Abnehmen mit Hashimoto und der Jojo-Effekt

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Heute melde ich mich ganz spontan mit einem Facebook-Live-Video zum Thema „Abnehmen mit Hashimoto-Thyreoiditis und der Jojo-Effekt“. Ich befinde mich gerade in unserer Abnehm-Challenge und möchte euch teilhaben lassen, wie es mir gerade so geht und was es mit dem Jojo-Effekt auf sich hat und warum du trotzdem weiter am Ball bleiben solltest.

Tag Nummer Zwei

Der erste Tag ist geschafft! Das ist ja schon mal ziemlich gut. Ich finde die ersten Tage immer am schwierigsten, weil man da erst einmal wieder reinkommen muss. Weihnachten und Neujahr war ganz schön chaotisch und ich habe eine ganze Menge Dinge gegessen, die ich lieber nicht hätte essen sollen. Vor allen Dingen, was jetzt nicht gerade kaloriendichter war und süßer war als das, was ich normalerweise esse. Ich persönlich, finde es immer recht schwierig da wieder rauszukommen und zum Reset zu finden. Wenn ich aber erst mal wieder super gut drin bin, dann fällt es mir leichter, da auch drin zu bleiben.

Die ersten Tage, wenn man eine Ernährungsumstellung macht, gehen oft mit Müdigkeit, Erschöpfung und Fatigue einher. Das ist normal. Das ist nicht ein Zeichen davon, dass es mir nicht gut tut, oder ich irgendwie zu wenig Energie kriege, sondern es ist erst mal ein Zeichen von einer Umstellung. 

Vor allen Dingen, wenn ich Sachen meide, die ich vorher nicht gemieden hab. Also wer jetzt zum Beispiel umstellt auf glutenfrei oder auf caseinfrei, das kann gravierende Entzugserscheinungen hervorrufen. Also vor allen Dingen, wer Beta-Casomorphine oder Gluteomorphine ausbildet – das sind auf diese Stoffe ausgebildete morphinähnliche Stoffe vom Körper, welche tatsächlich abhängig machen und sie können Entzugserscheinungen hervorrufen. Das bedeutet, wirklich grippeartige Symptome, extreme Müdigkeit, extreme Erschöpfung, ganz ganz schlechte Stimmung bzw. schlechter Stimmungszustand.

Das habe ich jetzt Gott sei Dank im Augenblick alles nicht, weil ich das ja immer meide und auch die ganze Zeit gemieden habe. Aber bei einigen kann so etwas auftreten. Der Körper war eben vorher an wesentlich größere Energiemengen gewöhnt und wenn ich ihm diese wegnehme, dann findet er das nicht gut und auch das kann erst einmal Erschöpfungszustände hervorrufen.

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Dann gibt es den Zuckerentzugsblues, das haben manche auch extrem. Das kann eine ganze Woche dauern, bei manchen sogar länger, bis zu zwei Wochen. Das führt oft zu Kopfschmerzen und auch zu starker Müdigkeit, Erschöpfung einen insgesamt schlechteren Zustand. Also wer jetzt neu eingestiegen ist und sich erst einmal schlapp und müde und erschöpft fühlt: Das ist kein Zeichen dafür, dass das nichts für dich ist, sondern im Prinzip ein Zeichen, dass eine Umstellung stattfindet. Das wird auch garantiert besser – der Energiepush kommt noch. Vor allen Dingen, wer auch zeitgleich mit Sport angefangen hat.

Für alle, die nicht an der Abnehm-Challenge teilnehmen oder die das Abnehm-Programm nicht haben, nochmal erklärt: Wenn man mit Sport beginnt und die Funktion unserer Mitochondrien – also unserer winzig kleinen Energiekraftwerke voll ausnutzt, dann erkennt der Körper, welche von denen alle dysfunktional sind. Und die werden dann zerstört. Das nennt sich Apoptose – das ist der programmierte Zelltod.

Die Zellen oder Bestandteile von Zellen, die nicht gut funktionieren, werden vom Körper per programmierten Zelltod umgebracht. Diese fehlen dann erst einmal und zunächst habe ich plötzlich eventuell circa 30 Prozent Energiekraftwerke weniger als vorher. Und das merkt man natürlich erheblich. Aber in der Folge davon, produziert unser Körper jetzt neue Mitochondrien, die hoffentlich deutlich leistungsfähiger sind, größer sind und einen besseren Energie-Output haben. Und das heißt in der Folge, später ist ein deutlicher Energiepush zu erwarten.

Es ist also völlig normal, wenn man mit einem Sportprogramm beginnt, dass man abends das Gefühl hat: „Gott, wer hat mich denn überfahren?“ und wirklich einfach nur noch ins Bett fällt und sich erholen muss. Aber es kommt sehr schnell, das man merkt: „Okay, ich hab wieder deutlich mehr Energie. Es geht mir deutlich besser damit und ich fühle mich insgesamt fitter.“

Der Jojo-Effekt

Die zweite Sache, die ich gerne ansprechen möchte, weil das auch ganz oft gefragt wird und man hat es jetzt auch bei Benny ein bisschen gesehen, ist der Jojo-Effekt. Es ist nicht schädlich, wenn ich ständig abnehme und zunehme, wie wenn ich dauerhaft dick bin.

Das wird ganz oft als ein Argument angeführt, warum es sich quasi überhaupt nicht lohnt, mit einer Ernährungsumstellung, Diät oder ähnlichem anzufangen. Es gibt eben doch einen gewissen Anteil an Menschen, die in ihre alten Verhaltensweisen zurückfallen und dann doch wieder an Gewicht zunehmen. Das ist ganz einfach. Da gibt es gute Studien zu.

Nein: Jeder Tag, an dem ich weniger wiege, ist gut und gesund, verbraucht weniger Hormone, belastet meine Schilddrüse weniger stark, führt zu einer verminderten Ausschüttung von Entzündungshormonen, führt zu einem verminderten Bedarf an Hormonen im Körper. Das heißt, jeder Tag, an dem ich auch nur ein bisschen weniger wiege, ist für meinen Organismus und für mich gut.

Und auch, wenn jemand zum Beispiel mit Fasten-Protokollen immer mal fünf Kilo zunimmt und dann wieder fünf Kilo abnimmt, wieder fünf Kilo zunimmt und wieder fünf Kilo abnimmt, ist das nicht schlimm. Dieses Hoch und Runter ist nicht schädlicher, wie dauerhaft 30 Kilo mehr zu wiegen. Das Argument: ständig ab- und wieder zuzunehmen sei schädlich, ist ein Märchen – das ist definitiv nicht so. Tappt nicht in solche Fallen. Es lohnt sich immer anzufangen – es lohnt sich immer zu beginnen und es weiter zu versuchen und dranzubleiben. Und dass man mal Rückschläge hat oder sich Schübe entwickeln, das gehört leider einfach dazu.

Heute gab es wieder Rinderhüfte, kleingeschnitten mit Champignons und Gurke als Frühstück. Wie gesagt, ich bin da nicht so wahnsinnig kreativ. Ich kaufe immer für mehrere Tage ein und versuche, das dann auch schon so vorzubereiten, da es morgens möglichst schnell gehen muss. Ich fang sehr früh an zu arbeiten und muss auch noch meine Kinder wegbringen. Zum Mittagessen gab es Hühnchen, einfach ein bisschen mit grünen Kräutern. Ich benutze sehr gern Koriander, weil Koriander bei Schwermetallentgiftung hilft. Noch etwas Salz hinzugeben, fertig. 

Ich finde es lohnt sich absolut, sich gute Salze zulegen. Salze schmecken tatsächlich alle unterschiedlich. Wenn man wirklich gute Salze kauft, also Vulkansalze zum Beispiel oder rotes Salz – es lohnt sich da, die verschiedenen Möglichkeiten einfach mal auszuprobieren. Ich finde, dass ein gutes Stück Fleisch mit einem guten Salz auch ein tolles Geschmackserlebnis sein kann und dass es gar nicht hunderttausend Gewürzmischungen braucht, um etwas wirklich Leckeres zuzubereiten. Dazu gab es Brokkoli. Ich bin ein großer Freund von Brokkoli. Weil Brokkoli einen hohen Proteinanteil hat und eine sehr gute Mineralstoffzusammensetzung. 

Wer jetzt wieder sagt: „Aber bei der Schilddrüse, die Gemüse der Brassica-Familie, die blockieren ja die Schilddrüse und können goitrogen sein“, den möchte ich in diesem Zuge auf unser bereits veröffentlichtes Video zur „Brassica-Familie“ hinweisen. Ihr dürft Gemüse der „Brassica-Familie“ ruhig essen! Man müsste Unmengen davon essen und gepressten Saft davon trinken, damit das Probleme verursacht. Das wird nicht passieren.

Fragen rund um Hashimoto aus dem Live-Video

Gibt es auch Tipp’s für Vegetarier?

Vegetarier haben meistens das Problem mit der Abdeckung des Proteinanteils. Es gibt inzwischen sehr gute, gereinigte Proteine, die lectinfrei sind. Im Wesentlichen sind es oft die Hülsenfrüchten die Probleme machen, sie enthalten die Lectine. Es gibt Hülsenfrüchte-Proteine, die lectingereinigt sind. Diese enthalten eigentlich überhaupt keine Lectine mehr und werden zu 98 Prozent bereits im Dünndarm aufgenommen. Und rufen, zumindest laut Herstellerangaben, keinerlei allergische Reaktionen oder immunologische Reaktionen hervor.

Das ist eine sehr gute Alternative. Um seinen Energiehaushalt zu decken, muss man dann entsprechend mehr Gemüse essen und darf auch ein bisschen mehr kohlenhydrathaltige Sachen essen, wobei sich das eben auf den Insulinspiegel ungünstig auswirken kann. Da muss man einfach gucken was passt, ist ein bisschen tricky.

Die Tipps helfen grundsätzlich alle bei jeder Art von Autoimmunerkrankungen. Beim Abnehm-Programm geht es im Wesentlichen um Schilddrüsenerkrankungen. Das Programm selber ist aber so konzipiert, dass es erst einmal um die Elimination sämtlicher bei Autoimmunerkrankungen potenziell schädlicher Nahrungsmittel geht und nach und nach vorsichtig geguckt wird – welche sind für mich besonders schädlich. Das Lehrmaterial im Kurs ist sehr stark abgestimmt auf Schilddrüsenpatienten. Grundsätzlich funktioniert es für jeden damit man Gewicht verlieren kann. Wir schauen, welche Nahrungsmittel sind für mich unter Umständen problematisch und triggern meine Autoimmunerkrankung.

Wie lang ist die Eliminationsphase?

Der Kurs geht insgesamt 12 Wochen. Die AIP-Phase ist relativ kurz, die geht nur zwei Wochen, weil viele das nicht gut durchhalten. Es gibt aus dem letzten Jahr eine super tolle Beobachtungsstudie aus Kroatien mit 1.800 Autoimmunpatienten, wo man angeguckt hat – wer reagiert wirklich auf was. Die Studie fand ich super, weil das Autoimmunprotokoll sehr viel rausnimmt und sehr restriktiv ist.

Man hat in dieser Studie zum Beispiel festgestellt, dass von diesen 1.800 Patienten nur 9 Prozent auf Nachtschatten reagiert haben. 12 Prozent haben auf Saaten und Samen reagiert, also auch ein relativ geringer Anteil. 15 Prozent nur haben auf Eier reagiert aber ein sehr großer Anteil von ungefähr 50 Prozent hat auf Gluten und Milchprodukte reagiert. Und danach ist halt auch das Programm im Kurs aufgebaut, dass geguckt wird: was verträgt man und was nicht. Also zuerst werden die Nachtschatten rausgenommen und dann werden zum Beispiel die Nachtschatten als Erstes wieder eingeführt, weil das etwas ist, wo die meisten keine Probleme haben. 

Und dann werden auch relativ zügig die Eier wieder eingeführt, weil auch damit die meisten keine Probleme haben. Erst sehr spät werden die Milchprodukte wieder eingeführt. Gluten wird gar nicht wieder eingeführt. Das kann man, wenn man das selber will, hinterher machen. Ich bin der Meinung, dass man mit einer Autoimmunerkrankung grundsätzlich aus verschiedensten Gründen glutenfrei bleiben sollte.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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