Abnehmen mit Hashimoto – Milchprodukte zum Abnehmen

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Dieser Beitrag stammt aus dem Kurs „Abnehmen mit Hashimoto“. Mehr über den Kurs erfährst du hier. Dort erfährst du auch, wie Simone es geschafft hat, mit diesem 12 Wochen Programm insgesamt 27 kg abzunehmen. Immer wieder erreichen mich rund ums Abnehmen Fragen zur Rolle von Milchprodukten. Im heutigen Artikel werde ich einige dieser Fragen für euch beantworten:

  • Warum gibt es in unserem Programm in der ersten Zeit überhaupt keine Milchprodukte?
  • Und warum könnte es genau für dich gut sein, die Milchprodukte auch ab dem Zeitpunkt, ab dem sie eigentlich wieder erlaubt sind, weiterhin wegzulassen?
  • Was sind die Probleme, die im Zusammenhang mit Milchprodukten auftreten können?

Warum gibt es in unserem Programm in der ersten Zeit überhaupt keine Milchprodukte?

Das Casein, welches in der Milch enthalten ist, ähnelt in seiner Struktur relativ stark dem Gluten. Ungefähr bei der Hälfte aller Hashimoto-Patienten reagiert das Immunsystem auf Casein, was immer wieder zum sogenannten „Hochtriggern“ der Erkrankung führt und somit hochgradig problematisch ist.

Für die andere Hälfte der Hashimoto-Patienten ist dies nicht der Fall, sodass Milchprodukte für sie durchaus tolle Nahrungsmittel sein können. Zugegebenermaßen sind Milchprodukte ja auch einfach lecker und können sehr praktisch sein. Nimmt man zum Beispiel eine große Portion Quark und fügt ein bisschen Eiweißpulver und Früchte hinzu, hat man schnell eine sehr proteinreiche, gesunde, kalorienarme Mahlzeit, die trotzdem satt macht und die sich gut transportieren lässt.

Ich persönlich gehöre zur zweiten Hälfte derer, die Milchprodukte zu sich nehmen können und möchte beispielsweise Käse auch nicht missen. Jedoch habe ich mit Milchprodukten ein anderes relevantes Problem, welches ich gleich noch etwas näher beleuchte. Auf Grund der vielfältigen Probleme, die Milchprodukte auslösen können, nehmen wir sie aus unserem Abnehmprogramm am Anfang vollständig raus.

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Und warum könnte es genau für dich gut sein, die Milchprodukte auch weiterhin wegzulassen?

Natürlich werden Milchprodukte im Programm nach einer gewissen Zeit wiedereingeführt. Treten bei dir persönlich nach der Wiedereinführung der Milchprodukte jedoch unter anderem Probleme wie:

  • Müdigkeit
  • starke Erschöpfung
  • Hautveränderung, wie Pickel oder Akne
  • Stimmungsschwankungen
  • Magen-Darm-Probleme
  • Kopfschmerzen und/ oder sogenannter „Brainfog“ mit Denkstörungen

…auf, dann kann ich dir nur raten: Iss‘ die Milchprodukte auch weiterhin nicht! Dann ist es angeraten, die Milchprodukte sofort wieder aus der Ernährung herauszunehmen und bei dem Schema „ohne Milchprodukte“ zu bleiben. Natürlich kannst du an dieser Stelle im Programm Getreide, Hafer und Reis wieder hinzunehmen, aber die Milchprodukte lässt du, wie gesagt, ganz einfach außen vor.

Bei einigen Betroffenen können sich durch die Milchprodukte ebenso Casomorphine bilden. Das sind Stoffe, die mehr oder weniger „high“ machen. Oft zeigen sich deren Wirkung bei Menschen, die ganz verrückt nach Milchprodukten sind. Jenen Menschen gibt es einfach ein gutes Gefühl, Milchprodukte zu essen. Essen sie diese Milchprodukte nicht mehr, kann das wirklich zu einer Art Entzugserscheinungführen, die sich wie folgt äußert:

  • Krasses Unwohlsein
  • Grippegefühl (evtl. mit Gliederschmerzen)
  • Ein wenig erhöhte Temperatur und/ oder Hitzegefühl

Wenn du in der AIP-Phase vermeintliche Entzugserscheinungen verspürst, bist du ein Kandidat für die Casomorphine-Problematik. Das bedeutet, du reagierst quasi mit einer Sucht auf Milchprodukte und machst beim Weglassen jener Produkte tatsächlich einen Entzug durch. Dann ist es ganz wichtig, dass du durchhältst: Bleibe dran und lass dich nicht beirren! Dieser Entzug hält maximal drei Tage an – bei den meisten halten Entzugserscheinungen sogar nur 24 Stunden an, bevor sie besser werden. 

Auf jeden Fall hast du nach einer gewissen Zeit ohne Milchprodukte den Entzug geschafft, sodass dein Körper Heilung finden kann. Hattest du am Anfang jedoch solch krasse Symptome, solltest du mit der Wiedereinführung besonders vorsichtig sein und gucken, ob man Milchprodukte doch nicht auch dauerhaft weglassen könnte, weil sie wahrscheinlich nicht besonders gut für dich sind.

Gehörst du – so wie ich – zu denen, die immunologisch überhaupt kein Problem mit Milchprodukten haben, kann es trotzdem sein, dass diese Produkte bei dir zu einem massiven Anstieg des Insulins führen. Das liegt daran, dass Milchprodukte paradox-insulinotrop sind. Wenn ich eine große Portion Quark esse, hat diese Portion Quark relativ wenig Kohlenhydrate. Esse ich beispielsweise einen Gouda, schüttet mein Körper Insulin aus, obwohl der Gouda gar keine Kohlenhydrate hat. Warum das so ist, wurde noch nicht erschöpfend erforscht. Aus diesem Grund weiß man bis heute noch nicht, welche Komponenten in der Milch jenen Effekt verursachen.

Natürlich passiert die Insulinausschüttung bei jeglicher Art von Milchprodukten – egal, ob Molke, Käse oder Vollmilch. Dann kommt es darauf an, wie empfindlich man ist. Einige Menschen stecken das locker weg, da deren Körper dementsprechend regulierend entgegenwirken. Es gibt aber auch empfindliche Menschen, bei denen sich in Folge des ausgeschütteten Insulins eine Art Unterzuckerung entwickelt. Der Körper reagiert auf den sinkenden Blutzuckerspiegel mit Cortisol, Adrenalin, Noradrenalin. Dem begegnet der Körper mit einem Hungergefühl. Da der Blutzuckerspiegel sinkt, signalisiert der Körper „Hunger! Ich verhungere!“.  – Ich persönlich habe einfach gemerkt, dass das in meinem ersten Durchlauf gar nicht ging. 

Wenn ich zum Abendbrot etwas Feta-Käse mit meiner Mahlzeit aß, hatte ich danach buchstäblich das Gefühl zu verhungern. Es war katastrophal: Ich bin nur rumgerannt, war sehr aggressiv und hätte jemanden beißen können, weil ich so hungrig war. So zirka 1 bis 1,5 h nach dem Konsum von Milchprodukten hatte ich massiven Hunger. Das hat dazu geführt, dass ich Milchprodukte dann für den Rest der Diät weggelassen habe, weil ich eben so sehr darauf reagiert habe und sie mir das überhaupt nicht wert waren.

Mittlerweile ist es so, dass ich Milchprodukte eigentlich ganz gut essen kann. Offensichtlich kommt mein Körper inzwischen mit dieser Zuckerregulation wieder viel besser klar. Das kann durchaus mit dem Gewichtsverlust zusammenhängen, denn generell gilt, dass je schlanker man ist (gemessen am Normalbereich), desto besser fallen beschrieben hormonelle Dysbalance weg und desto besser kann man etwa solche tolerieren und entsprechend normal sowie gesund entgegensteuern. – Das ist doch eine gute Nachricht! Denn es kann auch für dich so sein. Falls du zu Beginn der Wiedereinführung der Milchprodukte ganz stark Hunger bekommst, kann es sein, dass du irgendwann, wenn du mit dem Programm durch bist und hoffentlich wirklich Normalgewicht erreicht hast, auch wieder relativ ungestraft Milchprodukte essen kannst und sie kein großes Problem mehr für dich darstellen.

Wenn du also merkst, dass Milchprodukte – oder andere Dinge (wie zum Beispiel Reis, Hafer, theoretisch auch Eier) in der Diät bzw. bei einer Wiedereinführung – dir Hunger machen, dann lasse sie weg. Stellst du bei irgendetwas fest: „Wenn ich das esse, dann kann ich die Diät wesentlich schlechter einhalten.“, solltest du diese Produkte meiden.

Was sind die Probleme, die im Zusammenhang mit Milchprodukten auftreten können?

Wie bereits angemerkt können Probleme, die durch die Ernährung mit Milchprodukten hervorgerufen werden, vielfältig sein. Hier haben wir noch einmal die prominentesten Probleme im Zusammenhang mit Milchprodukten für die zusammengefasst:

  • Casein als Trigger der Erkrankung
  • Ausbildung von Casomorphinen, die in milchproduktfreien Phasen Entzugserscheinungen hervorrufen können
  • Paradox-insulinotrope Dysregulationen, die starkes Hungergefühl hervorrufen

Mein Fazit:

Milchprodukte können ein Immuntrigger sein. In diesem Fall sollte man sie grundsätzlich immer und für alle Zeit weglassen. Des Weiteren können Milchprodukte durch paradox-insulinotrope Wirkung hormonelle Dysregulationen bedeuten. Das heißt, dass Milchprodukte, obwohl sie keinen Zucker haben, dazu führen, dass Insulin ausgeschüttet wird. – Wenn eines von beidem zutrifft, sollten Milchprodukte weggelassen werden. Falls letzteres zutrifft, kann es sein, dass Milchprodukte später sehr erfolgreich wiedereingeführt werden können.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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