Diät bei Hashimoto-Thyreoiditis

Eines der häufigsten bei Hashimoto-Thyreoiditis auftretenden Symptome ist die ungewollte Gewichtszunahme ohne große Änderung der Ernährungsgewohnheiten – zumindest gefühlt. Gucken wir uns jetzt an, woran diese Gewichtszunahmen liegen.

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Die optimale Ernährung für Hashimoto-Patienten

Zum einen führt die Hashimoto-Thyreoiditis tatsächlich in den meisten Fällen zu einer Reduzierung der Stoffwechsellage. Diese kann sich zwischen 5 % und 10 % belaufen. Wobei eine 10%ige Reduzierung der Stoffwechselleistung schon zu so erheblichen Symptomen wie schweren Ödemen, extreme Verminderung der Leistungsfähigkeit, Antriebslosigkeit, Herzrhythmusstörungen und Synkopen – das heißt quasi Ohnmachtsanfällen – führen kann, dass dieses mit dem Leben kaum noch vereinbar wird und vom Patienten eigentlich nicht tolerierbar ist und daher fast immer in einer umgehenden Behandlung mündet.

Eine 5%ige Einschränkung des Stoffwechsels jedoch ist etwas, mit der man eine ganze Weile leben kann. 5 % Einschränkung des Stoffwechsels bedeutet nicht viel. In den meisten Fällen entspricht dies etwa einer Kalorienmenge von in etwa 100 Kalorien am Tag. Über einen langen Zeitraum kann diese Einschränkung von 100 Kalorien jedoch durchaus eine Gewichtszunahme machen. Was aber wesentlich erheblicher ist, ist die mit der Hashimoto-Thyreoiditis im Ganzen, also nicht nur mit der Hypothyreose, einhergehende Einschränkung des Antriebs und des Bewegungsbedarfs. Man fängt an die kleinen Bewegungen des Alltags zu unterlassen, wie zum Beispiel Wackeln mit dem Fuß oder Bewegungen mit der Hand. Gleichzeitig versucht man sich insgesamt nur noch so wenig wie möglich zu bewegen, das heißt Gänge, die man sonst selber gemacht hat, wie zum Beispiel etwas aus dem Kühlschrank zu holen oder einmal nach oben zu gehen, um etwas zu holen, delegiert man zunehmend nach außen, ohne dass man dies wirklich merkt.

Die Erschöpfung

Viele haben zudem ein tiefes Gefühl der Erschöpfung und Müdigkeit, was dazu führt, dass sie sich mehr und mehr schonen, keine sportlichen Aktivitäten mehr wahrnehmen und auch sonst im Alltag kaum noch Aktivitäten machen. Dies kann dann zusammen mit der leichten Stoffwechseleinschränkung von etwa 5 % eine erhebliche Senkung des Leistungsumsatzes verursachen. Hier kann es sich dann schon mal um 500 Kalorien am Tag handeln, was, wenn die Ernährung so wie zuvor beibehalten wird, dazu führen kann, dass innerhalb kürzester Zeit eine große Menge an Gewicht zugenommen wird. Darüber hinaus geht die Hashimoto-Thyreoiditis selber immer mit einem dauerhaft entzündlichen Prozess einher. Dieser entzündliche Prozess führt dazu, dass es zu Störungen im Insulin- und Leptinstoffwechsel führt. Da chronische Entzündungen eine der Hauptverursacher von Insulin- und Leptinresistenzen sind. Die Insulin- und Leptinresistenzen führen zu Blutzuckerdysregulationen und dadurch wiederum zu erhöhtem Bedarf an stark energiehaltigen Lebensmitteln, vor allen Dingen auf Seiten der Kohlenhydrate. Ebenfalls ist eine Erkrankung wie die Hashimoto-Thyreoiditis häufig mit Dysbiosen im Darm verbunden, hierunter auch chronische Candida-Infektionen des Darms, welche ebenfalls eine hohe Lust und ein hohes Bedürfnis nach süßen Speisen verursachen kann. Wir haben also verschiedene Punkte, die dazu führen, dass zum einen der Bedarf deutlich runterreguliert wird und zum anderen das intuitive Gefühl dafür, wie hoch der Bedarf tatsächlich ist, fehlreguliert wird – wie dies bei Insulin- und Leptinresistenzen der Fall ist.

Hormonelle Dysbalancen durch vermehrtes Fettgewebe

Das Problem ist, selbst wenn eine perfekte Schilddrüseneinstellung erfolgt, fallen die anderen Punkte, die dazu geführt haben, dass es zu diesen Einschränkungen gekommen ist, wie zum Beispiel die chronische Inflammation nicht weg und stark implementierte Insulin- und Leptinresistenzen bleiben ebenfalls bestehen. Eine drastische Gewichtszunahme im Bereich von 20 bis 30 kg führt zudem dazu, dass es zu schweren hormonellen Dysbalancen kommt, weil nun wesentlich mehr Fettgewebe vorhanden ist. Fettgewebe ist ein hormonaktives Organ, in dem bis zu 80 verschiedene Hormone produziert werden, die einen erheblichen Einfluss auf die Funktionen des Körpers und des Wohlbefindens haben können.

Das Fettgewebe selber führt also dazu, dass der Status-Quo, der Erhalt der jetzt vorhandenen adipösen Figur, vom Körper bevorzugt wird. Wir haben also einen verhängnisvollen Kreislauf. Das heißt, selbst wenn in dieser Situation eine optimale Schilddrüseneinstellung erfolgt kommt es in den allerseltensten Fällen von alleine wieder zu einer Gewichtsabnahme. Es kann sein, dass ein Gewichtsverlust von wenigen Kilos im Bereich von 2-3 bis zu 5 kg erfolgt. In vielen Fällen ist dies vor allen Dingen Wasser, da die Hypothyreose auch zu starken Einlagerungen von Wasser führt. Aber darüber hinaus findet keine weitere Gewichtsabnahme statt.

 

Dies hat unter anderem damit zu tun, dass vorher eine Gewichtszunahme erfolgte, weil der Stoffwechsel reduziert war. Wenn der Stoffwechsel sich jetzt aber wieder in einem normalen Bereich befindet, der Körper lediglich auf dem Status-Quo eines steady-State – also eines fixen Ist-Zusandes – ist und nicht darüber hinaus von alleine wieder Gewicht verlieren wird. Dies ist das häufigste Misskonzept bei der Einstellung von Schilddrüsenhormonen. Es wird davon ausgegangen, da das zusätzliche Gewicht von alleine gekommen ist, müsste es nun auch von alleine wieder gehen – das tut es aber eigentlich nie. Hierzu bedarf es einer Eigeninitiative.

Unsere Diät zur Hashimoto-Thyreoiditis greift all diese Zustände auf

Zum einen erlernst du innerhalb des Kurses, wie die Schilddrüseneinstellung optimaler Weise sein sollte, damit eine Diät überhaupt funktionieren kann. Des Weiteren wird darauf eingegangen, wie eine Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis aussehen sollte und wie man eine Eliminationsdiät durchführt. In der Phase 1, die du natürlich selbstverständlich auch einfach alleine Zuhause durchführen kannst, sollte auf die meisten entzündungsanregenden Stoffe verzichtet werden. Hierzu gehören alle Getreide, alle Pseudogetreide, Hülsenfrüchte, Nachtschatten, Saaten und Samen und Omega-6-Fettsäuren im Allgemeinen. In den weiteren Phasen kann man dann nach und nach bestimmte Lebensmittel wieder einführen. Am besten orientiert man sich hier entweder daran, was einem am meisten fehlt – in sehr vielen Fällen sind dies Eier, da diese vor allen Dingen das Frühstück deutlich erleichtern oder man orientiert sich daran, welche Lebensmittel für die meisten am ehesten problematisch sind und lässt diese weiterhin dauerhaft weg.

Milchprodukte in einer Hashimoto-Thyreoiditis-Diät

Sehr problematisch sind in vielen Fällen die Milchprodukte, da Milchprodukte in unserem Körper wahrscheinlich aufgrund der darin enthaltenen Lektine insulinartige Wirkungen auslösen. Das gleiche gilt für das im Weizen enthaltene Wheat Germ Agglutinin. Dieses hat sowohl an den Fettzellen als auch an den Muskelzellen insulinartige Wirkungen, jedoch auf unterschiedliche und jeweils ungute Art und Weise. An den Muskelzellen blockiert es die Aufnahme von Glukose in die Muskelzelle – an den Fettzellen erleichtert es die Aufnahme von Glukose und sorgt dafür, dass die Fettzellen reichlich wieder mit Fett aufgefüllt werden. Beides also Dinge, die wir nicht möchten. Ähnliche Mechanismen finden sich bei Milchprodukten.

Zudem kommt es aufgrund der paradoxen insulinergen Wirkung der Milchprodukte in ihrer Folge zu Hypoglykämien, welche dann wiederum Heißhungerattacken auslösen können – etwas, was bei einer restriktiven Diät extrem ungünstig ist. Daher empfehle ich Milchprodukte als allerletztes wieder zurückeinzuführen und Getreide bzw. Weizen und glutenhaltige Getreide überhaupt nicht. Ansonsten sollten die Phasen entsprechend aufgebaut werden, je nachdem, was einem am meisten fehlt oder was man denkt, was man am Ehesten nicht verträgt. Um zu berechnen, wie viel man zu sich nehmen kann, kann man einen der vielen Kalorienrechner benutzen, die das Internet zur Verfügung stellt.

Ich würde Menschen mit einer Schilddrüsenerkrankung empfehlen, dann von diesem Wert, den sie erhalten, noch einmal 5 bis 10 % abzuziehen, weil es aufgrund der chronisch entzündlichen Prozesse und der oft unzureichenden Schilddrüseneinstellung fast immer zu einer leichten Stoffwechselreduktion kommt. Am Tag verbraucht man dann die errechnete Menge an Energie. Nun sollte man sich überlegen, wie viel man an Gewicht verlieren möchte. Man veranschlagt für 1 kg Körperfett in etwa 7.000 Kalorien. Dies ist, wenn man es rein nach dem Masse-Wirkungs-Gesetz berechnet nicht 100%ig korrekt, ist aber, wenn man dies auf physiologische Gegebenheiten im Körper umrechnet ein gut zu benutzendes Maß. Aus dem was ich nun zunächst für mich als Leistungsumsatz berechnet habe, überlege ich mir, wie viel Gewicht ich in welchem Zeitraum verlieren möchte. Das heißt, wenn ich 1 kg verlieren möchte, muss ich 7.000 Kalorien einsparen.

 

Wenn ich am Tag einen errechneten Leistungsumsatz von 1.700 Kalorien habe, müsste ich 10 Tage lang 1.000 Kalorien zu mir nehmen, also 700 Kalorien am Tag einsparen, um dieses eine Kilo zu verlieren. Im Rahmen des Programmes ‚Abnehmen für Hashimoto‘ errechnet ein Algorithmus diese Mechanismen für dich und nimmt dir diese Arbeit ab. Dies ist auch die Individualisierung die das Programm durchführt. Ein individualisiertes Eingehen auf persönliche Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder ähnliches kann leider im Rahmen eines solchen einfachen Algorithmus nicht erfolgen und sollte gegebenenfalls mit einem Therapeuten und einem Ernährungsberater durchgeführt werden. Welche Lebensmittel sollte ich nun zu mir nehmen. In einer restriktiven Diät ist es immer hilfreich Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, die ein möglichst großes Volumen haben. Dies findet sich vor allen Dingen im Bereich der Gemüse und hier vor allen Dingen im Bereich der grünen Blattgemüse oder überhaupt des grünen Gemüses. Wurzelgemüse hingegen ist sehr energiedicht und stellt nur wenig Masse im Vergleich zur erhaltenen Energie zur Verfügung. Besonders günstig finde ich Blattsalate, Kohlgemüse aller Art, Sellerie, Gurke und ähnliche stark wasserhaltige volumenreiche Gemüse. Darüber hinaus sollte eine ausreichende Menge an Omega-3-Fettsäuren zu sich genommen werden, da Omega-3-Fettsäuren eine entzündungshemmende Wirkung im Körper haben und im Gegensatz zu den Omega-6-Fettsäuren eher in auf den Entzündungsprozess günstig wirkende Interleukine und andere Botenstoffe umgewandelt werden. Ein Bestandteil der Ernährung sollte daher fetter Fisch bieten, wie zum Beispiel Hering, Lachs, Makrele oder Tunfisch. Allerdings ist hier zu beachten, dass diese Fischarten recht stark Schwermetall belastet sind. Wer von sich bereits weiß, dass er Probleme mit der Schwermetallentgiftung hat, dem würde ich raten, auf den fetten Fisch zu verzichten und stattdessen lieber sein Protein aus weißem Fisch oder aus Fleisch aus kontrolliert biologischer Haltung zu sich zu nehmen und Omega-3-Fettsäuren über eine schwermetallgereinigte Quelle zu sich zu nehmen, wie zum Beispiel die Omega-3-Fettsäuren Supplemente von Nordic Naturals, welche über ein Ultrafiltrationsverfahren von Schwermetallen gereinigt werden.

Die Proteinversorgung

Ein wichtiger weiterer Bestandteil der Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis sollte eine ausreichende Proteinversorgung sein. Die Hashimoto-Thyreoiditis als chronisch entzündliche Erkrankung geht mit einem erhöhten Proteinbedarf einher, welcher sich in etwa auf 1,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht beläuft. Dies entspricht einer Menge, wie sie auch für Hochleistungssportler und Bodybuilder veranschlagt wird. Die Idee eine erhöhte Proteinaufnahme würde zu Nierenschäden führen ist nicht korrekt. Wenn bereits eine Nierenstörung vorliegt muss auf die Proteinmenge geachtet werden. Eine erhöhte Aufnahme von Proteinen schadet den Nieren jedoch nicht, selbst wenn die Aufnahme an Proteinen um ein Vielfaches überschritten wird. Im Rahmen von chronisch entzündlichen Erkrankungen findet eine erhöhte Regeneration und Reparation im Körper statt. Für jede Reparation muss Protein vorhanden sein, um neue Zellen bilden zu können. Der Bedarf an Proteinen im Körper ist also drastisch erhöht gegenüber dem Gesunden, welche in der Ernährung Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. In vielen Fällen ist eine unzureichende Proteinaufnahme mit einer der Gründe dafür, warum keine Heilung stattfinden kann und sich der Zustand trotz aller weiteren Maßnahmen nicht verbessert. Besonders schwierig ist eine ausreichende Proteinaufnahme in einer vegetarischen oder veganen Ernährung, vor allen Dingen, da von dem Konsum von verwerteten Hülsenfrüchten abzuraten ist, da die Hämagglutinine in den Hülsenfrüchten bei Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis in vielen Fällen ein sogenanntes Leaky-Gut-Syndrom – eine Darmpermeabilitätsstörung – auslösen und daher ungünstig für den Heilungsverlauf sind. Zur Hilfe nehmen kann man sich in diesen Fällen Proteinpulver aus gereinigten Hülsenfrüchtenpräparaten, hier wurden die Hämagglutinine, die Lektine bereits rausgereinigt und das Protein sehr gut aufnehmbar aufbereitet, sodass es von der Schleimhaut des Dünndarms bereits zu 99,9 % aufgenommen werden kann, noch bevor es in tiefere Darmgefilde vordringt. Geschmacklich sind diese Proteine nicht optimal, wenn man sie jedoch verarbeitet und in Smoothies, Shakes und Pfannkuchen zu sich nimmt geht es ganz gut. Und man sollte es in gewisser Weise mit als eine Art Medikament betrachten, welches nötig ist, um den Körper ausreichend zu versorgen, um heilen zu können. Im Rahmen einer Diät bei Hashimoto-Thyreoiditis ist also eine ausreichende Proteinaufnahme in jedem Fall zu beachten und es lohnt sich in regelmäßigen Abständen eine Bestimmung des Gesamtproteins im Blut durchzuführen, um zu gucken, ob es zu Proteinmängeln kommt. Proteinmängel sind nämlich einer der häufigsten Gründe, warum es zu Plateauphasen in einer Gewichtsabnahme kommt und der Körper sich massiv dagegen wehrt, weiteres Gewicht abzugeben. Kommt es also zu einer Plateauphase, sollte hiernach geschaut werden und die unzureichende Proteinaufnahme verbessert werden.

Intermittierendes Fasten als Diät bei Hashimoto?

Ein weiteres nützliches Tool bei der Gewichtsabnahme bei Hashimoto-Thyreoiditis kann das intermittierende Fasten sein. Aus multiplen Studien wissen wir, dass es bei Fasten zu einer Verbesserung von entzündlichen Prozessen kommt. Vor allen Dingen bei rheumatoiden Erkrankungen ist Fasten sehr sehr hilfreich und führt in fast allen Fällen während der Fastenphase zu einem Abheilen der Gelenksentzündung. Auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis tritt dieser Effekt ein, wobei dieser eben nicht so unmittelbar zu sehen ist, wie dies bei der rheumatoiden Arthritis der Fall ist. Leider können wir nicht dauerhaft und immer fasten, daher ist intermittierendes Fasten ein sehr schönes Hilfsmittel, um die Vorteile der Entzündungsreaktion in einer Fastenphase zu bekommen, dennoch aber eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen und einer ausreichenden Nahrungsaufnahme möglich zu machen. Wichtig ist, dass intermittierendes Fasten bei Nebennierenfehlfunktionen schwierig ist und Nebennierenfehlfunktionen bei einer Hashimoto-Thyreoiditis in sehr vielen Fällen auftreten. Schwierig kann dies sein bei einer Nebennierenfehlfunktion in einem der Frühphasen, wo zu viel Cortisol produziert wird und der Körper dazu neigt, sich selber mit Stresshormonen zu überschütten. Fasten führt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen vor allen Dingen von Adrenalin und Noradrenalin, aber auch von Cortisol, um die Freisetzung von Zucker aus körpereigenem Gewebe zu gewährleisten. Wenn die Nebenniere sowohl in Mark und Rinde sowieso schon hyperreagibel ist, aufgrund von chronisch entzündlichen Prozessen, kann diese Ausschüttung von Stresshormonen verstärkt sein. Dies kann sowohl zu starker Erschöpfung und Müdigkeit als auch zu einer Überreagibilität führen. Wenn man unter den Fastenphasen ein starkes Gefühl von innerer Unruhe verspürt und wenn nicht mehr gut geschlafen wird, sollte das Prozedere überdacht werden und tatsächlich erstmal lieber weniger gefastet werden. Hilfreich ist es mit kurzen Fastenphasen zu beginnen und das Fastenintervall als erstes auf einen Intervall von vielleicht 10 Stunden festzulegen und diesen dann nach und nach zu erhöhen auf zunächst 12, dann 14 und am Ende 16 Stunden – der Intervall, der beim intermittierenden Fasten meistens angestrebt wird.

Fasten und die Nebennieren

Eine weitere Problematik kann sein, wenn die Nebennieren bereits stark beeinträchtigt sind und nicht mehr ausreichend Cortisol produzieren, weil sie über einen langen Zeitraum so viel Stresshormone produzieren mussten, dass sie nun unter einer partiellen Erschöpfung leiden. In diesen Fällen kann es ungünstig sein, wenn nicht in regelmäßigen Abständen gegessen wird, da jede Nahrungsaufnahme zu einem Cortisolpeak führt und dem Körper dabei hilft den Cortisolspiegel dauerhaft hoch zu halten und in einem vernünftigen Bereich zu halten. Bei echten Nebennierenfehlfunktionen vom Stadium 3c bis 4, wo nicht mehr ausreichend Cortisol produziert werden kann, ist es daher günstig möglichst häufig kleine Mahlzeiten im Laufe des Tages zu sich zu nehmen und intermittierendes Fasten wäre im starken Maße kontraproduktiv. In diesen Stadien sind die Betroffenen allerdings meist so erschöpft, dass eine restriktive Diät und eine Gewichtsabnahme sowieso relativ weit hinten bei den Wünschen in Richtung Heilung steht.

Fazit

Insgesamt ist zu sagen, dass ein Erreichen vom Normalgewicht bei chronisch entzündlichen Erkrankungen eine große Rolle spielt, weil das Fettgewebe permanent Entzündungsreaktionen antriggert. Zum einen liegt das an den vielen im Fettgewebe produzierten Hormonen, wie dies bereits oben erwähnt wurde, zum anderen neigt Fettgewebe dazu schnell nekrotisch zu werden, das heißt in jedem Moment sterben viele kleine Fettzellen ab, welche wiederum ebenfalls den Entzündungsprozess antriggern. Meine persönliche Erfahrung und mit meinen Patienten ist, dass wirkliches Wohlbefinden daher erst bei Normalgewicht erreicht werden kann. Dies wird auch durch die wissenschaftliche Datenlage von der Seite bestätigt, dass bei Sportlern, Kraftsportlern, die sogenannte Massephasen durchlaufen, wo sie stark an Gewicht zunehmen, massive hormonelle Dysbalancen auftreten, die zum Teil kontraproduktiv auf das Muskelwachstum wirken, weswegen das Prozedere der traditionellen Massephase inzwischen von vielen Sportlern verlassen wurde, da es insgesamt eher kontraproduktiv ist. Die gleichen unguten Prozesse hinsichtlich des Hormonstoffwechsels finden auch beim „normalen“ Adipösen statt. Das Erreichen von Normalgewicht oder zumindest nur einer leichten Adipositas sollte also immer mit im Behandlungsplan bei der Hashimoto-Thyreoiditis stehen. Ein weiterer großer Grund, warum bei Schilddrüsenerkrankungen und bei allen Erkrankungen, wo Substitutionen von körpereigenen Hormonen durchgeführt werden muss, Normalgewicht zu erreichen ist, dass ein kleinerer Körper einfach weniger Hormone braucht um zu funktionieren, als ein großer. So wie eine kleine Wohnung deutlich weniger Energie verbraucht um beheizt zu werden, als eine große, gilt dies auch für den Körper. Eine Frau, die nur 1,60 m groß ist, verbraucht tatsächlich mit einem Gewicht von 50 bis 60 kg deutlich weniger an Schilddrüsenhormonen, als dies für eine Frau der gleichen Größe mit 110 kg der Fall wäre. Ist eine Restfunktion von Organen gewährleistet, wie zum Beispiel beim Diabetes mellitus Typ 1, wenn ein Teil der Bauchspeicheldrüse noch funktionell ist oder eben auch bei der Hashimoto-Thyreoiditis, wenn die Schilddrüse noch Hormone produzieren kann, so ist es extrem hilfreich, wenn der Bedarf an Schilddrüsenhormonen reduziert wird, um damit dem Restgewebe der Schilddrüse zu ermöglichen ausreichend Hormone zur Verfügung zu stellen. So war es für mich selbst ein wesentlicher Faktor 30 kg an Gewicht zu verlieren, um in eine sogenannte Vollremission eintreten zu können, in der ich keine Hormone mehr von extern zuführen muss, weil mein Restschilddrüsengewebe von nunmehr in etwa 9 ml noch ausreichend ist, um meinen jetzt kleinen und schlanken Körper mit Schilddrüsenhormonen zu versorgen. Im Übergewicht wäre dies unmöglich gewesen.
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Autorin
Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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