedlich und variiert von Person zu Person.  Manchmal wechselt es sogar erst im Krankheitsverlauf, so dass es erst über die Zeit einen progressiven Verlauf nimmt und dann schubartig wird. Oder andersherum: erst schubartig und dann progressiv. 

Warum sich das ändern kann? Weil wir ständig irgendwelchen Faktoren und äußeren Einflüssen ausgesetzt sind, die dann Schübe verursachen können, wie zum Beispiel ein viraler Infekt. Oder ich habe den Lippenstift gewechselt und da ist jetzt zufällig unglücklicherweise Arsen drin, mit dem meine Leber nicht zurechtkommt, wodurch vermehrt toxische Metaboliten anfallen. Im Gegenzug können, wenn man sich mit den Ursachen beschäftigt hat und die Auslöser kennt, diese eben vermieden werden. Wodurch dann auch die akuten Schübe ausbleiben…

Immunmodulatoren: TH1- und TH2-Dominanz

Wichtig ist häufig auch noch zu klären, ob eine TH1- oder eine TH2-Dominanz bei Hashimoto vorliegt, denn dieses kann ebenfalle einen Rückschluss auf mögliche Immunmodulatoren gewähren. So habe ich immer mal Patienten, die, weil sie eine Erkältung bekämpfen wollen, Echinacea nehmen. Aber es gibt auch Patienten, die verwenden nur eine Zahnpasta, in der Immunmodulatoren drin sind. Worauf ich hinaus möchte: Echinacea zum Beispiel ist ein Immunmodulator des TH2-Systems. Hashimoto-Thyreoiditis ist in 80 Prozent der Fälle aber TH1-dominant. 

Das heißt, dass das zelluläre System nicht funktioniert. In diesem Fall ist es dann aber sehr ungünstig, einen TH2-Stimulator wie zum Beispiel Echinacea zu nehmen, denn das kann tatsächlich einen Schub auslösen. Mehr zum Thema Schübe gibt es bereits hier im Blog, wenn du darunter ebenfalls leidest, würde ich dir diesen Artikel auch wirklich ans Herz legen. Wichtig bleibt aber, dass wenn du mit Schüben Probleme hast, solltest du dir auch immer anschauen und überlegen: Was hat das ausgelöst? Was könnte das jetzt gewesen sein? Was kann ich ändern, damit das nicht wieder passiert?

Wie sieht nun eine Lösung aus?

Die nächste logische Frage ist nun natürlich: “Was ist die beste Lösung? Und wie sollte eine Behandlung aussehen?“ Darum wird es dann in meinem nächsten Blogbeitrag gehen. Da werde ich einmal beleuchten, welche verschiedensten Ansätzen es da gibt.

Aber, und das ist schon einmal ganz wichtig: Es gibt nicht die eine Lösung! Es ist immer hochgradig individuell und es erfordert eine ganz große Eigeninitiative, um wirklich da behandlungstechnisch mit rangehen zu können. Es nutzt nichts, wenn man einem Guru folgt, der sagt: “Mach es so und so.” Nur weil das vielleicht für ihn funktioniert hat, muss das noch lange nicht heißen, dass das für dich funktioniert. Und das finde ich ganz, ganz wichtig, sich das immer klarzumachen. Wir Menschen neigen dazu, dass wir uns gerne in etwas hineinbegeben wollen. Dass wir gerne so eine Art Guru haben möchten, der uns sagt: “Mach!”

So ist es bei mir

Was für mich funktioniert? Ich verfüge über eine starke Gluten-Sensitivität – wahrscheinlich eine unerkannte Zöliakie. Gluten spielt für mich daher eine wahnsinnig große Rolle – und dazu noch andere Ernährungsfaktoren. So ist z.B. zusätzlich eine Kreuzallergien auf Hülsenfrüchte bei mir sehr, sehr stark ausgeprägt. Wichtig ist: Das muss nicht heißen, dass das für dich da draußen die ebenfalls so ist. Für mich war es aber eine der ganz wesentlichen Hauptursachen, die ich im Laufe der Zeit als Auslöser identifizieren konnte. 

Für dich kann es sein, dass es Arsen oder Quecksilber ist oder dass es eben deshalb so ist, weil dein Partner immer gemein zu dir ist. Solange diese Aspekte nicht eliminiert werden, wird eben auch keine Verbesserung eintreten können. Daher finde ich es ganz, ganz wichtig, dass man sich immer fragt: Was ist für mich relevant? Und nicht: Was ist für Frau Doktor Koch relevant oder für Anthony Williams oder Lauren Cordell oder wie sie sonst noch alle heißen. Fang bei dir selbst an!

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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