Ratgeber

Jod - Diagnostik & Dosierung

Autor/in:
Sandy Bittner (Autoimmun-Expertin) Geprüft

geprüft von Eva-Maria Prasse (Ökotrophologin)
letzte Aktualisierung 08.03.2021

Leider geht nicht jeder minimale Jodmangel auch mit einem schlechten Befinden einher. Ganz und gar nicht. Und selbst, wenn Symptome auftreten, werden diese in der Regel nicht mit einem Jodmangel in Verbindung gebracht. Doch Jodmangel ist tatsächlich viel verbreiteter als landläufig angenommen, besonders im Bereich der Schilddrüsenerkrankungen, auch der autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen.

Deutschland gilt aufgrund jodarmer Böden als Jodmangelgebiet. Durch die Einführung von Jodsalz im Rahmen der Ernährung konnte die Jodversorgung zwar verbessert werden, jedoch bestätigen zahlreiche Studien, dass die Versorgung in sehr vielen Fällen nach wie vor nicht ausreichend ist. So kommen die Weltgesundheitsorganisation WHO, aber auch die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) oder das Bundesinstitut für Risikobewertung weiterhin zu der Einschätzung, dass Jodmängel häufig in Deutschland anzutreffen sind1 (Anm: Bei den Überlegungen dieser Einrichtungen und auch bei den Empfehlungen zur Dosierung wird lediglich der Bedarf der Schilddrüse berücksichtigt, der Bedarf weiterer Organe ist da nicht erfasst). 

Bestätigen können auch etliche Ärzte und Heilpraktiker diese Einschätzung, wenn sie in ihren Praxen einmal Jod in den Blick nehmen: Mittels diagnostischer Verfahren lässt sich bei sehr, sehr vielen Patienten ein Jodmangel feststellen.  

Jod benötigt verschiedene Co-Faktoren, um gut verstoffwechselt werden zu können, unabdingbar ist aber auf jeden Fall eine gute Versorgung mit Selen – andernfalls kann "der Schuss schnell nach hinten losgehen". Daher gehe ich auch auf die Co-Faktoren und besonders auf Selen am Ende dieses Artikels zusätzlich kurz ein. 

Diagnostik

Die Joddiagnostik ist leider ein wenig komplexer. Um zu überprüfen, ob überhaupt ein Mangel vorliegt, reicht die einfache Bestimmung aus dem Spontanurin vollkommen aus. Soll allerdings das genaue Ausmaß des Mangels bestimmt werden, sollte im zweiten Schritt ein sogenannter Jodsättigungstest durchgeführt werden, bei dem nach einer großen Gabe an Jod überprüft wird, wie viel wieder ausgeschieden wird.  

Jod im Spontanurin

Früher wurde für diese Bestimmung nur der Morgenurin herangezogen, doch neuere Untersuchungen (Studiengruppe um Professor Feldkamp aus Bielefeld) belegen, dass die Ergebnisse auch dann valide sind, wenn sie zu anderen Tageszeitpunkten erhoben werden. Es muss also nicht zwingend der Morgenurin sein. 

Wichtig ist allerdings, dass wenn man aus dem Spontanurin testen möchte, zwei Tage vorher keine größeren Jodmengen zu sich nehmen darf: keine Algen, kein Fisch, keine Meeresfrüchte, nichts, wo irgendwie verstärkt Jod enthalten sein sollte. Nur dann erhält man eine qualitative Aussage darüber, wie es in diesem Moment aussieht. Der Begriff „qualitativ“ meint dabei, dass nur eine Aussage darüber getroffen werden kann, ob in diesem Moment ein Mangel vorliegt oder nicht. Sollte ein Mangel festgestellt werden, dann kann über die Schwere des Mangels mittels dieses Testverfahrens keine Aussage getroffen werden. 

Außerdem ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass es nur eine Momentaufnahme darstellt: ein wirklich schwerer Jodmangel kann auf jeden Fall ausgeschlossen werden, ein mittlerer bis leichter kann aber trotzdem vorliegen. Bedeutend aussagekräftiger ist ein Jodsättigungstest. Daher stellt sich für viele Menschen die Frage: Warum wird dann nicht einfach dieser durchgeführt und auf die einfache Bestimmung aus dem Urin verzichtet?

Warum nicht direkt ein Jodsättigungstest?

Bevor ich gleich erkläre, wie ein Jodsättigungstest abläuft, möchte ich zwei Aspekte nennen, die relevant zu wissen sind:

  1. Beim Jodsättigungstest muss eine große Menge Jod genommen werden. Daher sollte eine Verträglichkeit, bzw. das Risiko einer thyreotoxischen Krise ausgeschlossen sein.
  2. Der Körper sollte die Möglichkeit erhalten haben, eine ausreichende Zahl an Natrium-Iodid-Symportern zu bilden.

Was sind Natrium-Iodid-Symporter? Es ist wichtig zu wissen, dass der Körper oftmals ein äußerst effizientes System ist. Zum Transport und zur Speicherung von Jod werden die sogenannten Natrium-Iodid-Symporter benötigt. Wird längere Zeit kein oder nur sehr wenig Jod zugeführt, dann werden diese Symporter abgebaut – salopp formuliert: „Brauchen wir nicht, kann dann weg!“ Wird in dieser Phase eine Testung durchgeführt, dann kann es schnell so aussehen, als wenn kein oder nur ein geringer Jodmangel vorliegt, da der Körper ein Großteil des Jods ausscheidet. Das krasse Gegenteil ist aber der Fall: Aufgrund eines (schweren) Mangels gibt es nicht ausreichend Symporter und der Körper ist schlicht und ergreifend nicht in der Lage, das Jod in sich aufzunehmen.

Daher ist es ratsam, zunächst eine ganze Weile auf eine gute Jodversorgung zu achten, damit sich das System der Natrium-Iodid-Symporter neu bilden kann und eine gute Versorgung und Speicherung überhaupt erst wieder möglich gemacht wird. Je nachdem, wie sensibel der Körper auf die (kleinen) Gaben an täglichem Jod reagiert, sollte ein Zeitraum von 4 – 12 Wochen in der Regel aber ausreichend sein.

Es gibt Menschen, die direkt zu Beginn einen Jodsättigungstest durchführen und dabei feststellen, dass wohl nur ein kleiner Mangel vorliegen müsse, weil so viel Jod wieder ausgeschieden wurde. Daraufhin erhöhen sie über einen gewissen Zeitraum die Jodzufuhr über die Ernährung oder supplementieren gezielt. 

Bei einem Kontrolltest geraume Zeit später wird dann festgestellt, dass nun viel mehr von dem Jod, was man im Rahmen des Tests zu sich genommen hat, aufgenommen und deutlich weniger ausgeschieden wurde. Dadurch entsteht der Eindruck, dass ein Jodmangel schlimmer geworden sei. Tatsächlich war aber der Mangel von Anfang an gleich stark vorhanden – vielleicht war er sogar noch deutlich ausgeprägter – es waren nur einfach keine Transporter für das Jod vorhanden…

Der Jodsättigungstest

Der Jodsättigungstest ist ein diagnostisches Verfahren, welches sich in den letzten Jahren durch verschiedene amerikanische Ärzte etabliert hat. Inzwischen bieten verschiede deutsche Labore diese Testverfahren ebenfalls an, z.B. das freie Labor in Ettlingen, Biovis oder das IMD in Berlin-Potsdam.

Zu Beginn des Tests wird eine sehr große Dosis (50 mg) an Jod eingenommen – das ist wirklich viel. Da Jod, welches vom Körper nicht aufgenommen werden kann, zunächst über den Urin ausgeschieden wird, wird im Laufe der folgenden 24 Stunden der Urin gesammelt und es wird dann überprüft, wie viel von den ursprünglichen 50 mg wieder ausgeschieden wird. Dabei gilt: Je kleiner die ausgeschiedene Menge ist, desto größer ist der Bedarf des Körpers und damit auch der vorliegende Mangel.

Unter folgenden Aspekten ist die Anwendung des Jodsättigungstests kontraindiziert:

  • die Verträglichkeit größerer Mengen Jod muss vorher geklärt sein
  • es dürfen keine autonomen Knoten vorhanden sein
  • es darf keine Neigung zu thyreotoxischen Krisen durch Jod vorhanden sein
  • die Schilddrüse darf nicht akut entzündet sein
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Dosierung

Tatsächlich lassen sich schlecht Dosierungen vorschlagen, die für alle gelten können. Sollen Jod (und / oder andere Mikronährstoffe wie z.B. Selen) zusätzlich supplementiert werden, sind vier Faktoren entscheidend, die sehr individuell sind:

  1. Wie ist die Ausgangslage? Liegt überhaupt ein Mangel vor? Falls ja, wie große ist er?
  2. Wie ist meine Ernährung? Die Menge, die durchschnittlich an Jod und Selen über die Ernährung aufgenommen werden, beeinflussen natürlich eine mögliche Dosierung an Supplementen. Jemand der gerne mal Fisch / Meeresfrüchte / Algen isst und dieses mindestens einmal pro Woche auf dem Speiseplan stehen hat, wird in der Regel weniger supplementieren müssen, als jemand, der einen großen Bogen um diese Lebensmittel macht.
  3. Wie hoch ist der individuelle Bedarf? Wie bei jedem Nährstoff gibt es Faktoren, die den individuellen Bedarf erhöhen können. Auch wenn es (grobe) Richtlinien in Form von Ernährungsempfehlungen der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) gibt, so passen diese nicht für jeden. Gerade Erkrankungen können den Bedarf individuell erhöhen.
  4. Besonders für die Einnahme von Jod empfiehlt es sich, einen Blick auf die notwendigen Co-Faktoren zu legen, die notwendig sind, damit das Jod auch gut verstoffwechselt werden.

Selen und Jod können toxisch sein. Beide Spurenelemente können überdosiert werden, was sehr unangenehme Folgen haben kann. Es kann aber auch sein, dass die eingenommene Menge noch nicht reicht, um den individuellen Bedarf zu decken. Klarheit kann nur eine Testung der Spiegel bringen. Daher sollte eine Diagnostik unbedingt erfolgen. 

Jod - Was muss ich wissen?

Rund um Jod ist zunächst einmal wichtig zu wissen, dass der Körper zwei verschiedene Arten an Jod benötigt. Das eine ist das molekulare Jod, das andere ist Kaliumjodid. Molekulares Jod ist als Einzelsubstanz sehr flüchtig.

Es gibt daher nicht viele Optionen, molekulares Jod zu sich zu nehmen. Der Körper kann zwar mittels chemischer Prozesse molekulares Jod herstellen, doch sollte bei einem nachgewiesenen Jodmangel dieser Kraftakt eher vermieden werden und ein Präparat gewählt werden, was einfach bereits beide Jod-Formen enthält, um einem Mangel schneller und adäquater begegnen zu können. 

Besonders empfehlenswert sind daher in der Regel Algen: Sie sind sehr gute Jodlieferanten, enthalten beide Jod-"Arten" und können einfach in den Speiseplan als natürliches Lebensmittel integriert werden. Algen können – je nach dem, wo sie geerntet werden – radioaktiv belastet sein. Empfehlenswert sind daher Algen, die über einen Bio-Anbieter bezogen werden. In der Regel werden diese dann in biologischen Becken vor den Küsten  Frankreichs gezüchtet. Diese werden regelmäßig auf radioaktive Belastung und auf eine Belastung mit Schwermetallen überprüft. Es gibt tatsächlich auch kein Lebensmittel mit einem höheren Jodgehalt – auch Fisch und andere Meerestiere kommen an den Jodgehalt von Algen nicht heran.

Im Bereich der Supplemente ist besonders Kelp zu empfehlen. Alternativ kann man mit Lugolscher Lösung arbeiten. Hier gilt es aber einiges zu beachten und man sollte sich vor Gebrauch schlau machen. Die Viktoria-Apotheke in Saarbrücken ist – unseres Wissens nach – die einzige Apotheke, die molekulares Jod auch in Kapselform herstellt. Da Algen und auch Supplemente aus Algen bei einer Histaminunverträglichkeit häufig als Option ausfallen, bietet sich sonst auch das „Iodine“ der Firma Prue encapsulations an. Wir haben es in unserem Shop nicht gelistet, können es auf Wunsch aber bestellen.

Wie viel Jod sollte es am Tag sein?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Jugendliche und Erwachsene eine Jodaufnahme von 180 – 200 mcg täglich. Für Kinder gelten niedrigere Werte. In Schwangerschaft und Stillzeit wird ein höherer Bedarf von 230 mcg, bzw. 260 mcg angegeben2.  

Wichtig zu wissen: Die offiziellen Angaben zum Jodbedarf orientieren sich ausschließlich an dem Bedarf der Schilddrüse. Doch auch das Ovar / die Hoden, die Brustdrüse, das Gehirn und viele weitere Organe – letztlich jede Zelle – benötigen Jod. Und dieser Bedarf ist in den Angaben der DGE nicht erfasst. "Nach heutigen Schätzungen benötigt die Schilddrüse circa 30 Prozent der gesamten Jodzufuhr, die restlichen 70 Prozent verteilen sich auf die anderen Körperorgane."3

Die Angaben zur tatsächlichen, durchschnittlichen Jodaufnahme eines Erwachsenen in Deutschland sind nicht einheitlich. Einige Quellen sprechen von ca. 100 mcg am Tag4 andere sprechen von ca. 75 mcg (wenn Jodsalz streng gemieden wird)  bis schätzungsweise ca. 150 mcg5. Egal, welche Angabe nun korrekt ist, eines haben sie alle gemeinsam: Der tägliche Bedarf der Schilddrüse wird mit diesen Mengen nicht gedeckt – vom Bedarf der anderen Organe ganz zu schweigen. 

Da unterschiedliche Faktoren den individuellen Bedarf beeinflussen können, kann keine Aussage zu einer individuellen Dosierung gegeben werden. Beeinflussende Faktoren können sein:

  • bedarfserhöhend: z.B. Größe der Brustdrüsen / Brustvolumen, hormonelle Dysbalancen / Östrogendominanz, Selenmangel, hoher Kaffee- / Teekonsum, Alkoholabasus, Schwangerschaft, Stillzeit
  • (vorübergehend) bedarfserniedrigend: schlecht ausgeprägtes System an Natrium-Iodid-Symportern

Zur Bestimmung des individuellen Bedarfs sollte auf jeden Fall eine begleitende Diagnostik zu Rate gezogen werden. 

Jod als Supplement?

Wer den Bedarf über die Ernährung nicht decken kann oder möchte, der sollte sich darüber Gedanken machen, Jod zu supplementieren. 

Wir raten zu Beginn dazu, mit Kelp (enthält molekulares Jod und Kaliumjodid) anzufangen, in einer kleinen Dosierung. Wie klein diese Dosierung ausfallen muss, kann sehr individuell sein. Die meisten Menschen haben mit Kelp (225 mcg pro Tablette) kein Problem. Wem dieses zu viel ist, der kann die Tablette auch zu Anfang halbieren oder vierteln. Wer sehr sensibel reagiert, so dass auch eine geviertelte Kelp-Tablette zu viel ist, der kann auf Schüssler Salze zurückgreifen. Diese enthalten nur 4 mcg Jod pro Tablette. Wer anfangs so sensibel auf die Gabe von Jod reagiert, sollte unbedingt am Ball bleiben und nach den Gründen suchen, warum die Versorgung mit Jod zu Problemen führt. Jod ist ein essenzielles Spurenelement und jeder Mensch benötigt es, selbst wenn er keine Schilddrüse mehr haben sollte. So etwas wie eine "Jod-Allergie" gibt es nicht. Mehr zu diesen Aspekten findest du in den Artikeln "Jod und die Schilddrüse" sowie "Jod und Frauengesundheit". 

Im weiteren Verlauf sollte die Dosis dann langsam auf bis zu 1 mg Jod gesteigert werden – das ist dann auch für eine „Low-Dosis-Jod-Therapie“ relativ viel. Hat man dieses eine Weile genommen, dann kann man sich relativ sicher sein, Jod gut zu vertragen. Und erst dann kann man sich ggf. an höhere Dosierungen herantrauen, bzw. einen Jodsättigungstest in Angriff nehmen.

Wichtig: Eine plötzliche, sehr große Gabe von Jod kann eine thyreotoxische Krise hervorrufen. Das ist zwar eine seltene Reaktion, aber es kann passieren. So gab es auch schon Menschen, bei denen nach dem Genuss eines Algensalats aufgrund einer thyreotoxischen Krise ein Herzstillstand eintrat und sie wiederbelebt werden mussten.

Außerdem muss unbedingt auf eine gute Selenversorgung sowie eine gute Versorgung mit den weiteren Co-Faktoren geachtet werden.  

Co-Faktoren

Sehr gut, auch mit den Co-Faktoren, ist man in der Regel versorgt, wenn man seinen Jodbedarf über seine Ernährung deckt, denn in den entsprechenden Lebensmitteln (in erster Linie Fisch, Meeresfrüchte und Algen) sind auch alle wichtigen Co-Faktoren in einer optimal bio-verfügbaren Form enthalten. Wer sich jedoch für eine Supplementation entscheidet, sollte die gute Versorgung mit den Co-Faktoren ebenfalls im Blick behalten. Für einige dieser Nährstoffe haben wir eigenständige Beiträge im Blog, diese sind dann entsprechend verlinkt:

  • Selen (ganz wichtig, sh. unten)
  • Magnesium
  • Vitamin B2
  • Vitamin B3
  • Vitamin C
  • Zink
  • Eisen
  • Vitamin A
  • Omega-3-Fettsäuren (insbesondere DHA und EPA)

Selen

Wie eingangs schon erwähnt, ist besonders das Zusammenspiel von Jod und Selen extrem wichtig. Die alleinige Gabe von Jod ohne eine ausreichende Selenversorgung kann zu Problemen mit der Schilddrüsen führen. Mehr dazu findest du im Artikel "Jod und die Schilddrüse". 

Daher möchten wir an dieser Stelle noch kurz ein paar Worte zu Selen verlieren.

Diagnostik

Die Selendiagnostik ist sehr einfach. Am besten wird ein Spiegel aus dem Vollblut bestimmt. Als Einzelbestimmung kostet diese etwa 11 € und die meisten Labore bieten diese Untersuchung an. Man kann sie in einem „freien Labor", die es in der Regel in jeder größeren Stadt gibt, auch selbst veranlassen. Natürlich kann der Wert aber auch im Rahmen einer größeren Untersuchung, z.B. "Mikronährstoffe aus dem Vollblut" ermittelt werden.

Dosierung

Deutschland gilt aufgrund der eher selenarmen Böden als Selenmangelgebiet. Während die DGE eine tägliche Zufuhr von 30 – 70 mcg empfiehlt, sehen viele Wissenschaftler die optimale Selenmenge bei täglich 100 – 300 mcg – auch um einen Beitrag zur Prävention von Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leisten2. Daher kann für den Anfang meist gut mit 200 mcg dosiert werden. Ein besonderes Augenmerk sollte daraufgelegt werden, dass die verschiedensten Präparate häufig auch Selen enthalten. Besonders in Multi-Mineralstoff-Komplexen ist in der Regel immer Selen enthalten. Bevor also Selen ggf. als Einzelsubstanz supplementiert wird, sollte vorher einmal überprüft werden, wie hoch die Summe des bereits zu sich genommen Selens mittels anderer Präparate tatsächlich ist.

Darüber hinaus wird Selen meist in einer Verbindung gegeben. Üblich sind hier Selenomethionin und Natriumselenit. Tendenziell kann durch die Methionin-Verbindung schneller eine Überdosierung erreicht werden. Etwas empfehlenswerter ist daher die Einnahme von Natriumselenit.

1 vgl. https://www.bfr.bund.de/de/jodversorgung_in_deutschland_wieder_ruecklaeufig___tipps_fuer_eine_gute_jodversorgung-128626.html 
1 vgl. https://www.dge.de/presse/pm/jodunterversorgung-wieder-auf-dem-vormarsch/
2 vgl.https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/
3 Kauffmann, Kyra; Kauffmann, Sascha und Hoffmann, Arno, 2021, S. 59
4 Gröber, Uwe, 2008, S. 143
5 Gröber, Uwe, 2008, S. 127

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Quellen:

Bundesinstitut für Risikobewertung: "Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig" vom 09.02.2021, unter:  https://www.bfr.bund.de/de/jodversorgung_in_deutschland_wieder_ruecklaeufig___tipps_fuer_eine_gute_jodversorgung-128626.html (letzter Abruf: 08.03.2021)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: "Jodunterversorgung wieder auf dem Vormarsch" vom 29.01.2013 unter: https://www.dge.de/presse/pm/jodunterversorgung-wieder-auf-dem-vormarsch/ (letzter Abruf: 08.03.2021)

Gröber, Uwe: "Orthomolekulare Medizin – Ein Leitfaden für Apotheker und Ärzte", 3. Auflage, Wissenschaftliche Verlags mbH, Stuttgart, 2008

Henrichs, Dieter: "Handbuch Nähr- und Vitalstoffe", 4. Auflage, Constantia Verlag, Leer, 2005

Kauffmann, Kyra; Kauffmann, Sascha und Hoffmann, Arno: "Jod . Das Standardwerk zum vergessenen Heilmittel – aktualisiert und mit 60 jodreichen Rezepten", 3. Auflage, systemed im riva Verlag, München, 2021

Koch, Simone: "Wissenspaket Jod", Online-Produkt der Autoimmunhilfe, erschienen im Mai 2019, letzter Abruf: 28.02.2021

Schauder, Peter und Ollenschläger, Günter: "Ernährungsmedizin – Prävention und Therapie", 3. Auflage, Urban & Fischer Verlag, München, 2006

Strunz, Ulrich und Jopp, Andreas: "Mineralien – Das Erfolgsprogramm", 9. Auflage, Heyne-Verlag, München, 2005

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