Hashimoto und Schwangerschaft

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Dein Wunsch ist wahr geworden! Du bist schwanger und fragst dich nun, was es bei der Schwangerschaft mit einer Hashimoto-Thyreoiditis alles zu beachten gibt? Hier kommen meine Tipps.

Aber erst einmal: Herzlichen Glückwunsch! Du bist schwanger. Das ist großartig! Du bist auf dem Weg, Mutter zu werden. Ein kleines Leben wächst in dir heran und dann möchte man natürlich alles tun, dass das so bleibt. Leider ist es so, dass bei Autoimmunerkrankungen, wie die Hashimoto-Thyreoiditis oder auch die Hypothyreose, häufig mit Fehlgeburten einhergehen und es lohnt sich auf jeden Fall vorher zu schauen, worauf du achten musst und was du vermeiden solltest.

Die richtige Einstellung der Schilddrüsenhormone

Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass in der Schwangerschaft der Bedarf an Schilddrüsenhormonen erheblich steigt, um etwa 30 Prozent. Es sollte also bereits mit Eintritt der Schwangerschaft die Menge an Schilddrüsenhormonen erhöht werden. Diese Vorsorge verringert das Risiko für eine Fehlgeburt.Zu Beginn sollten die Schilddrüsenhormone erst einmal vorsichtig, nur ein ganz kleines bisschen, erhöht werden. Prüfe jetzt, in sehr kurzen und regelmäßigen Abständen, alle vier, jedoch mindestens alle sechs Wochen, deine Schilddrüsenwerte. Wie entwickelt sich das Ganze? Muss ich erhöhen oder verringern?

Es hat sich gezeigt, dass sich der T3 bei Schwangeren meistens in einem sehr hohen Bereich bewegt und der T4 oft relativ stark sinkt, weil der Körper in eine Höhe Bedarfskonversion geht. Das heißt, er fährt die Konversionen in T3 ganz stark hoch um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Das ist normal, lass dich davon nicht irritieren.

Diese Werte werden ganz oft nicht gemessen und nur nach dem TSH geschaut. Gynäkologen wissen das oft nicht und wenn ihr darauf besteht, freie Werte messen zu lassen, und ihr seht das Ergebnis, dann nicht wundern. Das scheint normal zu sein. Das ist eine positive Reaktion des Körpers, um euch und euer Kind ausreichend mit T3 zu versorgen. Ab der 20./22. Schwangerschaftswoche hat der Fet dann auch eine funktionierende Schilddrüse entwickelt und wenn die Versorgung dann nicht vernünftig eingestellt ist, beginnt die Mutter sich mit beim Feten zu bedienen. Das kann zu einem Struma von Geburt an beim Fetus führen und damit zu einer erhöhten Neigung im Laufe des Lebens auch Erkrankungen der Schilddrüse zu bekommen. Das möchten wir auf gar keinen Fall! Deswegen ist eine sehr gute Einstellung der Schilddrüsenhormone, vor allem in der Frühphase, sehr wichtig um Fehlgeburten zu vermeiden und das Kind gut versorgt ins Leben zu schicken.

Einsatz von Progesteron in der Schwangerschaft

Des Weitern geht Hashimoto-Thyreoiditis, Autoimmunerkrankungen im Allgemeinen, sehr häufig mit einer Progesteron-Schwäche einher. Der Progesteron-Spiegel ist zum Teil viel zu niedrig. Ich würde deswegen von gynäkologischer Seite, eigentlich schon bei bestehendem Kinderwunsch, mit Progesteron behandeln. Zumindest dann, wenn eine Gelbkörperhormonschwäche nachgewiesen wurde. Das müsst ihr mit eurem Gynäkologen besprechen. 

Die Bereitschaft mit bioidentischen und humanidentischen Hormonen zu arbeiten, ist bei den Gynäkologen unterschiedlich hoch. Vielleicht ist euer Gynäkologe ja offen dafür. Mit dem Einsetzen der Schwangerschaft, würde ich auf jeden Fall mit Progesteron behandeln. Gerne auch mit relativ hohen Dosen. Der Progesteron Spiegel steigt auf ein 800-faches während der Schwangerschaft. Es ist also überhaupt kein Problem mit hohen Progesteron Dosen zu behandeln.

Es gibt Studien, dass die Kinder schlauer werden, irgendwie ist das immer das, was bei solchen Studien am Ende dabei rauskommt, wenn Progesteron in der Schwangerschaft gegeben wurde. Ob das stimmt, kann ich nicht beantworten. Ich halte es immer eher für ein Bios, dadurch dass es ein bestimmtes Klientel ist, die solche Behandlungen bekommen. Letztendich scheint es dem Kind zumindest nicht zu schaden.

Auf jeden Fall sorgt Progesteron dafür, dass weniger Schwangerschaftsbeschwerden auftreten, wie Hyperemesis, weniger Ödeme, weniger Probleme in der Frühschwangerschaft, weniger Blutungen.

Und es gibt eine sehr gute Datenlage, dass man mit Progesteron Frühaborte und auch Spätaborte sehr wirkungsvoll und nebenwirkungsfrei verhindern kann. Die negativen Auswirkungen von Progesteron sind relativ gering. Es ist oft für eine extreme Müdigkeit in der Frühschwangerschaft verantwortlich. Man hat zum Teil das Gefühl, man könnte sofort im Stehen einschlafen. 

Das kann natürlich, durch eine Zuführung von Progesteron, in relativ hohen Dosen, noch deutlich schlimmer werden. Eine weitere Auswirkung ist, dass Progesteron durch eine Verschiebung der CO2 Empfindlichkeit im Hypothalamus eine gefühlte Kurzatmigkeit verursacht. Man hat also das Gefühl, man bekommt nicht so gut Luft, weil der Hypothalamus signalisiert, man solle schneller atmen. Tatsächlich ist es keine echte Kurzatmigkeit. Das merkt man, wenn man sich belastet und z.B. Sport macht.

Bleibe aktiv – Sport während der Schwangerschaft

Grundsätzlich, dürft ihr in der Schwangerschaft alles machen was ihr wollt, ihr seid durch die Hashimoto-Thyreoiditis nicht grundsätzlich stärker gefährdet als andere Schwangere. Was Sport und Aktivität angeht, braucht ihr euch auch nicht besonders einzuschränken. Es hilft zu 100 Prozent sicher nicht, sich noch mehr zu schonen, um dafür zu sorgen, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt und dass da alles in Ordnung ist. Im Gegenteil, Sport verbessert die Plazentation.

Das heißt die Plazenta wächst besser ein, das Kind wird besser versorgt, es erhöht die Widerstandsfähigkeit von Mutter und Fet gegenüber äußeren Einflüssen und ist insgesamt sehr hilfreich, um die Schwangerschaft zu behalten und ein gesundes Kind zu bekommen. Fazit: Es gibt also keinen Grund zu sagen, ich habe eine Hashimoto-Thyreoiditis und deswegen lege ich mich jetzt ab der vierten Schwangerschaftswoche ins Bett. Das ist auf jeden Fall eher kontraproduktiv.

Erhöhter Mikronährstoffbedarf mit Beginn der Schwangerschaft

Mit Beginn der Schwangerschaft, mit einer Autoimmunerkrankung, hat man erhöhten Mikronährstoffbedarf. Deshalb ist eine Preconception sehr wichtig. Das sollte man eigentlich schon vor der Schwangerschaft machen, aber spätestens mit dem Beginn. In der Schwangerschaft hat man sowieso schon stark erhöhten Mikronährstoffbedarf, das heißt, es sollten auf jeden Fall hochwertige und gute Mikronährstoffe genommen werden.

Ultra Preventive III kaufen

Ich würde mit einer Hashimoto auf jeden Fall keine Folsäure nehmen, sondern immer Methylfolat, weil die MTHA Mutationen bei Hashimoto-Thyreoiditis deutlich gehäuft auftreten. Das ist eine Mutation, wo Folsäure nicht vernünftig in ihre aktive Form überführt werden kann und dann liegen bleibt. 

Diese liegen gebliebene Folsäure, wird im Körper in toxische Metaboliten umgesetzt, die zum Teil hirntoxisch sind und diverse Symptome verursachen können, unter anderem Brain Fog. Ein Teil wird umgesetzt, wenn man nicht auf beiden Genen komplett defekt ist. 

Deswegen ist man überhaupt erst dazu gekommen, dass man diese hohen Folsäuregaben in der Schwangerschaft empfiehlt, damit dann wenigstens irgendetwas umgesetzt wird. 

Es ist wesentlich nützlicher um das Risiko für Spaltbildung zu verhindern, wenn man gleich Methylfolat gibt. Deswegen würde ich euch auf jeden Fall ein Präparat empfehlen, was Methylfolat enthält. Ich finde Ultra Preventive III von Douglas Laboratories super. Das ist ein Multipräparat mit Methylfolat.

Ansonsten enthalten alle Multipräparate, alles was ihr an Schwangerschaftspräparaten kaufen könnt, immer Folsäure und die würde ich als Hashimoto Patient in der Schwangerschaft meiden und stattdessen relativ hochdosiert Methylfolat nehmen. 

Zusätzlich zum Ultra Preventive III empfiehlt sich die Einnahme von Folat, also Methylfolat. Zum Beispiel Folate 400 von Pure Encapsulations, das sind 400 mg Methylfolat. Damit ist dann eine ausreichende und sehr gute Versorgung gewährleistet um Spaltbildung vorzubeugen und ihr selbst seid ebenfalls gut versorgt.

Jod ist essentiell für die Hirnentwicklung des Kindes

Ein ganz wichtiger Punkt ist Jod. Kleinstmengen aus natürlichem Jod, zum Beispiel in Form von Kelp, sind in der Schwangerschaft absolut empfehlenswert. Hierbei spielt keine Rolle, wie man sonst zu Jod steht, da in der Schwangerschaft der Jodbedarf massiv erhöht ist. Jod ist absolut essentiell für die Hirnentwicklung des Kindes. Wenn man Hashimoto hat, verzichtet man auf Jod und startet so schon mit einem hohen Jodmangel in die Schwangerschaft. Wenn man tatsächlich einen massiven Jodmangel hat, dann kann dies die Intelligenz und die Hirnentwicklung des Kindes beeinträchtigt und das möchte man natürlich auf gar keinen Fall.

Ich halte es für absolut empfehlenswert, Minimengen an Jod, auch in der Schwangerschaft bei Hashimoto-Thyreoiditis reinzugeben. Dies kann eigentlich auch nicht zum Trigger führen. Das Immunsystem ist in der Schwangerschaft stark gedeckelt. Das heißt, das Risiko für einen Schub ist deutlich niedriger und der Körper ganz stark auf das Jod angewiesen. 90 Prozent des körpereigenen Jods gehen in der Schwangerschaft ans Kind. Nimmt man also Jod ein, dann geht es sowieso ans Kind weiter.

Richtige Einstellung der Schilddrüsenhormone nach der Entbindung

Ganz wichtig ist noch, wenn der Zwerg erst einmal da ist, dass zeitnah die Schilddrüsenwerte überprüft werden. Wir haben die Schilddrüsenhormone in der Schwangerschaft ja wahrscheinlich peu à peu gesteigert, jetzt ist es wichtig zu schauen, wo die Werte liegen.

Schilddrüsenüberfunktionen (Hypothyreosen) führen dazu, dass man nicht in die Laktation kommt. Das bedeutet, dass es mit dem Stillen nicht funktioniert, da kein Milcheinschuss erfolgt. Deswegen sollte die Hebamme direkt nach der Geburt die Schilddrüsenwerte messen. Sie können das relativ unproblematisch auf Kasse machen und auch gerne häufiger.

Am besten besprecht ihr das mit eurer Hebamme bereits vor der Geburt. Sie soll einplanen, dass sie ein bis zwei Tage nach der Geburt Blut abnimmt, um die Schilddrüsenwerte zu überprüfen.

So bekommt ihr eine Hausnummer, wo ihr steht und in wie weit eure Schilddrüsenmedikation reduziert werden muss. Das ist wichtig, um nach der Entbindung zeitnah eine bessere und gute Hormoneinstellung zu regulieren. Dies macht erst nach der Entbindung Sinn, da das Immunsystem in der Schwangerschaft die ganze Zeit runter gedrückt war. Und die unmittelbare Überprüfung ist so wichtig, da ihr nach der Entbindung ein ganz großes Risiko für einen Schub habt. Hier dann besonders streng sein, besonders auf die Ernährung achten und sämtliche andere Trigger vermeiden.

Lass dir helfen! Mütterpflegerinnen und Haushaltshilfen

Den hat man fast immer, wenn man so einen Minizwerg hat. Das heißt, es kommt zusätzlicher Stress auf euch zu. Insofern versucht alles andere an Stress zu vermeiden. Sagt der Verwandtschaft, dass ihr erst einmal Ruhe braucht. Lasst euch helfen! Sagt allen, sie sollen euch Wochenbettessen vorbeibringen und kümmert euch um eine Haushaltshilfe.

Wenn man Hashimoto-Thyreoiditis und einen netten Gynäkologen hat, kann es sein, dass er einem für ein paar Wochen eine Haushaltshilfe verschreibt. 

Mein Tipp: Schaut auch nach sogenannten Mütterpflegerinnen. Sie kommen ins Haus und kümmern sich um deine Belange.

Die Mütterpflegerinnen sind total toll und machen einen klasse Job. Sie kochen, kümmern sich um den Haushalt, sie nehmen euch vielleicht, wenn ihr größere Kinder habt, diese auch mal ab. Sie sind wirklich eine super Stütze und sehr gut ausgebildet. Wenn man die Möglichkeit hat, dann sollte man sich so etwas verschreiben lassen.

Natürlich ist das in der heutigen Zeit, wo überall gespart wird und die Kassen alle sparen wollen, zum Teil ein bisschen schwierig. Hier hast du die Möglichkeit, wenn du mit psychischen Problemen, Angststörungen, Depressionen oder etwas in der Art zu tun hast, einen Psychiater zu suchen und dir eine Haushaltshilfe aufschreiben zu lassen. 

Die Psychiater haben ein sehr großes Kontingent für diesen Bereich. Und wenn nach einer Geburt, aus der Sicht des Psychiaters, ein Risiko besteht, dass diese Teilerkrankung exazerbiert, die sicher etwas mit deiner Schilddrüsenerkrankung zu tun hat, dann kann man bis zu zehn Wochen Haushaltshilfe verschrieben bekommen. Das ist ein sehr langer Zeitraum, wo man gut mit versorgt ist und Unterstützung bekommt.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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