Diagnosen von Schilddrüsenerkrankungen und Diagnose der Hashimoto-Thyreoiditis

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Es gibt viele klassische Symptome, die für eine Schilddrüsenerkrankungen oder eine Hashimoto-Thyreoiditis sprechen. Nehmen wir mich als Beispiel und wie es sich bei mir bemerkbar gemacht hat.

Meine Startsymptome waren extremer Haarausfallstarker Gewichtsverlust und totale Schlaflosigkeit. Wenn man im Medizinstudium aufgepasst hat, dann denkt man sofort an Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), für die alle drei Symptome sprechen. Heutzutage werden viele dieser Symptome mit Stress begründet, was für unsere heutige Gesellschaft schon fast normal ist. Das Problem ist, dass eben auch ganz viele Ärzte sagen: „Sie haben zu viel Stress!“. Oft bekommt man auch zu hören: „Sie sind depressiv.“ oder „Sie haben einfach einen an der Waffel!“. Das sagen sie natürlich nicht so direkt, aber denken es eventuell. Das sind meine ganz persönlichen Erfahrungen.

Nehmen wir einen anderen Patienten, dessen Ursprungssymptome totale Müdigkeit und Erschöpfungdepressive Verstimmungtrockene und talgige HautAntriebslosigkeit und Gewichtszunahmewaren. Auch diese Symptome, wenn man sie als Ganzes betrachtet, sprechen eigentlich sofort für eine Schilddrüsenunterfunktion. Leider wurde auch hier erst einmal auf larvierte Depression beziehungsweise auf Depression getippt und behandelt.

Weniger klassische Symptome können sein:

  • Herzbeschwerden jeglicher Art
  • funktionelle Herzbeschwerden
  • Extrasystolen
  • Tachykardien (zu schneller Herzschlag)
  • Palpitation (man spürt sein Herz schlagen)
  • Kälte
  • Hitzeunverträglichkeit
  • Muskelschmerzen
  • Angststörungen
  • Panikattacken
  • Antriebslosigkeit
  • Parthien
  • und viele mehr

Wie lässt sich eine Schilddrüsenerkrankung oder eine Hashimoto bestimmen?

Wenn du vermutest, du hast eine Schilddrüsenerkrankung und gehst zum Arzt, was sollte dieser tun um feststellen zu können, ob du eine Schilddrüsenerkrankung oder vielleicht sogar speziell eine Hashimoto-Thyreoiditis hast?

Zum ersten sollten die Schilddrüsenwerte bestimmt werden und da, ganz wichtig, nicht nur der TSH-Wert. Laut Dr. Datis Kharrazian, gibt es 25 verschiedene Arten der Schilddrüsenunterfunktion und nur in Bruchteilen davon kann man über den TSH diagnostizieren. Auch beim Menschen gibt es das sogenannte Euthyroid-Sick-Syndrom. Hier ist der TSH völlig normal aber die betroffene Person hat trotzdem sehr schlechte freie Werte und eine signifikant starke Schilddrüsenunterfunktion, bei einem völlig normalen TSH. Es sollte also auf jeden Fall der TSH, der T3 und der T4 bestimmt werden.

Ebenfalls, wenn man es richtig machen will, sollte nach Möglichkeit auch noch der reverses T3 bestimmt werden. T4 ist die Speichersubstanz, die im Wesentlichen von der Schilddrüse produziert wird. Circa 96 Prozent der Hormone, die die Schilddrüse produziert, sind T4 und wird dann im Körper zu etwa 80 Prozent in das T3 umgesetzt. Die restlichen 20 Prozent werden, wenn alles normal läuft, in das reverses T3 umgesetzt.

Reverses T3 kann sehr nützlich sein. Viele sagen, desto niedriger, desto besser. Das stimmt so nicht. Wenn ich zum Beispiel eine Situation habe, in der ich mich überlaste und für mich einfach alles zu viel ist, ich sehr krank bin oder stark verletzt wurde, dann fährt das reverses T3 stark nach oben und sorgt dafür, dass alle meine Körperfunktionen verlangsamt und reduziert werden. Das hat zur Folge, dass ich müde und antriebslos werde. Ich soll mich schonen und mein Körper soll so mehr Möglichkeiten zur Regeneration bekommen. Das reverses T3 ist also durchaus nützlich und von unserem Körper gut vorgesehen, wenn es in der richtigen Menge produziert wird.

Das reverses T3 hat eine längere Halbwertszeit als T3. Das bedeutet, wenn nun das System kippt, zum Beispiel in 70 zu 30, dass dann die Rezeptoren, weil beide gehen an die gleichen Rezeptoren, durch das reverses T3 dauerhaft besetzt werden und nicht mehr vom T3 verdrängt werden können. Durch längere Halbwertszeit des reverses T3 sitzt es länger auf den Rezeptoren als das T3. Das heißt, wenn ich ein sehr hohes T3 habe und ein relativ niedriges T4, dann kann das ein Zeichen dafür sein, dass mein Körper überstimuliert ist und sehr viel T3 haben will. Wenn ich mich aber trotzdem total erschöpft und antriebslos fühle und vielleicht auch noch Herzsymptome (Palpitationen) habe, also spürbarer Herzschlag, Extrasystolen oder Karikadien, dann sollte man auf jeden Fall auch das reverses T3 mitbestimmen lassen. Das machen nicht so viele Labore in Deutschland. Hier sollte man sich ein wenig umhören und sich dadurch nicht abbringen lassen, den reverses T3 mit bestimmen zu lassen.

Wie wird eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert?

Die Werte wurden bestimmt und wir haben nun die Diagnose Schilddrüsenunterfunktion. Hier stellt sich die Frage, wie genau diagnostiziere ich das? Was muss ich nachschauen? Es gibt einen Normbereich und der geht von ganz unten bis ganz oben. Man kann sich vorstellen, dass jemand, bei dem die Schilddrüsenwerte gerade so über der Norm sind, sich bei Weitem nicht so gut und gesund fühlt wie jemand, der die Schilddrüsenwerte im oberen Normbereich hat.

Was ist normal?
Man hat in Amerika einen relativ großen Anteil gesunder und fitter Studenten untersucht, deren Schilddrüsenwerte in etwa um die 50 Prozent lagen. Wie berechnet man das? Am besten sucht man online einen Schilddrüsenrechner raus und tragt die Werte dort ein.

Jetzt schaut man, wo innerhalb dieser Range, also dieser Normwertverteilungskurve, bin ich? Bei wie viel Prozent dieser Normwertverteilungskurve? Bei einem gesunden Menschen sollten beide Werte um die 50 Prozent liegen. Hier ganz wichtig, wenn ich keine Medikamente nehme. Unter Medikation sieht das, je nachdem was ich nehme, ein bisschen anders aus. Es darf auch gerne ein bisschen drüber sein. Manche fühlen sich auch mit Schilddrüsenwerten um die 70 Prozent wohl aber deutlich unter den 50 Prozent sollte man nicht liegen. Das ist ein Zeichen, das etwas nicht so ganz optimal läuft. Sind die Schilddrüsenwerte am untersten Ende (4 oder 5 Prozent), kann man davon ausgehen, dass es eine funktionelle Hypothyreose (funktionelle Schilddrüsenunterfunktion) ist oder von Medizinern auch gerne latente Unterfunktion genannt. Damit kann man sich schon ganz schön mies fühlen. Ich finde, dass auch bei einer dauerhaften und schon lange bestehenden latenten Unterfunktion ein Behandlungsversuch, auch mit Hormonen, auf jeden Fall eine Möglichkeit ist um zu schauen, profitiert der Patient davon, fühlt er sich damit wesentlich besser.

Bin ich an Hashimoto-Thyreoiditis erkrankt?

Wenn wir jetzt festgestellt haben, dass eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegt, dann ist jetzt natürlich die große Frage, woher kommt das? Ist es eine Hashimoto-Thyreoiditis, ist es tatsächlich eine autoimmune Erkrankung gegen die Schilddrüse? Um diese Fragen zu beantworten, sollte man als erstes die Antikörper prüfen. Am häufigsten sind die TPO-Antikörper oder auch MAK. Die am zweithäufigsten sind die Thyreoglobulin-Antikörper oder auch TAK. Dann sollten auch die TSH-Rezeptor-Antikörper (TRAK) mitbestimmt werden, weil es häufig Mischerkrankungen wie Hashimoto Basedow gibt. Basedow ist die autoimmune Überfunktion der Schilddrüse. Was man eventuell auch noch mitbestimmen lassen sollte, sind unspezifische Antikörper gegen DNA, also gegen den Nucleolus in der DNA, das sind die sogenannten ANAs. Es gibt auch einen Teil von Hashimoto-Thyreoiditen die nur positive ANAs haben. In seltenen Fällen gibt es die sogenannten seronegativen Hashimoto-Thyreoiditen. Das heißt, alle Antikörper im Blut sind negativ, dennoch wird die Schilddrüse immer kleiner, es besteht eine Schilddrüsenunterfunktion. Der Goldstandard, das ist der nächste Schritt, ist der Ultraschall. Wenn im Ultraschall die Hashimoto-Thyreoditis diagnostiziert wurde, dann hast du eine Hashimoto-Thyreoditis, völlig egal was die Antikörper machen.

Andersherum kann es sein, der Ultraschall sieht super schön aus und du hast aber Antikörper, dann hast du auch eine Hashimoto-Thyreoiditis. Glücklicherweise aktuell nicht im Schub und dann sollte man alles tun, um Schübe zu verhindern. Wenn es noch keinen ersten Schub gab, sollte man dafür sorgen, dass es nicht zu einem Erstschub kommt und die Schilddrüse in ihrer Funktion erhalten bleibt und nicht zerstört wird.

Was noch gemacht werden kann ist ein Szinti. Vor allen Dingen, wenn ein Verdacht auf Knoten und Autonomien besteht, also auf Bereichen der Schilddrüse, die unabhängig von der Hirnfunktion unsere Schilddrüsenhormone produzieren. Oder auch auf kalte Knoten. Kalte Knoten sind immer verdächtigt auf etwas Bösartiges. Besteht hier ein Verdacht, dann sollte auch eine Schilddrüsenszintigraphie gemacht werden. Ganz wichtig, finde ich persönlich, ist die Szinti nicht.

Ich würde diese nur machen, wenn man wirklich einen Verdacht hat, dass da etwas neues sein könnte. Ansonsten tut es auf jeden Fall der Ultraschall. Die Szintigraphie ist durch die Jodzugabe immer auch ein Risiko, dass es zu einem Schub oder zum Wiederaufflackern der Erkrankung kommen kann.

Was kostet die Bestimmung in einem freien Labor?

Bleibt am Ball und lasst euch nicht mit einem „Sie sind depressiv!“ oder nur mit der Bestimmung des TSH abspeisen. Besteht auf die genannten Werte. Sicher ist es für dich auch wichtig zu erfahren, was das alles kostet. Ganz besonders dann, wenn dir niemand so richtig glauben will. Was machst du dann? Dann geht man einfach zu einem freien Labor, die gibt es in fast jeder Stadt. Man kann eigentlich zu jedem Labor hingehen und sagen: „Hier ist mein Arm, bitte nehmt mir das und das ab.“ und dass zahlt man dann selbst. Manchmal ist das viel einfacher als diese ganzen Diskussionen.

  • Einmal die Schilddrüsenwerte, TSH, FT3, FT4 kosten knapp 33 Euro.
  • Das reverses T3 kostet ungefähr 38 Euro.
  • Die Antikörper kosten alle um die 23 Euro.

Du siehst, wenn man alles bestimmen lässt und selber zahlt, dann ist man leider auch eine Stange Geld los. Fürs Erste, würde ich den TSH, FT3, FT4 bestimmen lassen um zu schauen, ist es vielleicht die Schilddrüse, dann hat man schon mal eine Richtung. Bei mir war es unmittelbar nach der Geburt meines großen Kindes. Ich war bei ganz vielen Therapeuten und Ärzten und mir wurde eine postpartale Depression diagnostiziert. Niemand war bereit, mir überhaupt Blut abzunehmen. Weil alle der Meinung waren, es muss nicht gemacht werden, ich habe sowieso eine postpartale Depression.

In dem Sinne, lasst auf jeden Fall die Schilddrüsenwerte bestimmen, die 33 Euro sind es wert. Ich habe mir das dann damals selber abgenommen, sonst wäre ich nur noch wesentlich länger in dieser Mühle drin gewesen, da mir irgendwie keiner vernünftig helfen wollte und es immer hieß, ich habe eine postpartale Depression, die ich definitiv nicht hatte.

Insofern, lasst euch nicht mit psychischen Diagnosen abspeisen. Klar kann man sich auch irren aber meistens haben wir ein viel besseres Körpergefühl als viele denken. Und wenn man das Gefühl hat, mit mir stimmt irgendetwas nicht, es schmerzt, es drückt, es ist heiß, es ist unangenehm, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich daher kommt, meiner Meinung nach sehr hoch. Und dann lohnen sich die 33 Euro um das herauszukriegen und zu beweisen, wenn es sonst keiner für euch tun will.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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