Hashimoto und Kinderwunsch

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Wenn man Hashimoto-Thyreoiditis hat oder an einer Schilddrüsenunterfunktion erkrankt ist, ist es tendenziell schwieriger, schwanger zu werden. Ab und zu kursieren im Internet Gerüchte, dass man mit Hashimoto nicht schwanger werden kann. Das ist Blödsinn! Und viele Gegenbeispiele zeigen, dass dies nicht wahr ist. Aber es ist tatsächlich so, dass eine Schilddrüsenunterfunktion bzw. eine unerkannte Schilddrüsenunterfunktion, in ganz vielen Fällen die Ursache dafür ist, dass eine Schwangerschaft nicht eintritt und deutlich erschwert wird.

Woran liegt es, dass Hashimoto den Kinderwunsch erschweren kann?

Die Hashimoto greift nicht nur in die Schilddrüsenhormone ein, sondern auch das Ungleichgewicht in den Schilddrüsenhormonen und vor allen Dingen aber die chronische, stille Entzündung, die eine Autoimmunerkrankung immer ist, beeinflusst ganz stark den Steroidhormonhaushalt. Das heißt, in sehr vielen Fällen, kommt es zu einem Absinken der Libido und zu insgesamt schlechter Lubrikation.

Das bedeutet, die Schleimhäute werden nicht mehr so gut feucht. Oft führt dies auch zu einer Verminderung der Orgasmusfähigkeit, des sexuellen Empfindens und der Erregungsfähigkeit. Häufig sind die Hormone nicht im Normalbereich. Bei Männern ist es oft ein Testosteronmangel und bei Frauen ist es in sehr vielen Fällen ein Östrogenmangel, ein deutlicher Östrogenmangel, mit einer gleichzeitigen Östrogendominanz, dadurch dass fast immer auch zu wenig Progesteron, also das Gelbkörperhormon, ausgeschüttet wird.

Wie steht es mit deiner Schilddrüsenfunktion?

In erster Instanz gilt die Schilddrüse als Ursache aber auch der chronisch entzündliche Prozess und die Autoimmunerkrankung selber. Das heißt, wenn ein Kinderwunsch vorhanden ist und es besteht eine Autoimmunerkrankung, dann sollte man als erstes die Schilddrüsenfunktion so optimal wie möglich einstellen. Möglichst in einem recht hohen Bereich. Es sollte wirklich eine absolute Optimaleinstellung sein. Arbeitet man mit Eltroxin, bedeutet das, der TSH sollte auf jeden Fall unter 1 sein und die freien Hormone sollten sich im Bereich um die 50 Prozent bewegen. 

Wenn man mit einem Schilddrüsenextrakt arbeitet, sollte man die freien Hormone in einem recht hohen Bereich einstellen, mit einem hohen T3 über 75 Prozent und nach Möglichkeit einem T4 um die 50 Prozent. Der TSH ist in diesem Fall fast immer supprimiert, das heißt, er ist bei 0,00… aber diese Suppremierung des TSH macht hinsichtlich der Möglichkeit schwanger zu werden gar nichts. Geht man in ein Kinderwunschzentrum oder zum Gynäkologe und diese sehen diese Werte, dann heißt es oft: „Um Gottes Willen, Sie sind in der Überfunktion. Damit können Sie nicht schwanger werden.“ Das stimmt definitiv nicht und ich weiß das zu 100 Prozent sicher aus der Erfahrung mit meinen Patienten.

Aktuell habe ich sehr viele schwangere Patienten. Viele Patienten durfte ich auch während der Schwangerschaft begleiten und inzwischen sind sie stolze Eltern. Hier hat sich mehrfach gezeigt, dass man sehr gut schwanger werden kann, auch mit einem supprimierten TSH und das man auch mit einem suppremierten TSH problemlos durch die Schwangerschaft gehen und ein gesundes Kind bekommen kann. Fazit: Prüft als erstes eure Schilddrüsenwerte.

Befinden sich deine Östrogenwerte im optimalen Bereich?

Wenn sich eure Schilddrüsenwerte in einem guten Bereich befeinden und es trotzdem nicht klappen will, empfehle ich als nächstes die Geschlechtshormone prüfen zu lassen. Optimalerweise sollte in der ersten Zyklushälfte der Östrogenwert um die 80 liegen und in der zweiten Zyklushälfte, am 20. Zyklustag, so um die 120. Alles deutlich darunter ist zu wenig und kann dafür sorgen, dass eine Schwangerschaft nicht vernünftig eintritt. In der zweiten Zyklushälfte sollte das Progesteron über 14 liegen, bei den üblichen Normeinheiten.

Mit natürlichen Mitteln Hormone positiv beeinflussen

Sehr sinnvoll ist die Arbeit mit Phytotherapeutika, das heißt, mit Kräutern. Sehr bekannt ist hier zum Beispiel beim Progesteron, im Progesteronstoffwechsel, Agnus castus, der Mönchspfeffer. Hier kann man nicht viel falsch machen. Die Dosierungen, die es in Deutschland zu kaufen gibt, sind sehr niedrig. Ich darf keine konkreten Empfehlungen geben. Schau einfach mal im Netz und recherchiere ein wenig, wie das in anderen Ländern gehandhabt wird und welche Mengen an Mönchspfefferextrakt da gegeben werden. Oftmals ist es viel mehr und auch in Studien wurde fast immer eine Menge von 40 mg Mönchspfefferextrakt gegeben. In Deutschland sind nur Präparate mit 4 mg Mönchspfefferextrakt erhältlich. Mönchspfeffer kann dann schon eine sehr gute regulierende Wirkung haben.

Der Einsatz von Hopfen

Hinsichtlich des Östrogens, was da zum Beispiel sehr hilfreich sein kann, ist Hopfen. Fast alle kennen bei Männern, die sehr viel Bier trinken, die sogenannte Bierbrust. Die kommt dadurch, dass Hopfen tatsächlich die Östrogenproduktion drastisch anregt und bei Männern dazu führen kann, dass sich eine sogenannte Gynäkomastie, also eine verweiblichte Brust, ausbildet. Bei Frauen kann dieser Effekt sehr erwünscht sein. 

Männer hingegen sollten deswegen Hopfen eigentlich komplett meiden, wenn es irgendwie geht. Wenn Du ein Mann bist und eine Autoimmunerkrankung hast solltest Du kein Bier trinken. Das sind die Gründe: Erstens, Männer neigen sowie schon zu Östrogendomination und dann noch mehr Östrogen und zweitens Gluten, wo wir in einem anderen Video mal zu kommen. Aber ja, prinzipiell, Hopfen bei Frauen kann einen sehr positiven Effekt haben.

Was vielen vielleicht schon aufgefallen ist, wenn sie eins, zwei Bier getrunken haben, das Hopfen ein bisschen melancholisch machen und eine melancholische Stimmung verursachen kann. Wenn man das bemerkt, dann sollte man es lieber lassen und etwas anderes benutzen und gucken, ob das gut funktioniert. Ansonsten würde ich es bei Östrogenmängelzuständen als erstes mit Hopfen versuchen.

Der Einsatz von Zink

Testosteronmangel, was da als erstes sehr nützlich und eigentlich nebenwirkungsfrei ist, ist Zink. Fast immer gehen Autoimmunerkrankungen mit einem niedrigen Zinkspiegel und Zinkmangel einher. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Zink verantwortlich für DNS Reparaturen ist und wenn ich eine Autoimmunerkrankung habe, wird immer in regelmäßigen Abständen relativ viel Gewebe zerstört und für die Reparatur dieses Gewebes, wird sehr viel Zink verbraucht.

Zweite Ursache sind Darmmobilitätsstörungen, dass Zink über den Darm verloren geht und schlecht über den Darm aufgenommen wird. Hier lohnt sich den Zinkwert im Vollblut zu prüfen. Wenn die Zinkspiegel halbwegs gut sind, dann nimmt man weniger Zink und wenn die Zinkspiegel sehr schlecht sind, dann mehr. Zink hilft als natürlicher Aromatasehemmer, das deutlich weniger Testosteron weiter verarbeitet wird in Östrogen und den Testosteronspiegel entsprechend ein bisschen höher zu halten. 

Wer das ganz viel macht und woher das sehr gut untersucht und bekannt ist, ist aus dem Bodybuildingbereich. Hier wird zum Teil mit sehr hohen Zinkdosen gearbeitet und auch geguckt, dass die Zinkspiegel auf einer sehr hohen Ebene sind, um diesen natürlichen Effekt als Aromatasehemmer nutzen zu können. Das ist erst einmal das einfachste und da sehr nützlich.

Weitere natürliche Kräuter

Ansonsten ist Heidelbeerextrakt super um den Hormonhaushalt zu stabilisieren. Relativ unbekannt ist Hirschwurzel. Hirschwurzel ist eine Pflanze, hat nichts mit dem Hirsch zu tun und wirkt harmonisierend auf den Testosteronstoffwechsel.

Vorsicht beim Einsatz von Phytoöstrogenen

Bei den Phytoöstrogenen wäre ich vorsichtig. Rotklee oder Sojaflavonide, werden in unserem Körper in Metaboliten umgesetzt, die die Autoimmunerkrankung eher antriggern können. Ich würde keine Xenoöstrogene nehmen, sondern lieber z.B. Hopfen. Er verbessert die körpereigene Östrogenproduktion. Bei den Xenoöstrogenen oder Phytoöstrogenen weiß man nicht genau, was in der Folge passiert. Es gibt relativ viele Studien, die darauf hinweisen, dass sie eventuell auch Schubtrigger sein können. Deshalb rate ich von der Einnahme dieser ab.

Du siehst, es gibt verschiedene, auch natürliche, Möglichkeiten, wie man die Hormone beeinflussen kann. Diese können eine Schwangerschaft begünstigen, allerdings nicht unbedingt die Ursache bekämpfen. Wenn die Schilddrüsenfunktion sehr gut eingestellt ist, ist hier noch immer die Autoimmunerkrankung selber und die stille Inflamation, die das Schwangerwerden beeinflussen.

Wie beeinflusst der BMI das Schwangerwerden?

Das Gewicht spielt bei der stillen Inflamation eine große Rolle, dazu wird es noch ein extra Video geben. Ganz entscheidend bei Kinderwunsch und wenn es einfach nicht klappt, kann Übergewicht sein. Ziel ist, das Gewicht in einen guten Normalbereich zu bringen, am besten in den mittleren BMI-Bereich. Dafür gibt es eine signifikant höhere Baby-Take-Home-Rate. Das bedeutet, dass man schwanger wird, das Kind austrägt und ein gesundes Kind bekommt. Für Menschen mit einem BMI im mittleren Bereich ist diese viel höher.

Desto schwerer die Frau, desto schwieriger wird das mit dem Schwanger werden. Wenn dann noch eine Autoimmunerkrankung und eine Schilddrüsenunterfunktion dazu kommt, wird es zunehmend schwieriger. Das heißt, bevor ich mich einer gefährlichen, schubtriggernden, sehr teuren Hormontherapie unterziehe und einer sehr teuren und schwierigen Kinderwunschbehandlung, lohnt es sich, sich zusammenzureißen. Versucht in einen Normalgewichtbereich zu kommen. Das ist einer der wichtigsten und entscheidenden Punkte. Dies wurde bereits in Studien nachgewiesen.

Abnehmen mit Hashimoto

Du hast Hashimoto und möchtest gerne abnehmen? Weißt aber nicht so recht, wie du es anstellen sollst? Wir helfen dir! Unser Kurs „Abnehmen mit Hashimito und anderen Autoimmunerkrankungen“ hat schon vielen Betroffenen und auch mir selbst geholfen das Gewicht zu reduzieren. Für mich hat es fantastisch funktioniert und ich bin heute stolz auf meinen BMI-Weit, der sich im mittleren bis unteren Bereich eingependelt hat. Dieser Kurs ist speziell auf die Autoimmunerkrankung Hashimoto abgestimmt und hilft nachweislich, wenn man es durchzieht, Gewicht zu reduzieren. Probier es aus!

Triggersuche – Nahrungsmitteltriggersuche

Für ganz viele ist wirklich ein wesentlicher Punkt Gluten. Hier gibt es nochmal ein extra Video zu Hashimoto und Autoimmunerkrankungen und Ernährung. Ganz starke Trigger, die das Immunsystem hochfahren, sind zum Beispiel Gluten, Kasein und noch ein paar andere Sachen. Wenn man die weglässt, erhöht man die Chance, schwanger zu werden. Unter anderem ist es auch so, dass ein stark hochgefahrenes Immunsystem auch das Sperma angreift. Das sind immunologische Prozesse, wo man sieht, dass die Zellen der Frau das Sperma angreifen und kaputt machen. 

Das ist etwas relativ häufiges, was auch immer geprüft wird. Deswegen wird in Kinderwunschzentren eine relativ große Immunstati gemacht, um zu schauen, ob das Immunsystem der Frau überaktiv ist. Man schaut, ob es sich lohnt daran zu arbeiten, sein Immunsystem und die chronische Entzündung ein bisschen runterzubringen, um dann die Chancen zu verbessern. Und ganz wichtig ist, wenn Du eine Frau bist, lass Deinen Mann untersuchen. 

Und wenn Du ein Mann bist, lass Dich untersuchen. Weil es in ganz vielen Fällen vorkommt, dass die Frauen wirklich alles versuchen, Schilddrüseneinstellung, Autoimmunprotokoll, Gewichtsabnahme, Hormontherapien, Zyklusmonetoring, alles stressig und anstrengend, verkehrt zum Optimum usw. und der Mann hat noch nicht mal ein Spermiogramm erstellen lassen. 

Die Frau schluckt künstliche Hormone, die für ihre Erkrankung ein Riesenproblem sein können und es wurde noch gar nicht geguckt, hat sie vielleicht gar nichts damit zu tun. Und das finde ich ganz wichtig, dass man hier als Paar sehr frühzeitig beide untersuchen lässt und guckt, woher können die Ursachen kommen.

Und das halt eben auch noch, es ist ja eine komplett noninversible Geschichte beim Mann. Einfach mal die Spermien untersuchen lassen, bevor die Frau sich auf den OP-Tisch legt und die Eileiter prüfen lässt, sich die Eileiter durchspülen lässt und eine schwierige Hormonbehandlung durchführt. Es sind auch häufiger die Männer als die Frauen. Männer sind einfach empfindlicher und anfälliger für Umwelteinflüsse. Aber auch da kann man dann sehr viel machen. Bei Männern, für Spermienqualität sehr entscheidend, ist Selen. 

Stellt sicher, dass der Selenspiegel sehr guten ist, dadurch kommt es weniger zu Tachatogenveränderungen. Das heißt, dass die Spermien fehlgeformt sind. Die Spermien werden insgesamt beweglicher und besser. Ganz wichtig, Smartphone weg von den besten Teilen. Die Strahlung des Smartphones, es gibt gegenteilige Studien, es gibt solche und solche, aber es gibt einige Studien die gezeigt haben, dass die Spermienqualität und die Spermienbeweglichkeit erheblich abnimmt, wenn das Smartphone dauerhaft in der Gesäßtasche oder in der vorderen Hüfttasche getragen wird. Und da würde ich sagen, dass ist so eine einfache Maßnahme, das wäre das erste was ich auf jeden Fall machen würde. 

Smartphone weg von den besten Teilen! Ich habe schon von vielen Berichten gehört, die das gemacht haben. Nach 120 Tagen sind die Spermien komplett ausgetauscht und wir haben neu produzierte Spermien. Lässt man diese erneut untersuchen, dann wird oft festgestellt: Hey, die Spermienqualität hat erheblich zugenommen.

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Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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