Hashimoto und intermittierendes Fasten

Dr. Simone Koch

Dr. Simone Koch

Expertin im Bereich der Autoimmunerkrankungen

Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen wieder mit meiner Diät und meinem Abnehmprogramm durchzustarten bis mich die Grippe erwischt hatte. Da ich so krank war, habe ich dann währenddessen schon ein kleines bisschen abgenommen. Leider habe ich das aber auch hinterher ganz schnell wieder zugenommen und jetzt habe ich mir gedacht, dass ich richtig durchstarte.

Das Abnehmprogramm dauert zwölf Wochen und passt genau auf den Beginn unseres Urlaubes. Ich habe mir dafür einen Slide gemalt – als extra Motivation!

Normalerweise sieht das Abnehmprogramm bis zu sechs Mahlzeiten am Tag vor. Das hat auch damit zu tun, dass viele mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis Schwierigkeiten haben, den Blutzucker stabil zu halten (Blutzuckerbalance) und es ihnen auch einfach ganz schwer fällt und zum Teil auch Panikattacken und Angststörungen auslösen kann, wenn man Mahlzeiten stark reduziert.

Aber wie du dir das einteilst kannst du selbst entscheiden. Ob du sechs kleine Mahlzeiten am Tag essen möchtest oder ob du das ganz anders verteilst ist dir selbst überlassen. Das ist einer der großen Vorteile des Programms. Denn für einige bewährt es sich sehr, die Mahlzeiten anders zu verteilen, um intermittierendes Fasten durchzuführen.

Warum sollte man überhaupt fasten? Welche Vorteile kann Fasten haben?

Es gibt kaum etwas, das so stark antientzündlich ist wie fasten. Bereits acht bis zwölf Stunden, nachdem man mit dem Fasten begonnen hat, sinken die Entzündungsparameter des Körpers erheblich. Schon Kurzfastenphasen können also einen Erfolg bringen und vor allen Dingen zum Beispiel bei den rheumatischen Erkrankungen sehr effektiv sein. Man kann durch Fasten fast jeden Patienten mit einer rheumatischen Erkrankung erstmal nahezu in Vollremission bringen und schmerzfrei machen.

Problematisch ist das Fasten nur deshalb, weil der Mensch nicht dauerhaft fasten kann. Wie können wir uns also die Vorteile des Fastens zu Nutze machen, ohne dass wir durch die Nachteile Schwierigkeiten haben? Hier ist das intermittierende Fasten aufgekommen, das in den letzten Jahren sehr populär geworden ist. Man hat festgestellt, dass die positiven Effekte des Fastens auch schon einsetzen, wenn man nur wenige Tage die Woche fastet oder wenn man eben nur wenige Stunden des Tages fastet. Es entspricht auch der Physiologie des Menschen. In früheren Zeiten gab es einfach nicht immer etwas zu essen. Man musste erst einmal das Essen suchen oder jagen und dadurch gab es eben auch mal längere Phasen ohne Nahrung.

Der Fastenintervall sollte nicht länger als 12 Stunden sein.

Ich persönlich frühstücke sehr reichhaltig. Vielfach ist empfohlen, dass man das Frühstück weglassen soll. Man isst also relativ früh Abendbrot und lässt dann das Frühstück weg und dadurch hat man einen sehr langen Fastenintervall. Das geht für mich persönlich nicht und ich würde auch denken, dass es für die meisten Menschen mit Autoimmunerkrankungen nicht so gut geeignet ist. Warum? 

Das ist ein sehr langer Fastenintervall und man hat festgestellt, dass – insbesondere bei Frauen – diese sehr langen Fastenintervalle die pulsatile Ausschüttung des GNRH (Hormon, das für Eierstockfunktionen oder Hodenfunktionen verantwortlich ist) nicht mehr funktioniert. Bei Männern besteht diese unmittelbare Rückkopplung nicht aber bei Frauen bleibt die Periode aus. Die Libido wird bei Männern dennoch stark eingeschränkt und ich persönlich würde vermuten, dass langfristige Fastenintervalle eventuell auch bei Männern zu erheblichen Einschränkungen der pulsatilen GNRH-Frequenz führen.

Man hat in Studien festgestellt, dass Frauen, je nachdem wie stark der Körper bereits gestresst ist, wie hoch die vorhandenen Stressanteile sind, dazu neigen, dass die pulsatile GNRH Ausschüttung fast komplett aufhört und dass dementsprechend die Periode ausbleibt und es zu Fertilitätseinschränkungen kommt. Zum Teil sogar dauerhaft.

Die Hypophyse ist herbei beeinträchtigt und das kann auch alles andere betreffen und tut es meistens auch. Ich hatte jetzt gerade erst wieder so einen Fall. Ein sehr junges Mädchen, die sich sehr erfolgreich mit einer Low-Carb Diät auf einen Körperfettanteil von 16 Prozent gebracht hat und jetzt aber den Verlust der Menstruation und auch einen fast vollständigen Verlust der Schilddrüsenfunktion hat, weil auch die TSH Ausschüttung kann – muss nicht – dadurch extrem beeinträchtigt werden.

Wenn man ohnehin schon Probleme mit der Schilddrüse hat und die Schilddrüse nicht vernünftig arbeitet ist das natürlich kontraproduktiv.

Wie kann man das aushalten?

In dem Beitrag zu Heißhungerattacken hatte ich dies bereits angesprochen. Wenn die chronische Entzündung gerade sehr stark ist, dann ist es meistens schwierig, weil die Stresshormone in die Quere kommen. Ich würde einfach mit kürzeren Intervallen anfangen. Wenn beispielsweise vier Stunden fasten in Ordnung sind, dann kannst du mal versuchen viereinhalb Stunden zu fasten. Schon nach einem kurzen Zeitraum steigt die Insulinsensitivität der Zellen massiv an und das Fasten wird deutlich erleichtert.

Mein persönliches intermittierendes Fasten sieht folgendermaßen aus:

Morgens eine große Mahlzeit mit relativ vielen Kohlenhydraten und abends eine Mahlzeit. Das ergibt einen Fastenintervall von etwa 12 Stunden. Ich habe morgens zum Beispiel immer von innen heraus wahnsinnig gefroren und hatte ganz große Schwierigkeiten mit dem Energieerhalt. Nachdem ich verschiedene Mahlzeiten am morgen ausprobiert habe (morgens nur Eiweiß oder Eiweiß und Fett) habe ich für mich festgestellt, dass bei mir ein Frühstück mit sehr viel Eiweiß und Kohlenhydraten dazu führt, dass ich nicht mehr friere. Das ist auch der Grund warum ich nicht auf das Frühstück verzichten würde, weil ich dann den Vormittag vom Energielevel nicht durchstehen könnte. Mit einer vernünftigen Morgenmahlzeit kommen Symptome wie das Frieren, Müdigkeit, Erschöpfung usw. gar nicht erst auf.

Mein Tipp: probiere für dich selber aus, was für dich gut funktioniert.

Intermittierendes Fasten und Zuckertoleranzstörung – geht das?

Studien und auch die Praxis haben bestätigt, dass Zuckertolerenzstörungen sehr stark durch intermittierendes Fasten verbessert werden. Man kann nur nicht gleich mit einem langen Fastenintervall anfangen, sondern muss mit deutlich kürzeren Intervallen beginnen und sich langsam herantasten. Auch die Fettverwertung des Körpers wird stark erhöht, das heißt mit Fastenintervallen klar zu kommen wird mit der Zeit deutlich besser.

Intermittierendes Fasten und Nebennierenfehlfunktion

Wer eine Nebennierenfehlfunktion im Stadium 1 und 2 hat, enorm viel Cortisol ausschüttet und eine Tendenz zu viel Cortisol hat oder jemand, der sowie schon überstresst ist im Leben – das auch zu massiven Cortisolausschüttungen führt – wird sich damit deutlich schwerer tun und dem tut es wahrscheinlich auch nicht gut weil es leider doch auch zu einer Erhöhung des Stresslevels insgesamt führen kann. Da können auch kürzere Intervalleinheiten sinnvoll sein aber ich würde es wirklich nicht zu lange machen. Und wer eine echte Nebennierenunterfunktion hat, also dass die Nebenniere nicht genug Cortisol produziert, für denjenigen ist es gar nicht empfehlenswert. Denn der Patient ist nicht in der Lage, während des Fastens Stresshormone auszuschütten um den Körper dann dazu zu bringen, Glucose auszuschütten und wird unter Umständen dadurch extreme Mangelversorgung entwickeln und erleben. Für diese Menschen ist es nicht geeignet.

Jeden Tag intervallfasten oder nur einen bestimmten Zeitraum?

Studien haben gezeigt, auch wenn man nur zwei Tage die Woche fastet, bringt es bereits einen Nutzen. Beginne erst einmal damit und wenn du das Gefühl hast, dass es dir gut tut, dann kannst du es noch ein bisschen weiter verlängern. Besonders wichtig ist, dass man – wenn man nicht an Gewicht verlieren will – darauf achtet, während den Mahlzeiten tatsächlich so viel zu essen (mehr als sonst), dass man auch seinen Gesamtenergiebedarf abdeckt.

Wer Gewicht verlieren möchte kann das Intervallfasten nutzen, um wesentlich besser in der Restriktion zu bleiben. Wer das nicht möchte und eine isokalorische, also entsprechend dem Bedarf angepasste Diät durchführt, sollte darauf achten, dass die Mahlzeiten entsprechend groß sind.

Wird die Leber dadurch verbessert?

Insgesamt sorgt es für die Verbesserung von bestimmten enzymatischen und körpereigenen Signalen, die die Entzündungsreaktion deutlich herunterbringen und dementsprechend oft auch eine Verbesserung von zum Beispiel Fettlebersymptomen und ähnlichem mit sich bringen. Das dauert aber und man muss das schon relativ langfristig durchhalten.

Wichtig ist, dass man vorsichtig mit den langen Fastenintervallen umgeht. Wenn man abends relativ früh Abendbrot isst und morgens erst sehr spät frühstückt kann das einfach zu viel sein für einen ohnehin schon gestressten Organismus.

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Autorin

Dr. Simone Koch

Simone Koch ist Expertin für Autoimmunerkrankungen. Sie beschäftigt sich mit Hashimoto, Darmerkrankungen und vielen unterschiedlichen Autoimmunerkrankungen. Zusätzlich entwickelt sie neue Behandlungsansätze für Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

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