Hashimoto-Thyreoiditis: Behandlung – ein kurzer Überblick

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Teil 2 des Themen-Monats "Hashimoto"

Nach meinem letzten Beitrag im Rahmen des Themen-Monats „Hashimoto“ zum Thema Ursachen (ebenfalls hier im Blog zu finden), folgt nun eine kurze Übersicht, welche sich mit verschiedenen Behandlungsansätzen beschäftigt.

Wie bereits festgestellt, können die Ursachen für Hashimoto-Thyreoiditis sehr unterschiedlich und vielfältig sein. Wenn wir jetzt auf die Behandlung schauen, ist es ganz wichtig zu unterscheiden, was wir an der Erkrankung behandeln möchten. Im Wesentlichen gibt es drei Säulen, die für die Behandlung wichtig und entscheidend sind, die ich nun näher beleuchten werde.

Aktionsmonat: Hashimoto-Thyreoiditis

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Die drei Säulen der Behandlung

Säule 1: Die Schilddrüse

Die erste Säule beschäftigt sich mit der Schilddrüsenleistung als solche. Hashimoto-Thyreoiditis geht mit Schilddrüsenhormon-Dysbalancen einher. In den allermeisten Fällen geht die Hashimoto-Thyreoiditis mit einer Hypothyreose einher – also mit erniedrigten Schilddrüsenhormon-Spiegeln. Es kann aber auch in Akut-Phasen – vor allen Dingen während eines Schubs, aber auch, wenn die Erkrankung frisch ausgebrochen ist – zu Hyperthyreosen führen. 

Es gibt auch Fälle, da wechseln die beiden Phasen miteinander und gerade diese letzte Variante führt dann oft zu Fehldiagnosen oder sogar zu gar keiner Diagnose: Die sehr schwankenden Schilddrüsenhormon-Level sorgen oftmals dafür, dass mal sehr, sehr hohe Hormonspiegel vorliegen und mal sehr, sehr niedrige. Das Fatale daran ist aber, dass das dann in der Gesamtheit zu einem normalen TSH-Wert führen kann und das wiederum führt dann häufig dazu, dass die Erkrankung über einen langen Zeitraum gar nicht erkannt wird. Dieses Phänomen kann sogar im Laufe eines Tages mehrfach auftreten. 

Würde man die Hormone messen, würde man dann ab und zu stark hypothyreote freie Werte und ab und zu stark hyperthyreote freie Werte bekommen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich bei meinen Patienten immer mehr als nur den TSH messe. Bei mir gehört die Überprüfung der freien Werte immer mit dazu.

Die Dysbalancen in den Schilddrüsenhormonen stellen daher die Säule 1 dar. Viele Symptome, die bei Hashimoto-Thyreoiditis vorherrschend sind, sind tatsächlich Symptome, die mit den Schilddrüsenhormon-Dysbalancen in einen direkten Zusammenhang zu bringen sind. Das können zum Beispiel sein: Herzrasen, Depressionen, Panikstörungen, Atemstörungen, Antriebslosigkeit, Haarausfall, starkes Frieren, Frieren der Extremitäten, Kraftlosigkeit, starke Müdigkeit, Erschöpfung.

Säule 2: Das autoimmune Geschehen

Davon ganz stark zu unterscheiden ist die Säule 2: Symptome, die ausgelöst werden durch die Autoimmunerkrankung, also durch die autoimmunen Prozesse im Körper. Zum Teil können diese Symptome tatsächlich auch mit den Symptomen aus der 1. Säule übereinstimmen, so zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, generelle Herz-Geschichten etc. 

Diese Symptome können durch die Dysbalancen der Schilddrüsenhormone, aber auch durch autoimmune Prozesse ausgelöst sein. Ist letzteres der Auslöser, dann richtet sich der autoimmune Prozess zum Beispiel eben zusätzlich auch gegen das Herz oder andere Systeme, die im direkten Einklang mit dem Herzen stehen. So kann dann zum Beispiel direkt das Reizleitungssystem des Herzens angegriffen werden, aber durch den körperlichen Stress, bedingt durch die autoimmune Reaktion, können auch hormonelle Dysbalancen im Stresshormonsystem ausgelöst werden oder durch die insgesamt chronische Entzündungslage im Körper kann das Herz ebenfalls betroffen sein.

Es ist deshalb so wichtig, dieses zu unterscheiden, da diese Art der Symptome eben durch beide Säulen ausgelöst werden können und dementsprechend nur gelindert / verbessert werden können, wenn an der richtigen Säule angesetzt wird: Es kann also vorkommen, dass diese Symptome weiterhin vorherrschen und sogar stark sein können, obwohl die Schilddrüse hervorragend eingestellt ist.

Andersherum kann man aber noch so stark an den autoimmunen Prozessen ansetzen und sich zum Beispiel ganz streng nach dem Autoimmunprotokoll ernähren, um die autoimmunen Prozesse in den Griff zu bekommen; dieses nutzt aber alles nichts, wenn die Symptome durch eine schlechte Schilddrüseneinstellung zustande kommen.

Säule 3: Sekundäre Symptome

Die letzte, ganz wichtige Säule sind Symptome, die sekundär auftreten, da sie durch die anderen beiden Prozesse bedingt werden. Ich mag dieses an zwei Beispielen verdeutlichen.

Beispiel 1: Durch eine Hypothyreose kommt es (bei einer gar nicht so kleinen Menge an Patienten) zu einem stark verlangsamten Stoffwechsel. Was wiederum in der Mehrzahl der Fälle zu einer (zum Teil sehr deutlichen) Gewichtszunahmen führen kann. Dieses Übergewicht, bzw. das vermehrte Fettgewebe, kann dann eigene Symptome verursachen, z.B. starke hormonellen Dysbalancen, Insulinresistenzen (welche dann ebenfalls wieder eigene Symptome wie Brainfog, Müdigkeit, Shutdown des Gehirns, weil das Gehirn mit Insulinresistenzen und Leptinresistenzen zu kämpfen hat und in bestimmten Situationen einfach nicht genügend Zucker erhält, führen kann).

Der gleiche „Teufelskreis“ kann auch durch die autoimmune Reaktion erfolgen: Durch den chronisch-entzündlichen Prozess kann es zu hormonellen Störungen kommen, die zu Gewichtszunahmen führen, die dann wiederum… (sh. oben)

Wichtig ist, dass man versteht, dass diese dritte Säule ursprünglich zwar den Auslöser in den Säulen 1 oder 2 findet, aber in der Gesamtheit dann eigenständig wird. Das heißt oftmals, dass auch wenn man es geschafft hat, die autoimmune Reaktion in den Griff zu bekommen und die Schilddrüse gut eingestellt ist, es trotzdem noch Symptome gibt, die nun aber den Auslöser im starken Übergewicht haben (z.B. Insulinresistenz, hormonelle Dysbalancen)

Beispiel 2: Gleiches gilt oftmals auch für den Darm. Eines der häufigsten autoimmun-getriggerten Symptome sind Magen-Darm- und gastrointestinale Symptome und Entzündungen im tiefen Gewebe (genauer: im lymphozytären Bereich des Darmgewebes). Hierdurch kommt es zu einer stark verminderten Resorption von Mikronährstoffen, so dass es sekundär – also unabhängig von der autoimmunen Reaktion, die hier stattfindet – zu starken Mineralstoffmängeln kommen kann. Diese Mineralstoffmängel verursachen dann wieder eigene Symptome. 

Wenn zum Beispiel der kurze Abschnitt des Darms – und es ist wirklich nur ein ganz, ganz kurzer Abschnitt – der für die Aufnahme von Eisen verantwortlich ist, entzündet ist, dann kann man sekundär einen starken Eisenmangel entwickeln, der zu massive Symptome wie Haarausfall, Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Fatigue und Restless-Leg-Syndrom führen kann. Das sind alles Symptome des Eisenmangels, nicht Symptome der Schilddrüseneinstellung oder des generellen autoimmunen Prozesses. 

Das Vorgehen müsste hier dann so aussehen, dass ich als erstes diesen starken Eisenmangel bekämpfe, dann die autoimmune Reaktion behandele, um den Darm wieder in Gänze oder zumindest halbwegs in Heilung zu bringen – und das alles kann nur funktionieren, wenn dann auch noch die Schilddrüse möglichst gut und optimal eingestellt ist.

Warum ist die Unterscheidung in die drei Säulen so wichtig?

Warum ich drauf so herumhacke? Warum habe ich das nun so intensiv ausgeführt und erklärt? Ganz einfach: es ist extrem wichtig, dass man sich das klarmacht, dass es eben verschiedene Säulen der Behandlung gibt und meine Symptome oftmals durch alle drei Säulen ausgelöst werden. Und nur, wenn ich an alle Säulen herangehe, kann ich wirklich etwas erreichen!

Konventionelle Behandlung = Konzentration auf die Schilddrüse

Und hier kommen wir auch schon zu einem ersten ganz, ganz großen Problem bei der konventionellen Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen: Es wird sich oft massiv und nahezu ausschließlich auf die Schilddrüse selber konzentriert. Gerade Hashimoto-Thyreoiditis, aber auch andere Erkrankungen der Schilddrüse, sind eine Ganzkörper-Erkrankung – eine sogenannte systemische Erkrankung. Im Rückschluss muss daher auch in der Regel das ganze System behandelt werden. 

Einzig eine optimale Schilddrüseneinstellung allein führt häufig nicht zu Wohlbefinden. Natürlich gibt es immer Menschen, die mit der einfachen Gabe von L-Thyroxin beschwerdefrei leben können.  Das ist super! Ich freue mich für jeden, dem es gut geht, und der unter einer guten Schilddrüseneinstellung ein (nahezu) beschwerdefreies Leben führen kann. Das ist perfekt. Wahrscheinlich betrifft das die Menschen, bei denen keine Antikörper mehr vorhanden sind, oder nur ganz wenige; wo die Schilddrüse unter der Behandlung stabil ist und wo sich sonst weiter nichts tut.

Es gibt aber auch eine sehr große Zahl an Menschen, für die gehört es einfach dazu, dass es mal gute und mal schlechte Tage gibt. Bei mir ist das ebenfalls so: an den meisten Tagen geht es mir persönlich extrem gut und tausendmal besser als irgendwie vor drei Jahren oder so. Aber, ich mag euch da auch nicht anlügen: Obwohl ich so viel weiß, obwohl ich mich so stark damit privat und beruflich beschäftige, habe auch ich schlechte Tage, an denen es mir nicht gut geht. Ich bin halt ebenfalls chronisch autoimmunerkrankt. 

Und da gehört es für mich zur Authentizität einfach auch dazu, dass ich mal sagen kann: Heute ist es nicht so gut oder heute ist auch mal Shitti. (Wer mir auf Instagram folgt, weiß, was ich meine). In der Summe denke ich aber, dass euch auch diese Aussagen helfen, denn so seht ihr, dass ihr damit nicht alleine seid und dass es oftmals eben einfach so ist: Ihr könnt noch so viel machen und im Grunde eine gute Verbesserung erzielen, schlechte Tage oder manchmal sogar Schübe, lassen sich damit nicht (immer) vermeiden. Ich hoffe, ich könnt euch damit nun ein bisschen besser abfinden.

Die Sache mit den Antikörpern…

Auch wenn ich gerade die These in den Raum gestellt habe, dass bei den meisten Menschen, denen es überwiegend gut geht, kaum Antikörper vorhanden sind, so lasst euch sagen, dass ihr euch auf diese Parameter nun auch nicht so sehr fixieren sollt. Es gibt ebenfalls immer wieder Menschen, denen es trotz nachgewiesener geringer Antikörperzahl schlecht geht. Die autoimmune Reaktion kann an Antikörpern festgestellt werden, muss aber nicht. 

So gibt es zum Beispiel auch die sogenannte seronegative Hashimoto-Thyreoiditis, bei der überhaupt keine Antikörper nachzuweisen sind und bei der man erst eine Funktionsuntersuchung der Schilddrüse durchführen muss, bevor man feststellen kann, dass tatsächlich eine autoimmune Thyreoiditis vorliegt. Oftmals lässt sich die autoimmune Reaktion wesentlich besser feststellen, indem man eine TH1/TH2-Balance-Bestimmung durchführt. 

Bei dieser Blutuntersuchung schaut man sich das Immunsystem an und untersucht insgesamt die Reaktion der Immunzellen. Die Antikörper sind tatsächlich nicht das Entscheidende dafür, ob eine autoimmune Reaktion vorliegt oder nicht. Denn es gibt zusätzlich wahrscheinlich ganz viele Antikörper, die wir noch nicht kennen und über die wir noch nichts wissen. Und dazu gibt es auch Antikörper, die zwar bekannt sind, aber in der Regel trotzdem nicht untersucht werden, wie zum Beispiel die ANA-Antikörper.

Bezüglich der von mir eben genannten Antikörper (TH1/TH2-Balance und ANA) stellt sich nun natürlich die Frage, was der Unterschied zwischen diesen drei Antikörpern ist? Im Prinzip muss man tatsächlich sagen, dass es eigentlich unterschiedliche Erkrankungen sind, die unter dem Begriff Hashimoto-Thyreoiditis zusammengefasst werden: Bei einem wird die Thyreoperoxidase angegriffen, bei einem anderen das Thyreoglobulin und die ANAs zeigen einfach nur an, dass grundsätzlich eine anti-nucleotide Reaktion stattfindet – also, dass überhaupt eine Autoimmunerkrankung vorliegt. Aber es ist noch nicht klar, wo die ist und ob die nun wirklich die Schilddrüse betrifft.

Behandlung der Säule 1

Und nun kommen wir endlich zum eigentlichen Thema, nämlich den Behandlungsansätzen und –möglichkeiten. Beginnen wir mit der Säule 1, den Dysbalancen der Schilddrüsenhormone.

Der TSH

Die meisten Ärzte sehen sich oftmals nur den TSH an, dabei gilt: je höher der TSH ist, desto bedenklicher ist es. Warum? Dazu muss ich zunächst einmal erklären, warum der TSH-Wert überhaupt ansteigt: Der TSH-Wert steigt, wenn die Hypophyse (die befindet sich im Gehirn und schüttet das TSH aus) registriert, dass der Spiegel an Schilddrüsenhormonen zu niedrig ist.  Dann beginnt sie quasi die Schilddrüse anzuschreien, sie solle doch gefälligst mal arbeiten. 

Wenn die Schilddrüse nun aber nicht kann, dann passiert nichts und die Hypophyse schreit immer lauter. Wie laut sie schreit, ist quasi typbedingt. Bei manchen steigt der TSH nie höher als 10. Das ist auch schon lautes Geschrei. Und bei manchen geht er bis in die Hunderter oder gar bis in die Tausender. In diesen Fällen ist die Hypophyse völlig überbordet und produziert ununterbrochen das TSH. Sie „kriegt sich überhaupt nicht wieder ein“, was übrigens wieder eigene zusätzliche Symptome auslösen kann.

Obwohl diesem so ist, ist es ganz wichtig zu wissen, dass der TSH, auch wenn sich viele Ärzte nur diesen Wert ansehen, häufig – wider Erwarten – gar nicht so entscheidend ist.

Es kann passieren, dass der TSH normal ist, obwohl es im Laufe des Tages zu ganz, ganz starken Symptomen kommt und / oder auch das generelle Befinden schlecht ist. Ein als normal gemessener und eingestufter TSH liegt oftmals daran, dass es im Laufe des Tages zwischen einer Hypothyreose und einer Hyperthyreose schwankt. Das heißt, es sollte auf jeden Fall auch immer fT3 und fT4 bestimmt werden. Ich empfehle häufig auch noch die zusätzliche Bestimmung des reversen T3 (rT3). 

Das ist so eine Art umgedrehte Form des T3, welches die Hormonrezeptoren blockieren kann. Ist der rT3- Wert nämlich erhöht, so führt das dazu, dass, selbst wenn ein guter T3-Spiegel vorliegt, dieses gar nicht zur Wirkung kommen kann, da die Rezeptoren dicht sind. Daher ist mein Rat, dass man sich den rT3 nach Möglichkeit immer zusätzlich mit ansieht, um die Situation wirklich beurteilen zu können. Und dann sollte eine Einstellung erfolgen.

Schilddrüsenwerte: Wie sollten sie aussehen?

Ich werde immer wieder gefragt, wie denn nun die Schilddrüsenwerte aussehen sollen. Zunächst einmal macht es da Sinn, sich gesunde Menschen anzusehen. Für diese gilt: Bei einem Gesunden liegt der TSH um 1,0 und die freien Hormone liegen bei etwa 50 Prozent. Bei einem Hashimoto-Erkrankten ist es oft aber so, dass verschiedene Leberfunktionen nicht richtig funktionieren und viele Organe zusätzlich eine schlechte Ansprechbarkeit der Zellen für die Schilddrüsenhormone haben. Dieses hat oftmals zur Folge, dass es für die meisten Erkrankten besser ist, wenn der T3-Spiegel noch ein ganzes Stückchen höher ist – er so in etwa bei 75 Prozent liegt, weil erst dann das T3 wirklich gut in die Wirkung kommen kann.

70:30 – L-Thyroxin wirkt leider nicht bei jedem optimal

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass – und das ist auch ganz, ganz wichtig – für etwa 70 Prozent aller Betroffenen eine reine Behandlung mit T4 (L-Thyroxin und ähnliches) ausreicht und diese damit ein wirkliches Wohlbefinden erreichen. Also, wenn du zu denen gehörst, die mit einer reinen T4-Behandlung, also mit einer reinen L-Thyroxin-Behandlung, gut zurechtkommen: Heureka, großartig, herzlichen Glückwunsch! Dann muss man auch nicht noch wer weiß was machen. Wer Wohlbefinden hat, hat Recht. Und dann muss oder sollte man nicht noch irgendwelche teuren anderen Hormone nehmen.

70 Prozent sind eine ganze Menge, nur leider nicht alle. Das Problem ist also: 30 Prozent aller Betroffenen – und das ist tatsächlich eine Zahl, für die es wissenschaftliche Studien und Belege gibt – erreichen kein Wohlbefinden unter einer reinen T4-Behandlung. Bei diesen Menschen muss man dann individuell schauen, wie man ihnen helfen kann. Bei manchen wird durch eine Zugabe von T3 (Thybon) eine deutliche Verbesserung erzielt, so dass man dadurch eine – ja, wie soll man sagen – Euthyreose, also eine gute Schilddrüseneinstellung erreichen kann. 

Es gibt auch eine nicht geringe Anzahl an Patienten, bei denen auch die zusätzliche Gabe von T3 nicht ausreicht. Hier macht die Verabreichung weiterer Schilddrüsen-Hormone wie T1 und T2 Sinn. Dieses findet sich dann aber (als Kombination aller Schilddrüsenhormone) nur im natürlichen Schilddrüsenextrakt, gewonnen aus der Schilddrüse von Schweinen wieder.

Schilddrüsenwerte, Teil 2

Es gibt also verschiedenste Hormon-Präparate. Und mit Hilfe dieser sollte eine möglichst optimale Einstellung erfolgen. Erfahrungsgemäß liegt die optimale Einstellung für Hashimoto-Thyreoiditis-Patienten bei einem T4 von ungefähr 50 Prozent und einem T3 von etwa 70 Prozent. Ein funktioneller TSH sollte zwischen 1,0 und 2,5 liegen. Unter einer Behandlung mit T3 (und auch unter NDT, da hier ebenfalls T3 enthalten ist) kommt es zu einem supprimierten TSH. Der TSH ist dann bei nahe 0. Das ist normal. 

Dazu könnte man einen ganz langen eigenen Beitrag machen, das sprengt an dieser Stelle aber den Rahmen.  Wenn man nur mit T4 behandelt, ist ein TSH rund um 1,0 anzustreben. Wobei es auch einen Teil an Patienten gibt, die erst bei einem supprimierten TSH unter einer T4-Behandlung wirklich Wohlbefinden erzielen.

Ein niedriger TSH…

Oft werde ich gefragt, ob ein niedriger TSH bedenklich ist. Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gilt aber im Großen und Ganzen:  Nein, wenn die freien Hormone in Ordnung sind – ja, wenn das T3 im Wesentlichen deutlich zu hoch ist. Denn dann ist es wirklich eine Hyperthyreose. Ein TSH ist auch dann bedenklich, wenn er extrem niedrig ist, die freien Hormone aber ebenfalls sehr, sehr schlecht sind. Dieses nennt sich dann Euthyroid-Sick-Syndrom, was zum Beispiel häufig bei schwerer chronischer Entzündung, bei Hirnverletzungen oder bei Verbrennungen etc. vorkommt.

Exkurs: Wer trägt die Kosten für Naturidentisches Schilddrüsenextrakt (NDT)?

Da ich gerade auch das NDT (naturidentische Schilddrüsenextrakt vom Schwein) angesprochen habe, möchte ich auch gleich eine Frage klären, die mir im Rahmen der Behandlung immer wieder gestellt wird:  “Werden die Kosten für natürliche Hormone von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen?” Die Antwortet lautet ganz klar: Nein! Es ist ganz, ganz wichtig, das hier einmal zu sagen: Nein, niemals! Ich habe mindestens 80 verschiedene Anträge gestellt – auch für Menschen, die mit einem anaphylaktischen Schock auf die herkömmlichen Präparate reagiert haben und so weiter. Meine Erfahrung ist leider wirklich: Es wird niemals direkt von der Kasse übernommen.

Was zurzeit leider häufiger passiert, ist, dass es wirklich liebe Ärzte gibt, die, um ihren Patienten zu helfen und ihnen etwas Gutes zu tun, das NDT doch auf einem rosafarbenen Rezept notieren. Das wird dann an die Apotheke geschickt, die Apotheke liefert und rechnet mit der Kasse ab. Soweit, so gut. Es sieht also erst einmal so aus, als wenn die Kasse es trägt. Was aber passiert in der Folge?  Ärzte werden regelmäßig einer sogenannten Wirtschaftlichkeitsprüfung seitens der Kassen unterzogen. 

Das ist so ähnlich wie die Steuererklärung. Und in dieser Wirtschaftlichkeitsprüfung, die allerdings nicht jährlich wie die Steuererklärung, sondern zum Teil erst stark zeitversetzt stattfindet, (meist so alle zwei, drei, vier Jahre), wird auffallen, dass der Arzt dauerhaft ein Medikament verschrieben hat, was nicht wirtschaftlich ist. NDT ist um einiges teurer als das eigentliche, hier vorgesehene Medikament, nämlich das synthetisch hergestellte L-Thyroxin. Tja, der Arzt wird dann seitens der Kasse nicht mit dem erhobenen Zeigefinger verwarnt, sondern aufgrund der finanziellen Größe direkt mit einer Regressforderung betraut.

Das heißt, er muss das, was das NDT teurer war als das L-Thyroxin, selber aus eigener Tasche oben draufzahlen – rückwirkend für den gesamten Berechnungszeitraum. Das wird dieser Arzt natürlich gar nicht gut aufnehmen und er wird seine Konsequenzen daraus ziehen und niemals wieder etwas außerhalb der Norm aufschreiben oder veranlassen.

Und das ist echt ein Problem, denn viele Erkrankte sind auf eine gute Zusammenarbeit mit einem Arzt, dem sie vertrauen, angewiesen, der vielleicht ab und an mal, im Einzelfall, etwas außerhalb der Norm rezeptiert (und dann von den Kassen verwarnt, aber nicht in Regress genommen wird). Viele finden im Augenblick irgendeinen Hausarzt, der ihnen das NDT auf Kassenrezept aufschreibt und schreiben dann bei Facebook: “Ja, das wird von der Kasse übernommen. Total großartig! Ich bin super happy.” 

Das ist auch für den Einzelnen erst einmal toll. Aber am Ende zahlt das der arme kleine Hausarzt, die nun nicht unbedingt zu den dick verdienenden Medizinern gehören. Und dieser Hausarzt, der vielleicht in zwei oder drei Jahren einen Regress aufgedrückt bekommt, soll dann 2.000, 3.000, vielleicht auch 4.000 Euro aus eigener Tasche nachzahlen – was für ihn eine Riesensumme sein kann.

Meiner Meinung nach schneiden wir als Gesellschaft und als Erkrankte uns damit ins eigene Fleisch: wir selbst verschrecken und vergraulen auf diese Weise die wenigen Mediziner, die für Alternativen offen sind, und die eine Behandlung zumindest begleiten würden. Es ist mir wichtig, dass ihr das wisst und versteht. Es ist eben nicht so, dass das die gesetzlichen Kassen es zahlen, nur, weil man ein rosafarbenes Rezept bekommen hat.

Behandlung der Säule 2

Kommen wir nun zur zweiten Säule, dem autoimmunen Geschehen. Im ersten Schritt gilt es, herauszufinden, in welcher Dysbalance das Immunsystem ist.

TH1- oder TH2-Dominanz?

Zur kurzen Erklärung: Das Immunsystem besteht auch zwei wesentlichen Anteile: dem erworbenen und dem angeborenes, benannt werden diese als TH1- und TH2-System. Glücklicherweise kann man beide Teile untersuchen. Für eine Behandlung, aber auch für die Vermeidung von möglichen Triggern kann eine genaue Bestimmung sehr sinnvoll sein. Ich rate da tatsächlich häufig zu. Die meisten Hashimoto-Patienten – etwa 80 Prozent – verfügen über eine TH1-Dominanz. Doch etwa 20 Prozent haben eine TH2-Dominanz. 

Es ist deshalb unter Umständen so wichtig dieses herauszufinden, da die meisten Tipps, die irgendwo im Internet kursieren, für die TH-1-dominanten Hashimoto-Erkrankten gilt – einfach, weil diese die Mehrheit bilden. Wenn ich aber TH2-dominant bin, dann kann es sein, dass sich meine Symptome durch diese Tipps verschlechtern und ich, obwohl ich der Meinung bin, doch alles zu tun, was empfohlen wird, auf keinen grünen Zweig komme – und nicht mal eine Ahnung habe, warum das so ist. Allen geht es besser, nur mir nicht. Und das ist fatal und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Die Bestimmung ist manchmal nicht ganz einfach. In der Regel reicht eine Untersuchung, wie sie mein Labor, das IMD Berlin-Potsdam, anbietet: die Bestimmung von Interferon-gamma und Interleukin-4. Das sind zwei Interleukine, die jeweils sehr stark für das eine oder das andere System sprechen. Trotzdem kann es manchmal sein, dass man zu keiner genauen Aussage kommt, einfach, weil derjenige zum Beispiel TNF-alpha positiv ist oder es an Interleukin-6 oder Interleukin-2 oder irgendwas Anderem liegt. Im Zweifel muss man ein bisschen Suchen, doch häufig bietet die Bestimmung von Interferon-gamma und Interleukin-4 einen ganz guten Anhaltspunkt.

Warum ist die Diagnostik so sinnvoll?

Leider muss man diese Art der Diagnostik häufig aus eigener Tasche bezahlen. Auch wenn ich weiß, dass es natürlich viele Menschen gibt, die nicht so viel Geld haben und immer hoffen, dass ich etwas empfehlen kann, wofür man keine Diagnostik benötigt, so kann ich diesem Wunsch oft nicht nachkommen.

Das Problem ist meiner Meinung nach: Ohne Diagnostik ist es immer ein bisschen wie wenn man mit verbundenen Augen und Handschuhen versucht, irgendwie ein Gerät in einem dunklen Raum zusammenzubauen. Aus diesem Grund ist für mich die Diagnostik unersetzlich wichtig – einfach, weil es so kein Probieren, sondern ein Agieren auf einer begründeten Ausgangslage darstellt und dabei diverse Unterschiede und Möglichkeiten berücksichtigt.

Es sollte sich jeder bewusstmachen, dass alles, was an Tipps in irgendwelchen Büchern, im Internet, in Foren etc. steht, in der Regel immer nur für die Mehrheit gilt. Das hat natürlich was mit der zu erreichenden Zielgruppe zu tun, aber auch damit, dass es viele Betroffene gibt, die mittels eines eigenen Blogs oder als User in Foren es nur gut meinen und berichten, was ihnen hilft. Hier ist die Mehrheit aber eben TH-1-dominant, so dass auch dadurch überwiegend nur Tipps für TH-1-Dominante zustande kommen.  Gehört man aber zu der Gruppe der TH2-Dominanten, dann kann es passieren, dass das Gegenteil eintritt und man seinen Zustand verschlechtert.

Immunmodulation

Wie geht es nun aber weiter, wenn man herausgefunden hat, zu welchem Typ man selbst gehört? Ich empfehle dann, dass man sich mit der Immunmodulation beschäftigt: Man geht gezielt an den Teil des Immunsystems heran, der aus der Bahn geraten ist und versucht, diesen zu stärken.

Immunmodulatoren beider Seiten des Immunsystems gibt es verschiedenste – zum Beispiel Resveratrol, Grüntee-Extrakt, Grapefruit, Kurkuma, Weihrauch, Zitronenmelisse, Echinacea. Das sind alles Immunmodulatoren. Aber Achtung: Während Echinacea zum Beispiel bei TH-1-Dominanten oftmals eine gute Wirkung erzielt, führt es bei TH-2-Dominanten meist zu einer Verschlechterung der Lage. Daher lohnt es sich, vorher herauszufinden, auf welche Seite man gehört. Was dann für dich jeweils wirklich funktioniert und für dich eine Immunmodulation erreicht, sodass sich dein Immunsystem beruhigt, das kann ich dir leider nicht sagen. 

Das ist etwas, das man wirklich individuell ausprobieren muss – optimalerweise im Zusammenhang mit einer immunologischen Diagnostik, um wirklich herauszufinden, ob es funktioniert. Es lässt sich hier tatsächlich nachweisen, ob es besser wird. Natürlich kann man das auch nur anhand des Befindens machen, meine Erfahrung ist aber, dass man es anfangs erst gar nicht ausreichend bemerkt oder es kommt vielleicht zu einer Verschlechterung – und dann tappt man sehr schnell wieder im Dunkeln.

Exkurs: Wo kann man immunologische Diagnostik machen lassen?

Ein Einschub: Wo kann man diese immunologische Diagnostik denn machen lassen?

Wie bereits gesagt, ich arbeite mit dem IMD Berlin-Potsdam zusammen. Diese haben eine große Abteilung für spezielle Immunologie. Ich bin mir aber sicher, dass es in Deutschland noch weitere Labore gibt. Meines Wissens nach gehört das IMD aber zu den führenden und fast alle Ärzte in Deutschland, die in diesem Bereich arbeiten, arbeiten mit dem IMD hier in Berlin. Das IMD agiert deutschlandweit. Das heißt, man benötigt nur einen Arzt, der mit dem IMD zusammenarbeitet. Im Zweifelsfall kann man sonst auch seinen Hausarzt fragen, ob er bereit wäre, dort Blut hinzuschicken.

Das ist kein großes Problem – auch für eine kurzfristige Diagnostik nicht – einfach mal selbst oder von der Praxis aus beim IMD anrufen. Die beraten einen telefonisch sehr gut. Insofern denke ich, das beste Labor für spezielle immunologische Diagnostik ist das IMD hier in Berlin. Da kann man zum Beispiel alle Interleukine einzeln bestimmen lassen. Oder die TH1/TH2-Balance bestimmen lassen. Oder man kann einen großen Immunstatus in Auftrag geben, bei dem alle Zellen des Immunsystems untersucht werden und so weiter.

Behandlung der Säule 3

Im letzten Teil geht es nun noch um die dritte Säule, die sekundären Symptome: Hier sind vor allem Nährstoffmängel zu nennen. Diese spielen tatsächlich eine extrem große Rolle. Ich sehe es immer wieder, dass trotz einer wirklich gesunden Ernährung mit sehr viel Gemüse und Obst zum Teil bei meinen Patienten drastische Nährstoffmängel vorliegen.

Warum kommt es zu Nährstoffmängeln?

Als Autoimmunerkrankter ist der Körper dauerhaft mit einer chronischen Entzündung beschäftigt. Dieses verbraucht einfach mehr Nährstoffe als normal. Oftmals befinden sich Entzündungen im Darm, was dann zu einer deutlich schlechteren Aufnahme von Nährstoffen als normal führt. Und als dritte Komponente kommt noch hinzu, dass wenn man nun die Baustellen angeht und der Stoffwechsel wieder angelaufen ist, es zu einem erhöhten Regenerations- und Reparationsbedarf kommt, was auch wieder mehr Nährstoffe verbraucht als normal. 

Gerade dieser letzte Aspekt ist wichtig: Es geht nämlich vielen Menschen so, dass wenn nur die Schilddrüse einzeln gut einstellt ist, dass es dann einem deutlich schlechter als vorher geht. Leider berücksichtigen das viele Ärzte nicht.

Aber um es mal bildhaft zu beschreiben: Stellt man nur die Schilddrüse ein, dann ist das ein bisschen so, als wenn man einen Mixer einschaltet, der aber leer ist: Der Stoffwechsel wird ganz stark angekurbelt, es fehlt aber an allem: es fehlt an Eisen, es fehlt an Vitamin D, es fehlt an Magnesium, es fehlt an Zink – der Körper kann dann nicht auf die ganzen Bausteine zurückgreifen, die er bräuchte, um jetzt im Rahmen des erhöhten Stoffwechsels wieder mehr Material und mehr Zellen und mehr Enzyme und so weiter zu produzieren. Und dann ist es wirklich halt wie der angeschaltete Mixer. Der läuft eine ganze Weile dann sehr schnell und dann geht er kaputt. Das ist etwas, was auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Überprüfung der Mineralstoffe: Was zahlt die Kasse?

Viele Ärzte sind aber leider nicht bereit, auf Mängel einzugehen, was leider daran liegt, dass im kassenärztlichen System Mikronährstoffe eigentlich keine Rolle spielen. Auch wenn zunehmend aus Studienergebnissen bekannt ist, dass Mikronährstoffe essenziell sind und diese eine bedeutende Rolle spielen, weigern sich die gesetzlichen Kassen weiterhin weitgehend, diese Sachverhalte anzuerkennen.

Jedem Schilddrüsenpatienten steht einmal im Quartal die Untersuchung von Selen und Zink zu – das sind kassenärztliche Leistungen, die ab und zu gemacht werden können und auf die jeder bestehen kann. Beide Mineralstoffe sind auch extrem wichtig. Im Winter kommt noch die Bestimmung von Vitamin D dazu, auf die man als Autoimmun-Patient ebenfalls pochen kann.  Alle anderen Messungen werden von den gesetzlichen Kassen leider nicht getragen. 

Hier gilt leider: wer da etwas in Erfahrung bringen möchte, muss sich selbst darum kümmern. Mittels vieler freier Labore in Deutschland, zu denen man zu bestimmten Zeiten einfach hingehen und sich das Blut entnehmen lassen kann, ist das sehr gut möglich. Mehr zu diesem Thema findet sich auch hier im Blog: im Rahmen des Themen-Monats „Hashimoto“ ist ein Beitrag rund um „Hashimoto und Mikronährstoffe“ erschienen, es gibt aber auch Beiträge, die sich mit der Rolle einzelner Mikronährstoffe für den Körper beschäftigen.

Fazit: Was sollte zuerst gemacht werden?

Welche Säule sollte denn nun zuerst angegangen werden? Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage.  Ich rate eigentlich immer dazu, dass man zuerst den Säulen 1 und 3 parallel zuwendet: Ohne eine vernünftige Schilddrüseneinstellung und einem vernünftigen Stoffwechsel läuft eigentlich gar nichts im Körper. Dazu müssen dann auch die sekundären Symptome, allen voran mögliche Nährstoffmängel, in Angriff genommen werden – sonst sind wir wieder ganz schnell bei dem Beispiel mit dem Mixer.

Zusätzlich zu den Nährstoffen würde ich immer noch den Darm mit behandeln, andernfalls bekommt man häufig die Ursache der Nährstoffmängel nicht behoben (Stichworte: leaky gut und unerkannte Unverträglichkeiten, die das Immunsystem triggern und zu den Entzündungen im Darm führen). Erst im zweiten Schritt würde ich die autoimmune Reaktion angehen, wobei mit der Behandlung des Darms meist bereits ein Teil der autoimmunen Säule angegangen wird…

Ebenfalls muss immer geschaut werden, ob die Säule, die ich gerade angehe, wirklich der Auslöser für meine Symptome sind. Häufig werde ich zum Beispiel gefragt, ob, bzw. wann bei schlechtem Befinden ein Wechsel von synthetischen Hormonen auf ein natürliches Schilddrüsenextrakt sinnvoll ist. Im Prinzip ist es immer einen Versuch wert, wenn es einem unter synthetischen Hormonen nicht gut geht. Findet sich dafür zunächst kein Arzt, kann es sinnvoll sein unter der aktuellen ärztlichen Begleitung zusätzlich T3 dazu zunehmen. 

Wenn auch das nicht ausreichend wirkt, dann würde ich es mal mit Schilddrüsenextrakt versuchen. Dazu muss aber immer berücksichtigt werden, was die Werte aussagen, also wo sind sie schlecht? Liegt tatsächlich eine Konversionsstörung vor? Sind die freien Werte nicht optimal, dann ist deutlich eher zu erwarten, dass man sich unter Schilddrüsenextrakt besser fühlt. Hat man aber sehr gut eingestellte Werte und es geht einem trotzdem schlecht, dann ist es wahrscheinlicher, dass man an den anderen beiden Säulen arbeiten muss und dass die Schilddrüse gar nicht so sehr der Punkt ist.

Eine besondere Herausforderung: Hashimoto und Antidepressiva

Was in keiner Säule Platz findet, aber trotzdem für die Behandlung einer Hashimoto-Thyreoiditis sehr wichtig ist, ist die Frage nach den Zusammenhängen von Antidepressiva und Hashimoto.  Hier muss man wissen, dass viele Antidepressiva Brom enthalten und dadurch zu einer Schilddrüsenblockade führen, was problematisch ist. Außerdem führen diese Medikamente zu einer starken Veränderung im Serotoninstoffwechsel, was sich auch wiederum sehr ungünstig auf Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen auswirken kann. 

In sehr, sehr vielen Fällen sind Depressionen und psychische Symptome bei Hashimoto-Thyreoiditis bedingt durch die Erkrankung selbst. Entweder durch Schilddrüsenhormon-Dysbalancen oder durch den autoimmunen Prozess. In sehr vielen Fällen kann man die psychischen Symptome extrem verbessern, wenn man die Erkrankung selber entsprechend behandelt – und zwar systemisch, also den ganzen Körper betreffend. Da dieses in der Praxis häufig nicht gemacht wird, kommt es zu zum Teil fatalen Folgen für den einzelnen Patienten.

Ich hatte selbst mit sehr starken psychischen Symptomen zu tun und habe das – Gott sei Dank – inzwischen fast gar nicht mehr. Bei mir hat das sehr viel mit unterschiedlichen Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu tun. Was dein Trigger ist, das musst du individuell herausfinden. Ich kann dir nur sagen, dass sich die Suche oftmals sehr lohnt und ich viele Patienten habe, die ihre Antidepressiva dann absetzen können. 

Mehr zu diesem Thema kannst du hier im Blog finden. Unter dem Stichwort: „Hashimoto und Ursachen“ beschäftige ich mich intensiver mit Auslösern und Triggern. In Kürze wird auch im Rahmen des Themen-Monats „Hashimoto“ ein weiterer Beitrag zu Hashimoto und Ernährung kommen, der zu der Thematik „Trigger“ interessant ist. Es gibt auch einen Beitrag hier im Blog, in dem ich mich mit dem Thema „Schilddrüse und Angstzustände“ befasse.

Zum Schluss: Nur du bist du!

Und ganz, ganz wichtig ist: Nur du bist du! Niemand kann dir erzählen, was für dich gut ist. Das ist meine wichtigste Botschaft für meine Leser: Kein Guru, kein Medium, kein Irgendwer steckt in deinem Körper und weiß, was dir hilft. Wenn du das Gefühl hast, irgendwas tut dir super gut, dann nimm es. Und wenn du das Gefühl hast, es ist nichts für dich, dann ist es egal, ob 1.000 Leute behauptet haben, es wäre großartig. Wenn es dir nicht gut tut, dann ist es für dich eben nicht gut. Auch wenn der Weg nicht immer kurz und einfach ist, es lohnt sich aber ihn zu gehen und individuell herauszufinden, was dir hilft.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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